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Shearman macht Büros in Düsseldorf und München dicht

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  • JUVE

Shearman & Sterling wird ihre Büros in Düsseldorf und München noch im Laufe dieses Jahres schließen und damit hierzulande nur noch von Frankfurt aus tätig sein. Die Entscheidung ist Teil eines radikalen Schwenks in der Europa-Strategie der US-Kanzlei. In der gesamten deutschen Praxis überschlagen sich unterdessen die Ereignisse. Zahlreiche Partner stehen JUVE-Recherchen zufolge unmittelbar davor, zu anderen Kanzleien zu wechseln. Mehr dazu folgt in den kommenden Tagen.

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Shearman & Sterling wird ihre Büros in Düsseldorf und München noch im Laufe dieses Jahres schließen und damit hierzulande nur noch von Frankfurt aus tätig sein. Die Entscheidung ist Teil eines radikalen Schwenks in der Europa-Strategie der US-Kanzlei. In der gesamten deutschen Praxis überschlagen sich unterdessen die Ereignisse. Zahlreiche Partner stehen JUVE-Recherchen zufolge unmittelbar davor, zu anderen Kanzleien zu wechseln. Mehr dazu folgt in den kommenden Tagen.

Georg Thoma
Georg Thoma

Inwieweit auch die anderen europäischen Büros von dem Strategiewechsel betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Kenner der Kanzlei berichten davon, dass lediglich das Londoner Büro unangetastet bleibt. In Frankfurt wird Shearman jedenfalls voraussichtlich nur mit einem kleinen Team aktiv sein. „Die Konzentration auf den Standort Frankfurt wird uns ermöglichen, auf die deutlich veränderten Marktbedingungen in Deutschland zu reagieren“, sagte der weltweite Kanzleichef Creighton Condon.

Bisher waren dort sieben Partner, vier Counsel und 18 Associates beschäftigt. Auch Shearmans deutsche Galionsfigur, der Düsseldorfer Senior-Partner Georg Thoma (68), soll von Frankfurt aus tätig werden. Der 68-Jährige gehört zum Kreis der Aufsichtsratsmitglieder, den die Deutsche Bank teilweise neu besetzen will (mehr…).

Gestern war bekannt geworden, dass der Corporate- und Kapitalmarktrechtsexperte Dr. Hans Diekmann (52) der Kanzlei den Rücken kehren wird (mehr…). Er ist neben Thoma einer der bekanntesten und wichtigsten deutschen Partner der Sozietät gewesen.

Seit Anfang 2012 hat Shearman in Deutschland eine ganze Reihe wichtiger Partner verloren. Zunächst waren die beiden Kapitalmarktrechts-Partner Dr. Stephan Hutter und Dr. Katja Kaulamo gegangen (mehr…), wenig später Dr. Marco Sustmann und Dr. Andreas Merkner (mehr…). Im Herbst ging schließlich Steuerpartner Dr. Johannes Frey (mehr…). Spätestens seit diesem Zeitpunkt setzten Marktbeobachter und mit der Kanzlei Vertraute große Fragezeichen hinter die künftige Rolle und Bedeutung Shearmans in der deutschen Kanzleilandschaft.

Ruhmreiche Historie

Seit der Eröffnung in Deutschland 1991 war die Kanzlei unter der Führung von Thoma zu einer der Top-Beraterinnen der deutschen Wirtschaft avanciert und an vielen zentralen Mandaten, die die deutsche Industrie zu vergeben hatte, beteiligt. Die Treuhand, der Abbruch der Deutschland AG, Daimler und das spätere Chrysler-Deinvestment sowie IPIC und der Ferrostaal-Komplex sind die prominentesten Schlaglichter.

2008 sorgte Shearman mit der Trennung von ihrem Mannheimer Büro, der heutigen Einheit SZA Schilling Zutt & Anschütz, schon einmal für einen Paukenschlag im Markt (mehr…). Seitdem hat Shearman in Deutschland mehr als 40 Prozent ihrer Anwälte verloren, im Februar dieses Jahres arbeiteten noch 69 Berufsträger für die Kanzlei.

Traditionell war die deutsche Praxis mit ihrem Industrieschwerpunkt eine Besonderheit im Shearman-Gefüge, das international stark auf den Finanzsektor fokussiert ist. Zuletzt hatte sich das stark auf die deutsche Großindustrie bezogene Geschäft von Shearman in Deutschland allerdings deutlich internationalisiert. Die Deutschen waren damit viel stärker ein Bestandteil international aufgestellter Teams geworden. Umso radikaler wirkt der Schritt der US-Mutter.

International steht Shearman schon seit einiger Zeit auf einem rissigen Fundament. Die einst stolze Wallstreet-Kanzlei, die vor einem Jahrzehnt noch weltweit zu den Top-10-Kanzleien gehörte, kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und hoher personeller Fluktuation und zählt weltweit mit einem Umsatz von rund 750 Millionen US-Dollar nicht einmal mehr zu den Top-30. Zuletzt waren Gerüchte um eine internationale Fusion im Markt bekannt geworden, einer der möglichen Fusionspartner soll Fried Frank Harris Shriver & Jacobson sein. (Simone Bocksrocker, René Bender)

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