Abgesehen davon, dass Rheinländer zu sein nichts mit dem Geburtsort zu tun hat (hier in Köln zumindest sagt man: dat es ein Jeföhl), wäre es auch aus anderen Gründen töricht, das neue Gleiss Büro von Anfang an abzuschreiben. Zunächst einmal ist es nicht das Geschäftsmodell eines neuen Standorts, binnen zwei Jahren Hengeler, Freshfields, Linklaters und Shearman herauszufordern. Vielmehr stellt es einfach eine Erweiterung der Produktpalette dar. Wenn die Corporate-Praxis von Gleiss ihre Fühler in den rheinischen Markt strecken kann, war es die Eröffnung bereits wert. Die Arbeit von Patentprozessrechtlern wird zudem die Präsenz vor Düsseldorfer Gerichten stärken – eine durchdachte strategische Entscheidung.
Noch wichtiger aber als die bloße Büroeröffnung ist ein anderer Aspekt: Der neue Managing Partner Rainer Loges hat der Partnerschaft eine weitreichende und deutlich agressivere Vision für die Zukunft der Kanzlei präsentiert. Der Gewinn des aufstrebenden M&A-Partners Patrick Kaffiné in Frankfurt war das Signal: Erstmals in der Kanzleigeschichte erklärt Gleiss, aktiv Quereinsteiger einzuwerben – und diese Bemühungen werden sich vor allem auf Düsseldorf konzentrieren.
Und manchmal liefert die Geschichte ja auch durchaus ermutigende Präzedenzfälle. Der letzte Umzug eines Gleiss-Anwalts von Stuttgart nach Düsseldorf war der eines gewissen Maximilian Schiessl – heute allerdings Rainmaker bei Hengeler Mueller. So etwas soll sich in Zukunft nicht wiederholen.