JUVE: Seit einem knappen Jahr sind Sie verantwortlich für die globale Rechtsabteilung von Sandoz. Was haben Sie bisher verändert?
Barbara Levi Mager: Die Rechtsabteilung von Sandoz umfasst Recht, IP und Compliance. Rund 300 Mitarbeiter gehören am Hauptsitz in Holzkirchen und weltweit dazu. Wir haben einiges an der Struktur der Rechtsabteilung geändert, um zu gewährleisten, dass jede Führungskraft einen Ansprechpartner in der Rechtsabteilung hat. Damit hat nun jeder Jurist einen klar definierten Verantwortungsbereich. Weltweit sind wir passend zur Struktur von Sandoz auch organisiert nach Regionen, Geschäftseinheiten (etwa BioPharma) und Funktionen (etwa Forschung und Entwicklung).
Welche Ideen setzen Sie als nächstes um?
Für dieses Jahr haben wir uns drei Prioritäten gesetzt. Erstens wollen wir der Rechtsabteilung von Sandoz ein neues Image geben – extern wie intern. Wir wollen unsere Mitarbeiter weiterentwickeln und die weltweite Präsenz der größeren Novartis-Gruppe wirksam nutzen, um für jeden einzelnen unserer Märkte die besten Talente zu gewinnen. Zweitens stärken wir unsere Juristen, damit sie die anderen Mitarbeiter durch intelligente Risikoeinschätzung gut in ihren Aufgaben unterstützen und dabei Mehrwert für das Unternehmen bei höchsten ethischen Standards schaffen. Drittens möchten wir Bürokratie abbauen, Prozesse vereinfachen und Berichte auf das Wesentliche beschränken. So können wir uns ganz darauf konzentrieren, was das operative Geschäft tatsächlich braucht. Wir befähigen die Juristen dazu, Entscheidungen zusammen mit den Führungsebenen der einzelnen Geschäftsfelder zu treffen.
Was sind die größten Herausforderungen für die Juristen in Ihrer Rechtsabteilung und wie bereiten Sie diese darauf vor?
Die größte Herausforderung für unsere Juristen ist das hohe Tempo bei uns. Gleichzeitig ist das aber auch das Interessanteste. Wir sind komplett in das Geschäft und die Entscheidungen eingebunden. Wir müssen unsere Perspektive kontinuierlich anpassen. Unser Markenzeichen ist: Wir handeln agil! Welches Rüstzeug brauchen unsere Juristen? Zunächst interessiert uns bei Bewerbern die richtige Einstellung – sind sie agil, serviceorientiert und selbstbewusst? Denken sie den entscheidenden Schritt weiter? Dann sorgen wir für eine auf sie zugeschnittene Einarbeitung und die notwendige Unterstützung ihres Vorgesetzten – egal, wo sie auf der Welt sitzen und wie erfahren sie sind.
Welche Auswirkungen hat Ihre Strategie auf die Zusammenarbeit mit externen Rechtsanwälten?
Wie schon gesagt, bemühen wir uns für alle Märkte, in denen wir aktiv sind, die besten Juristen einzustellen. Solche Juristen fällen ihr Urteil auf Grundlage einer tiefen Analyse der Fakten, Geschäftsziele und des Gesetzes. Anwälte werden sie nur beauftragen, wenn sie eine Aufgabe nicht alleine lösen können, zum Beispiel bei großen Transaktionen oder in Prozessen, wenn ein externer Anwalt nötig ist. Natürlich gibt es auch Situationen, in denen die Mandatierung einer Kanzlei die wirtschaftlichste Lösung ist. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass wir Rechtsberatung von außen nicht wertschätzen. Im Gegenteil, wir wollen gute langfristige Beziehungen mit den Kanzleien auf unserem Panel pflegen. Aber wir managen unsere Kosten rigoros und sind stolz auf unsere interne Kompetenz.
Nach welchen Kriterien haben Sie das Panel zusammengestellt?
Gemeinsam mit unseren Kollegen des Norvatis-Konzerns suchen wir Qualität, Engagement, Kostenbewusstsein und gut besetzte Teams. Wir arbeiten mit Kanzleien, die Budgetrestriktionen verstehen und den Druck einer großen, leistungsgetriebenen Organisation. Es ist wichtig, dass eine Kanzlei offen für alternative Abrechnungsmodelle ist und sich bei der Stellenbesetzung immer fragt, ob sie damit im Sinne von Novartis handelt oder nur auf ihren eigenen wirtschaftlichen Erfolg schaut.
Das Gespräch führte Christina Schulze.