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Insolvenz und Restrukturierung: Großcausa Signa

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Groß, größer, Signa – kaum eine Causa hat je so viele Kanzleien in Österreich gleichzeitig beschäftigt wie diese. Etwa vergleichbar mit der Dimension des Dieselskandals in Deutschland. Doch auch darüber hinaus gab es für die Insolvenzrechtler und Restrukturierungsberater hierzulande viel zu tun.

Von Annette Kamps und Claudia Otto


Mit dem Trend zunehmender Insolvenzen steht Österreich nicht allein da. Laut einer globalen Insolvenzstudie, die der Kreditversicherer Acredia gemeinsam mit Allianz Trade veröffentlicht hat, steigen die weltweiten Unternehmensinsolvenzen 2025 um 6 Prozent und 2026 um weitere 5 Prozent. Eine Trendwende zeichne sich erst 2027 ab, mit einem leichten Rückgang von 1 Prozentpunkt.

In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach dem kräftigen Anstieg im Vorjahr ist die Zahl der Firmenpleiten 2025 laut Gläubigerschutzverband KSV 1870 erneut um 3,4 Prozent auf 6.810 Fälle gestiegen. Damit steuert Österreich auf das vierte Jahr in Folge mit zunehmenden Insolvenzen zu und erreicht nahezu das Niveau des bisherigen Rekordjahres 2005, als es 7.050 Pleiten gab. Besonders betroffen bleiben laut Acredia der Einzelhandel, das Baugewerbe und das Gastgewerbe, zunehmend auch kleinere Betriebe.

Hintergrund dieser Entwicklung sind strukturelle Schwächen der Binnenkonjunktur, eine verzögerte Erholung von der Rezession sowie die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft, Österreichs wichtigstem Handelspartner. Diese Faktoren dürften die Zahl der Insolvenzen auch 2026 auf hohem Niveau halten.

Bereits seit Ende 2023 mangelt es nicht an Großinsolvenzen. So sind nach den zahlreichen Signa-Insolvenzverfahren Fisker, Süba, Hallmann oder KTM nur die dicksten Fische. Entsprechend stark nachgefragt waren auch die Berater im Insolvenzrecht sowie der Restrukturierungs- und Sanierungsberatung.

Bestens gerüstet für multiple Krisen ist Abel. Keine österreichische Insolvenzrechtskanzlei ist so breit und groß aufgestellt wie sie. So hat sie neben Altmeister Norbert Abel mehrere weitere starke Partner in ihren Reihen. Dies überzeugt auch die Gerichte, sie trauen der Kanzlei mehrere große Verwaltungen gleichzeitig zu. Selbst Wettbewerber nehmen bewundernd zur Kenntnis, dass etwa der aufstrebende Patrick Gensbichler über seine Arbeit im Team von Abel als Sanierungsverwalter von Signa Prime Selection auch für Süba zum Verwalter bestellt wurde.

Um in der Signa-Causa schneller voranzukommen, überlegte sich Abel gemeinsam mit den beiden anderen Verwalterkanzleien der größten Verfahren, Ecolaw (Development Selection) und Stapf Neuhauser (Signa Holding), ein strukturiertes, außergerichtliches Verfahren, um haftungsrechtliche Fragen mit jenen Beteiligten zu klären, gegen die konkrete Ansprüche bestehen. 

Die unabhängige Verfahrensleitung wird von Niamh Leinwather, Generalsekretärin der internationalen Schiedsinstitution VIAC, und dem Rechtsanwalt Dr. Gernot Murko, Professor für Unternehmens- und internationales Wirtschaftsrecht an der Karl-Franzens-Universität Graz, übernommen. Murko, Namenspartner der Klagenfurter Kanzlei Murko Bauer Murko Klatzer, gehört zu den renommiertesten Anwälte Kärntens und ist selbst regelmäßig als Masseverwalter tätig.

Auch am Kanzleimarkt selbst herrscht Dynamik. So trennte sich die hoch renommierte Insolvenzrechtlerin Dr. Ulla Reisch nach 25 Jahren zum November 2025 von Urbanek Lind Schmied Reisch und firmiert nunmehr mit ihrem Team unter eigener Flagge, während die verbliebenden Juristen unter Urbanek Lind Schmied weitermachen. An dem Erfolg der Insolvenzrechtler ändert dies nichts. Im Gegenteil: Auch einer jüngeren Partnerin ist es inzwischen gelungen, sich neben der Namenspartnerin zu positionieren. Noch unter dem Dach von ULSR machte Reisch mit der Schuldnervertretung von Pierer Industrie beim ersten österreichischen Verfahren nach der Restrukturierungsordnung von sich reden.

Ob sich dies zu einem Trend entwickelt oder eine Ausnahmeerscheinung bleibt, bleibt abzuwarten. Ein Trend hin zu außergerichtlichen Sanierungen hält allerdings bereits Einzug. So tummeln sich auf diesem Feld immer mehr Einheiten, die ehemals reine Verwalterkanzleien waren, allen voran Abel.

Ebenfalls außergerichtlich fand der Dauerbrenner Alpine zumindest in Teilen einen Abschluss: Nach mehr als zehn Jahren konnte Engelhart Richter & Partner für die Alpine Bau mittels einer gerichtsnahen Mediation eine Vereinbarung schließen, mit welcher einerseits die Haftungsprozesse gegen den Abschlussprüfer beendet wurden und andererseits die Alpine Bau eine Forderung an den Wirtschaftsprüfer abgetreten hat.

Anmerkung der Redaktion

Die Entwicklungen seit Frühjahr 2026 finden sich aufgrund der Aktualität der Ereignisse nur bedingt im Ranking. Eine qualifizierte Neubewertung der veränderten Praxisgruppen bei DLA Piper Weiss-Tessbach und bei Abel sowie der neuen Einheit Prior hat die JUVE-Redaktion nicht vorgenommen. Die Ende 2025 entstandenen Rankings sind daher nur unwesentlich verändert.

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