Es sind vor allem Boutiquen, die von aktuellen Veränderungen in der Prozesslandschaft profitieren und die ihr Geschäft auf die neuen Möglichkeiten ausrichten. So rüsten sich nach Einführung der Musterfeststellungsklage die Kanzleien, die Erfahrung mit Massenprozessen für Kapitalanleger haben. Sie sind mit Instrumenten vertraut, die nun auch in den Wachstumsfeldern Verbraucher- und Kartellklagen Einzug halten werden. Auch Schiedsverfahren, das gerät angesichts der stürmischen Litigation-Entwicklung fast aus dem Blick, sind weiterhin ein lukrativer und wachsender Markt – hier hat zuletzt die deutsche Schiedsorganisation DIS ihr Regelwerk reformiert, um sich für den internationalen Wettbewerb besser aufzustellen.
Spezialkanzleien profitieren auch davon, dass sich in großen Streitkomplexen wie Cum-Ex oder Diesel Unternehmen, Organe und Einzelpersonen gesondert vertreten lassen, schließlich kann es hier anschließend um Organhaftungsfragen gehen. Während die Unternehmen schon wegen der Internationalität der Probleme und aus Kapazitätsgründen auf Großkanzleien bauen, setzen Organe und Individuen auf eine der Boutiquen, in denen ehemalige Großkanzleianwälte frei von Konflikten aus der Konzernberatung agieren.
Inzwischen entscheiden sich auch Schiedsspezialisten immer häufiger für solch kleine, spezialisierte Einheiten. Zuletzt gab es hier erneut zwei viel beachtete Gründungen: Manner Spangenberg, in der sich ein Inhouse-Counsel des Windkraftunternehmens Nordex und ein erfahrener Associate von Latham & Watkins zusammengeschlossen haben, und Seven Summits Arbitration Bücheler Flecke-Giammarco. Deren Gründer kommen unter anderem von Wach + Meckes – einst selbst als Litigation-Spin-off von Ashurst gestartet. Und die Entwicklung geht weiter: Die jüngste Boutique entstand vor wenigen Wochen als Abspaltung von Allen & Overy.
Mehr über aktuelle Entwicklungen in der Konfliktlösung und den Einfluss des Dieselskandals auf den Markt lesen Sie im aktuellen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien 2018/19 und hier.