Aus in Deutschland

US-Softwareunternehmen kauft Leverton und schließt Berliner Büro

Leverton ist einer der Legal-Tech-Pioniere im deutschen Rechtsmarkt. Nun ist das Berliner Büro des Softwareunternehmens geschlossen worden. Dies soll mit der Übernahme durch das US-Unternehmen MRI Software zusammenhängen, die Leverton vor einigen Tagen auf seiner Internetseite bekannt gab. Zuerst hatte die Plattform ‚Gründerszene‘ darüber berichtet. Kanzleikunden Levertons zeigen sich von der Standortschließung überrascht.

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Leverton selbst hat sich bis zum Redaktionsschluss JUVE gegenüber nicht geäußert. Aus einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der neuen Leverton-Eigentümerin MRI geht allerdings hervor, dass Berlin nicht mehr zu den Standorten gehört. Bei Google-Maps wird das Berliner Leverton-Büro unter der Adresse in Alt-Moabit bereits mit dem Vermerk „dauerhaft geschlossen“ angezeigt. Nach wie vor unterhält das Unternehmen Dependancen in New York, London und New Delhi. Nach Informationen der ‚Gründerszene‘ wurden in Berlin rund 50 Mitarbeiter entlassen.

Laut JUVE-Informationen soll die Schließung der Deutschland-Präsenz auf die strategische Entscheidung des US-Unternehmens zurückgehen, mit dem Leverton bereits seit einiger Zeit zusammenarbeite. MRI soll weniger am deutschen Geschäft, vor allem aber weniger am reinen Legal-Tech-Geschäft Levertons interessiert sein.

Kanzleikunden überrascht

Kanzleien nutzen Leverton-Produkte unter anderem für die rechtliche Due Diligence. Diese Kunden hat Leverton wohl darüber informiert, dass alle Dienste weiter wie gewohnt bereitgestellt würden – nur nicht mehr aus Berlin, sondern von London aus. Die Informationen gehen aber nach JUVE-Informationen kaum über das hinaus, was Leverton und MRI in ihrer offiziellen Pressemitteilung veröffentlicht haben. Dort meldet das Unternehmen, dass es Leverton in sein Softwareangebot für die Immobilienbranche integrieren möchte. Der Fokus soll auf den immobilienrechtlichen Analyse-Tools von Leverton liegen, die der neue Eigentümer in sein bestehendes und auf die Immobilienbranche fokussiertes Softwareangebot integrieren will, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. Bestehende Leverton-Kunden aus anderen Branchen wie Gesundheitswesen, Versicherungen, Recht und Finanzen sollen aber weiter unterstützt werden.

Für Kanzleien kam die Schließung des Berliner Büros überraschend, nicht aber die Neuausrichtung des Unternehmens. Leverton sei seit jeher eher ein Immobilien-Tech- als ein Legal-Tech-Unternehmen gewesen, wie ein Anwalt und Leverton-Nutzer berichtet. Das Kerngeschäft machten bereits seit Längerem vor allem große Immobilienunternehmen und Asset-Manager aus. Im Vergleich dazu sei das Geschäft mit den Kanzleien zwar interessant, aber klein.

Legal-Software mit menschlichem Support

Einige Kanzleikunden setzten zuletzt auch ein Fragezeichen hinter die Effizienz von Levertons Due-Diligence-Software: Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren in Berlin und den anderen Büros einen Pool an Juristen auch dazu eingesetzt, die Ergebnisse der Software auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Dies macht für das Qualitätsmanagement zwar grundsätzlich Sinn, scheint für eine Software, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz Effizenz und Zeitersparnis verspricht, jedoch recht ungewöhnlich.

Dazu kamen vermehrt Gerüchte über die Profitabilität von Leverton. Eine öffentlich verfügbare Bilanz des Geschäftsjahres 2017 gibt Anhaltspunkte für ein schleppendes Geschäft. Demnach fiel der Umsatzerlös des Softwareunternehmens in Deutschland 2017 auf 463.000 Euro, von 2,2 Millionen Euro im Vorjahr. 

Leverton wurde 2012 gegründet und gehörte zu den ersten Legal-Tech-Start-ups, die ein technisches Hilfsmittel für die Erstellung der rechtlichen Due Diligence auf den Markt brachten. Vom fünfköpfigen Gründer-Team ist mittlerweile nur noch Florian Kuhlmann als CTO bei Leverton beschäftigt. Die Geschäftsführung der deutschen GmbH übernahm nun  laut Register Jurgen Daenens, zuvor offenbar Global Director Finance bei Leverton.

 

Ergänzung vom 09.08.2019:

MRI hat sich nach der Veröffentlichung des Artikels gemeldet und betont, dass „Legal Clients“ weiter eine hohe Priorität in der Strategie Levertons besäßen und Leverton auch unter der Flagge von MRI die Rechtsbranche bedienen werde. MRI erklärt weiter, dass die Schließung des Berliner Leverton Büros nichts mit der Übernahme zu tun habe. Der Standort sei schon vor dem Deal aufgegeben worden. Nach Marktinformationen wurde MRI beim Leverton-Kauf von Attila Oldag, Partner bei Kirkland & Ellis beraten. Dr. Lars Läger von Arqis vertrat demnach einige der an Leverton beteiligten Investoren.

 

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