JUVE: Schwarz-Rot will Managergehälter regeln. Welche Auswirkungen werden die vorstehenden Neuregelungen in der Praxis haben?
Dr. Hans-Ulrich Wilsing: Bereits vor Kurzem sind Neuregelungen zur Vorstandsvergütung im Corporate Governance Kodex in Kraft getreten, sie werden sicherlich Auswirkungen auf die Vergütungssysteme haben. Die Maximalvergütungen werden sinken, während die Zielvergütungen steigen werden. Die durch die neuen Kodexregelungen gegebene Transparenz wird die Spielräume zwischen Zielvergütung und Maximalvergütung erkennen lassen. Die nun von der Koalition beabsichtigte bindende Entscheidung der Hauptversammlung über die Vergütungssysteme dürfte dagegen vor allen Dingen die Hauptversammlungs-Debatten komplizierter und langwieriger machen.
Wie gravierend ist das aus Ihrer Sicht?
Das beabsichtigte bindende Votum der Hauptversammlung führt zu einer weiteren Einschränkung der Befugnisse des Aufsichtsrats. Zwar kann man sagen, dass die Eigentümer dann direkt über das Vergütungssystem entscheiden. Das haben sie aber indirekt durch die Wahl der Aufsichtsräte bislang schon getan. Hinzu kommt, dass der erst jüngst gesetzlich eingeführte konsultative Say und Pay von der großen Mehrzahl aller börsennotierten Unternehmen durchgeführt worden ist. Die nunmehr bindende Vergütungsentscheidung der Hauptversammlung wird dagegen in den Hauptversammlungen ein Reizthema darstellen, das die Hauptversammlungs-Debatte im Ergebnis belastet und in die Länge zieht.
Aber stellt das nicht eine Stärkung der Aktionärsrechte dar?
Rein dogmatisch betrachtet ja. Aber praktische Gründe sprechen klar dagegen. Es ist mit dem ARUG gerade gelungen, die Hauptversammlungen zu entschlacken. Nun wird es zu neuen Debatten kommen, die selten einen echten Erkenntnismehrwert bringen werden.
Es soll auch mehr Transparenz bei der Managervergütung geben. Sehen Sie hier Fortschritte?
Die jüngsten Kodexregelungen zur Vorstandsvergütung haben unter anderem das Ziel, die Vorstandsvergütung transparenter zu machen. Man wird beobachten müssen, wie diese Regelungen in den kommenden Jahren greifen und ob sie tatsächlich mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Bereich der Vergütung bringen.
Das Gespräch führte Volker Votsmeier.