Eine jüngere Anwaltsgeneration prägt zunehmend das Bild und neue Boutiquen drängen in den Markt. Inhaltlich treiben Restrukturierungen, Entgelttransparenz und die Regulierung der Plattformökonomie das Geschäft.
Die Treiber der arbeitsrechtlichen Beratung waren zuletzt vielfältig. Auf der einen Seite stehen Restrukturierungen, Standortschließungen und Personalabbau ganz oben auf der Agenda zahlreicher Praxen – sei es bei Cerha Hempel, Baker McKenzie oder Zeiler. Im Falle Letzterer vertrauten gleich mehrere Automobilzulieferer bei Werksschließungen und großen Personalabbaumaßnahmen auf Dr. Hans Laimer. Auch bei Schönherr verschob sich das Mandatsprofil in Richtung komplexer Restrukturierungen und konfliktträchtiger Großprojekte.
Auf der anderen Seite sorgten neue europäische Vorgaben für Beratungsbedarf, allen voran die Entgelttransparenzrichtlinie. Zwar scheiden sich die Geister, ob bereits vor der Umsetzung in nationales Recht sinnvoll dazu beraten werden kann, doch zahlreiche Praxen sind längst mit der Überprüfung und Anpassung von Gehaltssystemen ihrer Mandanten befasst. Besonders aktiv positionieren sich hier neben den klassischen Arbeitsrechtspraxen die Legal-Bereiche der großen Steuerberatungskanzleien, vor allem Deloitte Legal – Jank Weiler Operenyi, KPMG Law – Buchberger Ettmayer, PwC Legal und Leitner Law – Edthaler Leitner-Bommer Schmieder & Partner. Parallel verschiebt die EU-Plattformarbeitsrichtlinie das Geschäftsmodell von Lieferdiensten und Mobilitätsplattformen. Hier formierten sich vor allem die Großkanzleipraxen. Doch auch Boutiquen mischen im wachsenden Markt der Plattformberater mit, darunter der österreichische Ableger der internationalen Arbeitsrechtsboutique Littler: Markus Löscher begleitete Uber Eats in allen arbeitsrechtlichen Fragestellungen beim Marktstart in Österreich.
Ein prägendes Thema der Branche ist nach wie vor der Generationswechsel, der in den einzelnen Praxen unterschiedlich voranschreitet. Der kleinen, aber personell stabilen Praxis von Cerha Hempel beispielsweise ist der Übergang auf den jungen Partner Christopher Peitsch gut gelungen. AuchDorda, die 2025 den Weggang eines aufstrebenden Anwalts hinnehmen musste, treibt den Generationswechsel nichtsdestotrotz voran.
Weniger reibungslos verläuft die Stabübergabe andernorts. Bei Gerlach– ähnlich wie bei den Wettbewerbern Engelbrecht und Burgstaller & Preyer – wäre es für eine nachhaltige Entwicklung der Kanzlei wichtig, dass auch die nachfolgende Generation mehr Marktwahrnehmung erhält. Auch bei Burgstaller & Preyer zeigte sich erneut, dass es der Kanzlei trotz des wertvollen Zugangs von Birgit Vogt-Majarek (samt Ius Laboris-Anbindung) nicht gelingt, junge Talente an sich zu binden. Der nachhaltige Aufbau einer jüngeren Anwaltsriege ist damit drängender denn je.
Auffällig ist zudem die Dynamik bei Neugründungen. Die Entwicklung der seit 2023 bestehenden Arbeitsrechtsboutique Loescher verlief rasant: Wettbewerber zollen Markus Löscher unisono Respekt für dessen Marktpräsenz. Halo, seit Ende 2024 am Markt, hat sich binnen kurzer Zeit als spezialisierte Arbeitgeber-Boutique etabliert und ihr Mandatsportfolio deutlich ausgebaut. Auch Krichmayr Tinhofer ist nur zwei Jahre nach der Gründung ein fester Bestandteil des Wiener Kanzleimarkts. Hoyos Klinger Lanner, erst 2025 gegründet, hat sich ebenfalls bereits gut etabliert und konnte neben ihren Stammmandanten bereits zahlreiche neue Klienten von sich überzeugen. Eine weitere Boutique, die beginnt, sich in der arbeitsrechtlichen Beratung zu etablieren, ist das Team von Attys 05 um den ehemaligen Herbst Kinsky-Anwalt Dr. Christoph Ludvik. Die dortige Praxis wiederum befindet sich derzeit im Wiederaufbau, im Zuge dessen gewann Co-Leiterin Johanna Pinczolits zuletzt Präsenz am Markt.
Zuletzt stellten einige Marktteilnehmer die langjährige Vormachtstellung von CMS Reich-Rohrwig Hainz infrage. Unbestritten ist jedoch, dass keine andere Praxis in Österreich über eine so breite Riege anerkannter Partnerinnen und Partner verfügt. Zudem bestätigen Wettbewerber, dass \“das immer noch sehr dominante Team\“ um Dr. Christoph Wolf mehr vor Gericht stehe als Anwälte anderer Großkanzleien. Auch mit dem in Kooperation entwickelten und nun marktreifen digitalen Zeiterfassungssystem sowie der hohen Spezialisierung und seinem akademischen Ansatz setzt es nach wie vor Maßstäbe. Doch andere Praxen holen sichtbar auf: Baker McKenzie hat sich mit Mandanten wie McDonald’s und KTM als strategischer Transformationsberater profiliert. Schönherr indes hat unter Dr. Stefan Kühteubl eines der größten arbeitsrechtlichen Teams hierzulande aufgebaut, und auch Wolf Theiss bleibt fest in der erweiterten Spitze verankert. Diese Praxen sind weniger streitig und weniger wissenschaftlich aufgestellt als CMS, dafür ausgeprägt pragmatisch – ein Ansatz, den Mandanten insbesondere bei Umstrukturierungen und Transformationsprojekten immer mehr zu schätzen scheinen.