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Am Wochenende des 9. und 10. Juli wurden die ersten Schritte zur Bildung der weltweit wohl größten Anwaltssozietät und zugleich zur ersten deutsch-amerikanischen Fusion großen Stils getan. Die Partner von Clifford Chance und der US-Sozietät Rogers & Wells stimmten einer Fusion ihrer Kanzleien zu und billigten außerdem im Grundsatz bereits die Aufnahme von Pünder, Volhard, Weber & Axster. Dem Vernehmen nach erzielten beide Abstimmungsvorlagen bei den Clifford Chance-Partnern eine Zustimmungsrate von über 90%. Pünder wird ihrerseits voraussichtlich Anfang September über das Zusammengehen entscheiden. Das Gerücht einer Fusion nicht nur zwischen Clifford Chance und Rogers & Wells, sondern außerdem auch mit Pünder war bereits seit einigen Wochen Frankfurter Gesprächsthema gewesen. Dennoch sorgte die erste offizielle Meldung durch Financial Times im Anwaltsmarkt für einige Überraschung. Pünder und Clifford Chance waren schon seit dem Frühjahr in Verhandlungen, die dann im Mai wesentlich intensiviert wurden, nachdem Gespräche von Cliffard Chance mit anderen Kanzleien abgebrochen worden waren. Dazu Peter Nägele, einer der Managing Partner von Pünder. „Wir sind später als Rogers & Wells in den Prozeß hineingekommen, aber der ‚Business Case‘ war gegeben. Unsere Ziele waren mit der Pünder Group nicht zu verwirklichen, und die Globalisierung wird nicht auf uns warten.“ Im Anschluß an die Fusionsabstimmung bei Pünder wird es auch bei Clifford Chance ein erneutes Votum geben, diesmal über das konkrete Verhandlungsergebnis. „Wie bei jeder Fusion müssen eine Menge von Details geregelt werden“, erläutert Nägele. „Wir arbeiten an einen Plan, der das gewaltige Potential dieses Zusammenschlusses hebt.“ Erst vor kurzem harte das Frankfurter Büro der Sozietät feierlich sein 50-jähriges Bestehen begangen. Den erwarteten Vorwurf, Pünder werde von der riesigen internationalen Sozietät geschluckt, wehrt Nägele gelassen ab: „Für uns geht es darum, unsere Kompetenz in eine größere Einheit einzubringen, und in einer wirklich globalen Sozietät spielt die Frage der nationalen Herkunft keine Rolle.“ Zur sensiblen Namensfrage verlautete aus Clifford Chance-Kreisen, die neue Einheit werde wohl in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern als Clifford Chance Pünder firmieren, in den USA als Clifford Chance Roger Wells. Das zugrundeliegende Konzept wird als „Managed Brand Equity Transfer“ beschrieben. Die Entscheidung zur Fusion stellt, wie auch Heymann einräumt, für Clifford Chance einen Strategie Wechsel dar. Nachdem die 1991 mit Gleiss Lutz Hootz Hirsch eingegangene Verbindung zur Gründung eines gemeinsamen Frankfurter Büros gescheitert war, hatte man zunächst auf organisches bzw. Wachstum durch Quereinsteiger gesetzt. Auch ein Managing Partner einer anderen europaweit vertretenen Kanzlei zeigte sich erstaunt über den jüngsten Schritt. Er ist der Ansicht, Clifford Chance habe in Deutschland bereits eine so starke Praxis etabliert, daß sie der Fusion mit einer großen deutschen Kanzlei nicht mehr bedürfe. Dazu Thomas Heymann im Frankfurter Büro von Clifford Chance: „Wir sind in Deutschland erfolgreich, aber konzentriert auf einzelne Gebiete. Wenn wir global führend sein wollen, müssen wir alle Bereiche in starker Besetzung anbieten können.“ Das durch organisches Wachstum zu erreichen, so Heymann, „wäre ein langer schmerzhafter Prozeß geworden, während dem wir viele Möglichkeiten im Markt nicht hätten wahrnehmen können.“ Auch den Zeitpunkt der Fusion hält Heymann für richtig gewählt: „Um einen echten ,blend‘ mit einer deutschen Kanzlei zu schaffen, mußten wir erst eine eigene starke Basis aufbauen.“ Die fusionierte Einheit wird vermutlich eine Partnerschaft US-amerikanischen Rechts werden und das Lockstep System nach Clifford Chance-Vorbild übernehmen. „Mit Rogers & Wells gibt es zu diesen Punkten bereits einen ausführlichen Prospektus“, kommentiert Heymann. Mit Pünder sei die Klärung der Details noch nicht so weit fortgeschritten. „Geplant ist. bereits ab dem l.l.2000 als eine – auch finanziell – voll integrierte Partnerschaft zu operieren“, betont Heymann gleichwohl, räumt aber ein, daß es eine Übergangsperiode geben wird, in der die Fusionspartner ihre Vergütungssysteme angleichen müssen. Eine weitere Aufgabe wird darin bestehen, nicht nur Kulturen aus zwei Jurisdiktionen zusammenzuführen sondern den Anwälten aller Büros der neuen Einheit ständige Weiterbildung in juristischer, sprachlicher und kultureller Hinsicht zu bieten. „Wir wollen viel Zeit und Geld investieren, eine eigene interne Akademie aufzubauen. Das ist unser erstes gemeinsames Projekt“, verkündet Heymann. „Sowohl Pünder als auch Clifford Chance wird sich fundamental ändern müssen, um die Chancen, die wir am Markt haben, auch optimal nutzen zu können.“