Noch im vergangenen Jahr hieß es um diese Zeit: „Kirkland & Ellis is pleased to announce that 200 attorneys have been promoted to partner effective October 1, 2024.“ Dass derartige Pressemitteilungen nun offenbar der Vergangenheit angehören, bestätigte ein Vertreter der Kanzlei gegenüber Law.com, die als Erste darüber berichteten. Gründe für diesen überraschenden Schritt nannte die Kanzlei nicht.
Denkbar ist, dass die große Zahl von Weggängern die Kanzlei zu diesem Schritt bewegt. Wettbewerber werben gerne frisch ernannte Kirkland-Partner ab. Dazu muss man wissen, dass Kirkland – wie die meisten ihrer Wettbewerber – vor allem sogenannte Fixed-Share-Partner ernennt. Die sind zwar Equity-Partner, werden aber nicht nach Punkten, sondern auf der Basis eines fixen Betrags plus Bonus vergütet.
Niedrige Retention auch in Deutschland
Wie Law.com vorrechnet, haben viele der neuen Partnerinnen und Partner Kirkland bereits ein bis zwei Jahre nach ihrer Beförderung zum Fixed-Share-Partner wieder verlassen: Von den 200 Anwälten, die 2024 zu Partnern ernannt wurden, waren mindestens 20 (10 Prozent) bereits nicht mehr auf der Kanzlei-Webseite zu finden. Aus der Klasse von 2023 sind noch weniger Partner übrig. 43 der damals 205 neu ernannten Partner sind nicht mehr bei Kirkland tätig.
Auch in Deutschland verlassen die aus den eigenen Reihen ernannten Partner spätestens nach drei Jahren die Kanzlei. Zum Oktober beförderte sie JUVE-Informationen zufolge einen Anwalt in die Partnerschaft. Von 2015 bis 2024 ernannte Kirkland in Deutschland insgesamt 20 Partner – von denen die Mehrheit die Kanzlei inzwischen wieder verlassen hat. Die, die zwischen 2015 und 2018 Partner wurden, sind heute allesamt woanders tätig.
Mehr Partnerernennungen als Erfolgsgeheimnis
Um profitabel zu bleiben, sollten Kanzleien besser mit Partnerernennungen geizen. Bei Kirkland ist das nicht der Fall. Die Riege der Fixed-Share-Partner ist das Geheimnis ihrer Profitabilität. 2024 betrug sie laut Medienberichten 9,2 Millionen Dollar pro Equity-Partner, was einem Anstieg von 16 Prozent entspricht.
Parallel zum Anstieg der Profitabilität stieg auch die Zahl der jährlichen Partnerernennungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Während 2016 noch 81 neue Partner ernannt wurden, waren es 2017 bereits 97, 2018 dann 122 und 2019 insgesamt 141. Nach 145 Beförderungen im Jahr 2020 beschleunigte sich das Wachstum weiter: 2021 wurden 151 neue Partner ernannt, 2022 waren es 193. Den Höhepunkt erreichte die Entwicklung 2023 mit 205 Beförderungen, bevor die Zahl 2024 erstmals seit mindestens acht Jahren wieder sank – auf 200 neue Partner.