Interview zu Legal Ops

„Es ist ein regelrechter Kampf um Talente entbrannt“

Chris Fowler ist General Counsel Technology bei der britischen BT Group und Director des Breitband-Netzwerks MBNL. Im JUVE-Interview berichtet Fowler, welche Unternehmen beim Thema Legal Operations besonders weit sind und wie sich die Pandemie auf die Rechtsabteilungen ausgewirkt hat.

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Chris Fowler ist General Counsel bei der britischen BT Group.

JUVE: Wie würden Sie das derzeitige Umfeld der Legal Operations in UK beschreiben?
Chris Fowler: Das Tempo der Digitalisierung der Wirtschaft hat sich enorm beschleunigt, und alle Rechtsabteilungen stehen unter erheblichem Druck, sich diesem Trend anzuschließen. In UK ist derzeit sehr deutlich zu erkennen, dass immer mehr größere Firmen Legal Tech bis zu einem gewissen Grad einsetzen, aber die Frage ist: Wie ausgefeilt ist dieser Ansatz? Es gibt einen großen Unterschied zwischen bestimmten Branchen, und man muss sagen, dass der Technologie- und der Finanzsektor in dieser Hinsicht die Vorreiter sind. Das liegt daran, dass der Druck der Digitalisierung in diesen Unternehmen weitaus größer ist und die Messlatte für diese Rechtsabteilungen höher liegt.

Wie hat sich die Pandemie auf die Entwicklung von Legal Ops und die Arbeit der Rechtsabteilungen ausgewirkt?
In Großbritannien gibt es derzeit eine große Debatte darüber, wie sehr sich Unternehmen auf den physischen Arbeitsplatz verlassen müssen. Mit anderen Worten: Wozu genau kommt man zur Arbeit? Wie sehr verlangen die Unternehmen von ihren Mitarbeitenden – und in diesem Fall von den Inhouse-Juristen –, dass sie nach fast zwei Jahren im Homeoffice ins Büro zurückkehren?

Vor diesem Hintergrund ist ein regelrechter Kampf um Talente entbrannt. Einige Unternehmen schreiben die Rückkehr ins Büro vor, und die Teams sagen: „Nein danke, lieber nicht.“ Es gibt also Abwägungen zwischen der vermeintlichen Effizienz des Arbeitsplatzes und der Bindung von Talenten an das Unternehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob jemand die perfekte Antwort hat.

Wie hat sich die Rolle der Inhouse-Juristen in Ihrem Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert? Und spielt insbesondere der General Counsel heute eine andere Rolle im Unternehmen?
Die Zeiten, in denen die Inhouse-Abteilung nur mit ihrer Compliance-Funktion gleichgesetzt wurde, sind vorbei. In den meisten großen Unternehmen ist der General Counsel ein Mitglied der Geschäftsleitung. Die Juristen müssen sich für ihren Beitrag rechtfertigen und werden wie jede andere Geschäftseinheit behandelt. Sie müssen sich auf die Rechtsdienstleistungen konzentrieren, die einen Mehrwert schaffen. Die Unternehmensführung legt Wert auf Weitsicht und strategische Einsicht, nicht auf Kommentare, wenn die Dinge bereits schiefgelaufen sind. Die Rechtsabteilung muss die Strategie mit vorantreiben, als solche rechenschaftspflichtig sein und darf sich nicht entfernt von der Geschäftsführung betrachten.

Die Herausforderung besteht jedoch nicht nur darin, den Beitrag zu definieren, den ein Syndikusanwalt leisten kann, sondern auch darin, diesen Beitrag mit dem anderer konkurrierender Unternehmen im Sektor zu vergleichen. Das kann schwierig sein, weil jedes Unternehmen seine eigenen Ziele hat.

Ein wichtiger Aspekt von Legal Operations ist die Sammlung von Daten über die Tätigkeit der Inhouse-Abteilung. Gibt es etwas in diesen Daten, das Sie überrascht hat?
Als wir anfingen, konzentrierten wir uns auf die Ermittlung von Effizienzsteigerungen. Wir haben schnell festgestellt, dass dies in anderen Geschäftsbereichen als selbstverständlich angesehen wird. Das reichte also nicht. Also haben wir uns die Daten angeschaut, um herauszufinden, wie unsere Rechtsabteilung andere Geschäftsbereiche unterstützen kann: Können wir Verträge zügiger abschließen? Können wir Streitigkeiten im Keim ersticken? Das ist eine intelligentere Art, Daten zu nutzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Sie betonen, dass die interne Abteilung als ‚Business Leader‘ auftreten muss. Was muss ein Syndikusanwalt dafür tun?
Zunächst einmal gibt es zwei einfache Dinge: Die Analyse, ob die Arbeit der Inhouse-Abteilung auf die strategischen Ziele des Unternehmens abgestimmt ist. Setzt sie sich beispielsweise mit den Risiken für die nächsten 12 Monate auseinander, die im Jahresbericht genannt werden?

Zweitens: Wie engagiert und leistungsfähig ist das Team selbst? Während der Pandemie zeigte die BT-Rechtsabteilung die zweithöchste Leistung innerhalb des Unternehmens. Das haben wir durch das übliche Management erreicht: die Mitarbeiter zu motivieren, indem man ihnen Ziele gibt und eine Vision. Kürzlich las ich ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden des Fußballvereins Manchester City. Und er sagte etwas sehr Einfaches, aber sehr Wirkungsvolles: „Die einzige Lektion, die ich gelernt habe, ist, dass ein Team nie so gut ist, dass man es nicht verbessern kann.“ Das ist genau die richtige Einstellung.

Chris Fowler ist einer der Referenten und Referentinnen der Legal Operations Konferenz 2022, einer Veranstaltung des JUVE Verlages und der NWB Akademie, die ab morgen in Köln stattfindet. Mehr dazu unter  www.legal-ops.de

 

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