Allerdings konnte Freshfields ihren durchschnittlichen Gewinn pro Equity-Partner in etwa bei 1,4 Millionen Pfund beziehungsweise umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro halten. Die Kanzlei hatte in den Jahren 2006/2007 bereits eine Restrukturierung durchlaufen, bei der mehr als 30 Partner allein in Deutschland die Kanzlei verlassen hatten. Im Ergebnis schraubte sie ihre Profitabilität kräftig nach oben. „Wir sind dadurch relativ schlank aufgestellt in die Krise gegangen“, sagte ein deutscher Partner. „Das hat uns jetzt manches erleichtert.“ Während die ersten beiden Quartale aus heutiger Sicht noch gut liefen, fielen die beiden letzten ab Oktober 2008 bereits voll in die Bankenkrise und die Rezession. Dementsprechend hatten einige Partner Anfang des Jahres durchaus noch mit einem größeren Minus von rund fünf Prozent gerechnet.
In Deutschland hatte Freshfields im Vorjahr mit einem Umsatzergebnis von 401 Millionen Euro abgeschlossen. Dem Vernehmen nach sind diese Zahlen in diesem Jahr aber parallel zur internationalen Entwicklung leicht nach unten gegangen. Während der Private-Equity-, M&A- und Immobilienbereich klar schwächelte, konnten die Partner aus den Praxisgruppen Regulierung, Finanzaufsicht, Beihilfen- und Kartellrecht ihre Stärken voll ausspielen und überdurchschnittlich zum Ergebnis beitragen. Einer der Gründe ist hier die ausgesprochen starke Präsenz von Freshfields als Rechtsberaterin in verschiedenen hochkomplexen Bankenrettungen und Restrukturierungen in Deutschland und Großbritannien.
Den Ausblick auf das kommende Jahr sieht der Londoner CEO Ted Burke aber pessimistischer: „Das nächste Jahr wird sicher schwieriger“, sagte er. Trotz dreier Neupartnerernennungen in diesem Jahr haben in Deutschland auch bereits mehrere Partner aus den Bereichen Immobilien- und Vergaberecht die Kanzlei verlassen. Im Frühjahr hatte Freshfields außerdem die Gehälter für ihre angestellten Anwälte eingefroren, was sich weltweit als Ersparnis im mehrstelligen Millionenbereich auswirkt.
Sparen ist bei den größten Posten Immobilien- und Personalkosten auch weiterhin angesagt, selbst wenn Freshfields mit einer Kostenquote von knapp 50 Prozent für eine Kanzlei ihren Zuschnitts extrem gut dasteht. Auch sollen die Partner bei Dienstflügen statt Business Class künftig häufiger Economy fliegen.
Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 3. Juli 2009