Schon im Vorjahr zeichnete sich ab, was immer mehr zur Gewissheit wird: Der Markt der Strafverteidiger sortiert sich neu. Indizien dafür gibt es viele: Ein rauerer Ton in der sonst recht harmonischen Community, die weiterhin zahlreichen Wechsel, aber auch Verfahrenskomplexe wie Heraeus, die erstmals eine Vielzahl jüngerer Verteidiger versammeln und damit den Generationswechsel zeigen.
Angetrieben wird der Wandel aber auch davon, dass Cluster wie Diesel und Cum-Ex entweder abgeschlossen sind oder in den Schubladen ruhen. Jungverteidiger, die ihre Kanzleigründungen im Wesentlichen darauf gegründet haben, haben derzeit Schwierigkeiten: „Wir erleben das erste Mal, dass Mandanten aktiv angegangen werden“, berichtet etwa ein erfahrener Verteidiger. Das hält andere allerdings nicht ab: Associates oder höherrangige Anwälte von
Bessere Startbedingungen haben größere Einheiten. Das gilt allen voran für
Zurück zu den Wurzeln
Gleichzeitig sind die Straf- und Owi-Verfolger so munter wie lange nicht. Tatbestände wie Schwarzarbeit haben wieder Konjunktur, das Steuerstrafrecht boomt ohnehin – auch dank der EuStA und Selbstanzeigen. Umsatzsteuerkarusselle bleiben ein Dauerbrenner, während die Verfahren rund um Gewerbesteueroasen Fahrt aufgenommen haben. Die Private-Equity-Szene indes hofft auf eine baldige Klärung im Musterverfahren um die Betriebsstätte. Auch das Umweltrecht sorgte für viele Aktenzeichen, vor allem wegen der neuen Zentralstelle für die Verfolgung der Umweltkriminalität in NRW und der europäischen Richtlinie.
Diese Umsetzung brachte das Thema Unternehmenssanktionen wieder auf den Tisch und ließ die Hoffnung keimen, dass interne Aufklärung und effiziente Compliance-Systeme Unternehmen klar entlasten. Verbunden damit, dass viele Unternehmen derartige Untersuchungen heute präziser steuern und KI-Tools große Kapazitäten entbehrlich machen, hätte dies Boutiquen gegenüber den strafrechtlich erstarkten Großkanzleien Vorteile verschafft. Es wird so wohl nicht kommen, aber auch schon vorher zeichnete sich ab, dass Boutiquen bei vielen Unternehmen punkten. Besonders stark zugelegt haben unter anderem die Hamburger Einheit