On the record

Hat sich der reine Lockstep überlebt?

Die reine Lockstep-Vergütung hat immer weniger Fans. Viele Kanzleien, darunter die Magic- Circle-Einheiten, haben in den vergangenen Jahren Modifikationen des Prinzips beschlossen – zuletzt Linklaters. Der Beweggrund ist stets die Hoffnung, Leistungsträger stärker zu binden. Allerdings sind Eingriffe ins Vergütungssystem nicht ohne Risiko, da die eingespielte Partnerschaftskultur auf dem Spiel steht.

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Schritt für Schritt hinauf im Lockstep: ein veraltetes Modell? Foto: apops/Fotolia

„Nicht alle wollen jederzeit Spitzenumsätze liefern“

Wolf Bussian

Dr. Wolf Bussian ist deutscher Managing-Partner von Allen & Overy. Die Kanzlei hat sich, wie andere Magic-Circle-Einheiten, vom ganz strikten Lockstep verabschiedet.

Für Allen & Overy bleibt der Kern des Locksteps unantastbar: Wir legen alle Gewinne in einem globalen Profitpool zusammen und teilen dann primär nach Seniorität. So fördern wir die weltweite Zusammenarbeit der jeweils fachlich Besten. Dies dient dem Mandanten und stärkt den Zusammenhalt in der Partnerschaft. Als Full-Service-Kanzlei vermeiden wir so auch konjunkturabhängige Ausschläge.

Gleichzeitig ist die Welt global operierender Spitzenkanzleien komplexer geworden. Wir sind für unsere Mandanten in hochpreisigen Märkten präsent. In den USA ist die Vergütungserwartung der Top-Anwälte eine andere als in Osteuropa. Mit Büros in über 30 Ländern müssen wir dem Rechnung tragen. Hinzu kommt: Nicht alle Partner wollen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere Spitzenumsätze liefern. Ebenso kommt es natürlich vor, dass junge Partner schon sehr früh herausragend erfolgreich sind. Die Verbesserungen am Lockstep bewahren die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt und ermöglichen gleichzeitig eine langfristige, erfolgsund bedarfsgerechte Vergütung.

Perfekt wird das Vergütungssystem dadurch nicht. Es bleibt aber besser als alle anderen. Deswegen ist unser modifizierter Lockstep von unseren Partnern voll akzeptiert und auch einer der Gründe für Laterals, sich für uns zu entscheiden.

„Langfristige Kultur steht über jeder Strategie“

Michael Arnold

Prof. Dr. Michael Arnold ist Co-Managing-Partner von Gleiss Lutz. Die Kanzlei hat zuletzt ihre Gehälter deutlich erhöht, hält allerdings weiterhin am reinen Lockstep fest.

Wir verstehen Lockstep als Ausdruck unserer Kanzleikultur: Der Partnerschaftsgedanke steht im Vordergrund und spiegelt sich auch in unserer alltäglichen Zusammenarbeit wider, die seit über 70 Jahren durch den Lockstep als Vergütungssystem geprägt ist: Langfristige Kultur steht über jeder Strategie.

Das sehen wir als große Stärke unserer Kanzlei, die sich auch aus wirtschaftlicher Sicht auf unseren Erfolg auswirkt: Mandanten betonen immer wieder ihre Erwartung an uns, auch angrenzende Rechtsgebiete mitzudenken und einzubeziehen. Sie schätzen besonders unseren umfassenden Beratungsansatz, der durch den reinen Lockstep begünstigt wird.

In den letzten beiden Jahren haben wir angesichts der Pandemie festgestellt, dass unsere Kanzleikultur insgesamt, nicht nur in der Mandatsarbeit, gerade in externen Krisen ein großer Vorteil ist: Wir halten trotz pandemiebedingtem reduziertem Kanzleileben zusammen und ziehen alle an einem Strang auf der Grundlage eines Lockstep-Vergütungssystems. Und der Teamgeist innerhalb der Partnerschaft prägt unsere Zusammenarbeit und unseren Kanzleialltag über alle Ebenen und mit allen unseren Kolleginnen und Kollegen hinweg.

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