Freshfields Bruckhaus Deringer hat gegenüber dem enttäuschenden vorigen Geschäftsjahr beim Umsatz wieder leicht zugelegt. Zum Geschäftsjahresabschluss Ende April 2011 stehen die deutsche und die österreichische Praxis mit einem Plus von rund einem Prozent da.
In Deutschland beläuft sich der Umsatz auf rund 335 Millionen Euro, Wiens Umsätze können sich mit gut 39 Millionen Euro ebenfalls sehen lassen. Im vergangenen Jahr hatten die Umsätze der deutschen Praxis mit einem Minus von rund 14 Prozent noch sehr deutlich nachgegeben (mehr…).
Damit entwickelte sich Freshfields hierzulande etwas besser als insgesamt. Denn weltweit hat sie mit gleichem Umsatz abgeschlossen wie im Vorjahr (mehr...).
Mit 1,14 Milliarden britischen Pfund (1,34 Milliarden Euro) gehört die Kanzlei weiterhin mit Linklaters, Allen & Overy und Clifford Chance zum engen Kreis der großen Londoner Kanzleien, die die Eine-Milliarde-Pfund-Hürde übertreffen.
Der deutsche Managing-Partner Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt beurteilt die Aussichten für die nächsten Monate dennoch vorsichtig. „Die wirtschaftliche Lage ist alles andere als stabil“, so Hohenstatt. „Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Griechenland spüren wir eine große Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Einige geplante Deals wurden erst einmal auf den Herbst verschoben.“
Zwischenzeitlich sei das Geschäft nach der Krise zwar wieder sehr gut angelaufen. Ab Beginn des neuen Geschäftsjahres im Mai habe sich aber der Transaktionsfluss deutlich verlangsamt. Denn obwohl Freshfields bewusst an einer breiten fachlichen Aufstellung festhält, sind vor allem große Deals mit internationaler Beteiligung das Treibergeschäft, mit dem die Kanzlei auch schon vor der Krise den größten Teil ihrer Umsätze machte.
Dass die Kanzlei jetzt wieder eine Steigerung melden kann, war offenbar lange nicht ganz klar, ist aber ein psychologisch wichtiges Signal. Einige Freshfields-Partner hatten sich um den Jahreswechsel herum noch deutlich vorsichtiger geäußert und teils nicht ausgeschlossen, dass man auch erneut mit einem Rückgang rechnen müsse. Ein Partner sagte damals: „Es ist offenbar so, dass die Umsätze der Kanzleien der konjunkturellen Entwicklung immer etwas hinterher hängen. Der Abwärtstrend kam bei uns auch erst mit einer Verzögerung von rund einem Jahr an. Dass es jetzt wieder leicht nach oben geht, bestätigt für mich diese These.“
Im internationalen Vergleich innerhalb der Kanzlei sollen die Deutschen und die Österreicher, die bei Freshfields organisatorisch eng zusammenhängen, zu den stärksten Regionen gehören. Sehr ansehnlich entwickelt haben sich nach den Aussagen diverser Partner die Umsätze und die Profitabilität in den Bereichen Kartellbußgeldverfahren, generell bei Haftungs- und Investorenprozessen aus unternehmerischem Fehlverhalten sowie in einigen restrukturierungsbezogenen Teilen des Arbeitsrechts.
Dazu passt, dass die Sozietät im Mai 2010 fünf Experten mit unterschiedlichen Spezialisierungen zu Partnern gemacht hatte und zwar je einen in den Bereichen Corporate, Litigation, Kartell-, Arbeits- und Steuerrecht. Durch Weggänge von Associates, die nicht mit Neueinstellungen in gleicher Zahl kompensiert wurden, ging allerdings die Zahl der angestellten Anwälte im vergangenen Geschäftsjahr leicht nach unten. Sowohl Gewinn als auch der Umsatz pro Berufsträger gingen dadurch nach oben. Letzterer kletterte auf ansehnliche 720.000 Euro. Auch zum Start des laufenden Geschäftsjahres gab es unter den Deutschen fünf neue Partner, dieses Mal jeweils zwei aus den Bereichen Corporate und Litigation sowie einen Finanzrechtler.
Weil Freshfields international einen einheitlichen Lockstep hat und als einheitliche Partnerschaft strukturiert ist, ist das Thema der Profitabilität innerhalb der Gesamtkanzlei zentral. In Märkten mit sehr starkem Wachstum spielen konkurrenzfähige Partnergewinne eine entscheidende Rolle, das machten die Entwicklungen in der Hongkonger Praxis deutlich. Dort verlor Freshfields in den vergangenen Monaten eine Reihe von jungen chinesischen Partnern aus dem Bereich Kapitalmarktrecht an die US-Konkurrenz: Die Top-Kanzleien Simpson Thacher & Bartlett, Davis Polk und Sullivan & Cromwell investierten allesamt in den Aufbau in Hongkong und warben junge Partner ab.
Freshfields, für die ihre chinesische Praxis unter anderem wegen der Begleitung von IPOs an den Börsen in Hongkong und Schanghai große strategische Bedeutung hat, entsandte darauf eine Reihe von Partnern aus dem Londoner Büro in die Region. Der deutsche Partner Heiner Braun ist schon seit drei Jahren in Schanghai und wurde nun zum Juli Managing-Partner des Büros.