Das sagt JUVE
Wer Elfriede Jelineks ‚Klavierspielerin‘ als Maßstab fürs eigene Handwerk nennt, hat eine Vorstellung davon, wie Sprache zu funktionieren hat: „unerbittlich, präzise, ohne Ornamente“. Lars Harzmeier mag Jelineks harte, fast mechanische Taktung – vielleicht auch deshalb, weil sie das Gegenteil dessen ist, was ihn in Verhandlungen am meisten nervt: anwaltliche Showkämpfe. „Wer jeden Gummipunkt einsammeln will, verdünnt nur die eigenen Kernargumente.“
Harzmeier kommt vom Gesellschaftsrecht, nach dem Studium an der Bucerius Law School war er Hiwi bei Professor Holger Fleischer am Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht. Fleischer war oft als Gutachter in streitigen Fällen tätig, und Harzmeier merkte schnell: Im Schiedsverfahren werden die Fragen griffiger. Plötzlich schaut man Klauseln durchs Mikroskop an, die im Deal um zwei Uhr nachts auf Hinweis des Notars drangeklatscht wurden. Was heißt eigentlich „mittelbare Schäden werden ausgeschlossen“? Disputes-Anwälte, sagt Harzmeier, seien die Techniker, die „Fachanwälte für Recht“.
Richter wäre er nach dem Referendariat fast geworden, das analytische Fundament reizte ihn. Aber Gerichte bewerten die Vergangenheit, Anwälte gestalten die Zukunft – und gestalten passt besser. Acht Jahre nach dem Start seiner Karriere bei Linklaters ernannte ihn die Kanzlei kürzlich zum Partner.
Das sagen andere
„Es ist beeindruckend, in welcher Tiefe und Geschwindigkeit er sich in fachlich hochkomplexe Materien einarbeitet – etwa technische und regulatorische Nischen von sehr speziellen Produkten und Vorgängen. Das geht weit über den Standard hinaus. Das ermöglicht ihm einen extrem ergiebigen Austausch mit internen und externen Fachexperten. Das Zusammenspiel von technischer und rechtlicher Expertise kann von entscheidender Bedeutung sein. Er zeigt einen weit überdurchschnittlichen Einsatz für die Mandate und agiert als echter Sparringspartner.“ (Mandant)
„Hat Lust, gibt Gas!“ (Wettbewerber)
Das sagt Lars Harzmeier selbst
Welchen Trend in der Branche halten Sie für überschätzt?
Der Gedanke, komplexe Streitigkeiten seien vor allem ein Datenproblem. Datenmenge und Dokumentenzugriff sind heute besser beherrschbar als je zuvor. Der Engpass liegt oft an anderer Stelle: in der Deutung, der Priorisierung und der Entwicklung einer belastbaren Geschichte. Nicht der größte Datenraum gewinnt, sondern meist die klarste Theorie des Falls.
Warum ist es in einer Kanzlei besser als in einem Unternehmen?
Wegen der Dichte kritischer Situationen. Wir begleiten wöchentlich existenzielle Konflikte, die Unternehmen in dieser Schärfe vielleicht einmal im Jahrzehnt treffen.
Greatest Hits
- Vertritt mit dem Partner Rupert Bellinghausen ein globales Finanzinstitut in drei Verfahren im Zusammenhang mit einer der größten Unternehmenstransaktionen des Jahrzehnts. Details sind geheim, nur so viel: Der Komplex könnte die Schieds- und M&A-Szene prägen.
- War als Associate aufseiten von Lixil im lange größten bekannten Schiedsverfahren um eine M&A-Versicherung tätig – ebenfalls mit Bellinghausen.
- Spricht Chinesisch und nutzt das für Business Development in Asien.