Legal Tech

Namen, die man sich merken sollte

Legal Tech und Legal Operations sind angekommen in der Branche. Nicht nur Großkanzleien, auch Rechtsabteilungen, mittelständische Kanzleien, Start-ups und die Big Four mischen mit. Neben den alten Hasen steht inzwischen schon die zweite Generation von Experten in den Startlöchern. Fünf davon stellen wir im neuen JUVE Rechtsmarkt vor. Anne Graue, inzwischen Legal Counsel Regulatory Law & Product Compliance bei Volkswagen, ist eine davon.

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Anne Graue
Anne Graue

Anne Graue wechselt zwar öfter mal das Vehikel, aber ihr Treibstoff bleibt derselbe: ein Gemisch aus Legal Tech und Legal Operations. Die Juristin ist erst 29 Jahre alt, startete ihre Karriere als Anwältin bei Clifford Chance, war danach für drei Monate Richterin, wechselte anschließend in die Rechtsabteilung von Audi und von dort zu dem E-Mobilitätsunternehmen Tier. Bei Tier baute sie als Associate General Counsel in den letzten eineinhalb Jahren die Rechtsabteilung mit auf.

„Legal Tech ist etwas, worüber Rechtsabteilungen reden, aber für den Einsatz sind viele noch nicht bereit“, so ihre bisherige Erfahrung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass oft ein Zwischenschritt ausgelassen wird, ohne den man nicht nachhaltig vorwärts kommt: „Legal Tech ist kurzfristig nicht das relevante Thema, sondern Legal Operations – also die Organisation und Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse.“ Als Graue bei Tier einstieg, war das Unternehmen erst ein Jahr alt, aber voll auf Wachstumskurs. Inzwischen ist das Start-up in 15 Länder expandiert. Neben Graue gab es damals nur einen weiteren Inhouse-Juristen, mittlerweile sind es fünf. „Die Rechtsabteilung war überlastet, und das Budget klein. Mir war schnell klar, dass es so nicht weitergehen kann – und damit meine ich nicht nur die Flut an Mail-Anfragen, die jeden Tag bei uns aufliefen“, sagt Graue. Denn neben den Mails kamen Anfragen an die Rechtsabteilung auch über Whatsapp, Trello und Slack, oder die Kollegen standen gleich persönlich bei ihr am Schreibtisch.

Der Slackbot hilft beim Zeitsparen

Graue begann erst einmal damit, die Kommunikationskanäle zu organisieren und auf das Nötigste zu reduzieren. „Das war auch erzieherische Arbeit, weil wir immer wieder sagen mussten ‚Leute, bitte keine Nachfragen mehr per E-Mail‘“, berichtet sie. Andere Tools halfen mit, die Arbeitslast effizienter zu bewältigen. „In manchen Situationen bringen kleine Schritte schon viel. Wir haben zum Beispiel ein Ticketing-System für Vertragsprüfungen gebaut, ein Self-Service Dashboard mit FAQs und Checklisten bereitgestellt und den ‚Slackbot‘ mit Kommandos befüllt. Durch den Slackbot mussten unsere internen Mandanten nur ein festgelegtes Kommando in ein Chat-Fenster eintippen und wurden direkt zu dem Dokument weitergeleitet, das sie suchen. In Summe spart das viel Zeit“, sagt Graue.

Dazu kommt, dass auch die einfachsten Programme laufend Daten erzeugen, mit denen Arbeitsaufwand und Effizienzgewinne messbar werden – eine wichtige Grundlage, um gegenüber der Geschäftsführung argumentieren zu können, wieso sich im nächsten Schritt die Investition in spezialisiertere Legal-Tech-Tools lohnt. „Man kauft ja auch keinen Porsche, wenn man noch nicht Auto fahren kann“, sagt Graue. Vor mehr PS hat sie selbst definitiv keine Angst: Seit Februar ist sie Inhouse-Juristin bei Volkswagen.

Alle fünf Porträts finden Sie im Juve Rechtsmarkt 04/21, der heute erschienen ist.

Legal Operations Konferenz 2021

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