JUVE spricht mit… Hans-Ulrich Wilsing von Linklaters

Linklaters hatte 2008 ein sehr erfolgreiches M&A-Jahr. Spitzenplätze in den einschlägigen Deals-Tabellen sicherte sie sich sowohl für Deutschland wie auch auf internationaler Ebene. Doch die Finanzkrise trübt den Ausblick auf 2009. Seit November 2008 ist der Düsseldorfer Rainmaker Hans-Ulrich Wilsing (47) Chef der deutschen Corporate-Praxis – nicht die einfachste Zeit für die Übernahme einer solchen Aufgabe.

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JUVE: Herr Wilsing, Ihr Start als Praxisgruppenleiter des M&A-Bereichs bildet in dem wirtschaftlich schwierigen Umfeld eine große Herausforderung. Wie hat sich die Krise auf das M&A-Geschäft der Kanzlei ausgewirkt?
Hans-Ulrich Wilsing: Wir haben mit der Arbeit für die Bankengruppen IKB und Citigroup sowie die Dax-Konzerne Daimler und RWE ein hervorragendes Jahr 2008 gehabt. Das M&A-Geschäft ist aber etwa seit dem dritten Quartal zurückgegangen, insbesondere dort, wo Fremdfinanzierungen benötigt werden. Ich gehe zudem davon aus, dass ein Teil der angekündigten Deals noch abgesagt wird. Insofern wird es auch bei uns noch Einbrüche in der M&A-Beratung geben.

Im vierten Quartal ging das Marktvolumen insgesamt um über 40 Prozent zurück. Wagen Sie eine Prognose, wie sich die Lage am Ende des ersten Quartals 2009 zeigt?
Das hängt von so vielen Faktoren ab, dass eine konkrete Prozentzahl nur sehr schwer zu nennen ist. Wir sehen vereinzelt auch schon wieder Interesse von potenziellen Käufern, die die niedrigen Unternehmenspreise nutzen wollen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle in den kommenden Monaten?
Wir haben die erwähnte Delle durch die Einbindung in Restrukturierungsmandate bislang mehr als ausgleichen können. Linklaters ist aktuell bei allen großen Bankenrestrukturierungen dabei. Wir werden deshalb kurzfristig in Frankfurt die Kapazitäten für Restrukturierungsberatung weiter verstärken. Zum einen sind im Private-Equity-Team natürlich Corporate-Kapazitäten frei geworden, ich kann mir aber auch die Aufnahme von Quereinsteigern auf Partnerebene vorstellen.

Die Corporate-Praxis wird also mehr in Restrukturierungen tätig werden. Welche Bereiche halten Sie aus Ihrer Erfahrung im IKB-Mandat zusätzlich für essentiell?
Bei mir persönlich war es sicher die Erfahrung in der strategischen Beratung von Gesellschaftsorganen. Wichtig und notwendig für eine Restrukturierungsberatung sind aber auch andere Bereiche wie Steuern, Bankaufsicht, Beihilfe-, Aktien- und Kapitalmarktrecht.

Die Welle an großen Restrukturierungsmandaten ist aber vermutlich endlich.
Das sehe ich genauso. Ich muss dafür sorgen, dass wir auch mittelfristig richtig aufgestellt sind und hierfür bei uns das nötige Bewusstsein schaffen. Insofern heißt das auch, dass wir jetzt erst recht sehr akquisestarke Partner brauchen. Es kommt noch stärker darauf an, die Chancen sowie die wertvollen Kontakte, die sich in der Krise ergeben haben, zu nutzen und auszubauen.

Das Gespräch führte Antje Neumann.

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