Zudem hätte sich immer wieder bemerkbar gemacht, dass er als Externer nur unzureichend mit den Siemens-Strukturen vertraut war. „Wir hatten eigentlich gehofft, mit ihm einen zentralen Ansprechpartner und Koordinator im Unternehmen zu haben – das war aber leider nicht der Fall“, so ein im Siemens-Komplex tätiger Strafrechtler.
Probleme soll es intern vor allem zwischen Noa und dem seit langem im Unternehmen tätigen Siemens-Chefjuristen Dr. Paul Hobeck gegeben haben. Die Compliance-Abteilung ist der Rechtsabteilung zugeordnet. „Es war eine Machtfrage im Konzern,“ bestätigte Noa nun gegenüber JUVE. Seiner Auffassung nach hätte das Amt des CCO vor allem in dieser konkreten Situation Unabhängigkeit erfordert, um überhaupt glaubwürdig ausgeübt werden zu können.
Informationen aus dem Markt zufolge war bei der Trennung von Noa Dr. Burkard Göpfert, Arbeitsrechtspartner aus dem Münchner Büro von Gleiss Lutz, für Siemens tätig. Er hatte den Konzern auch schon im Zusammenhang mit der BenQ-Insolvenz beraten. Noa wurde von dem Münchner Anwalt Dr. Knut Müller von Müller Rechtsanwälte beraten. Dem Vernehmen nach waren die Verhandlungen schwierig.
Chefjurist Hobeck fungiert jetzt als Interims-CCO. Siemens sucht als endgültige Lösung allerdings einen Ersatz mit internationaler Compliance-Erfahrung. Dem Vernehmen nach schaut sich der Konzern unter anderem in Frankreich um.