Mehr Einfluss

Wirtschaftskanzleien wollen Interessenverband gründen

Sie sind unzufrieden. Mit der Vertretung ihrer Interessen und mit ihrem politischen Einfluss in Berlin. Deshalb planen einige deutsche Wirtschaftskanzleien nach JUVE-Informationen einen eigenen Verband. Anfang September fand eine Tagung auf Schloss Bensberg bei Köln statt, an der rund 30 Kanzleichefs teilgenommen haben.

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Initiatoren des Vorhabens sind nach JUVE-Informationen Stefan Rizor von Osborne Clarke und Prof. Dr. Thomas Wegerich, Gründer des Verlags German Law Publishers. Beide wollten zu dem Vorhaben gegenüber JUVE nicht Stellung nehmen.

Die Veranstaltung auf Schloss Bensberg brachte rund 30 Kanzleimanager an einen Tisch. Sie lief unter dem Titel „Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland – eine Idee deren Zeit gekommen ist?“. In der Tischvorlage, die JUVE vorliegt, zeigen die Initiatoren auf, welche Aufgaben ein Bundesverband für die rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland übernehmen kann, die sie als relevante Zielgruppe ausmachen.

Das Konzept beschreibt einen möglichen Verband als politischen Akteur und als Forum für Wirtschaftskanzleien. Aber auch am Image der Sozietäten in der breiten Öffentlichkeit soll der Verband arbeiten. Ziel ist es, auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Kanzleien aufmerksam zu machen.

Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

Das Interesse an einem Verband der Wirtschaftskanzleien war bereits im Frühjahr deutlich geworden. Angesichts der Brexit-Querelen rund um die LLP-Rechtsformen ihrer Kanzleien bemerkten einige, wie gering ihre Bedeutung und ihr Einfluss auf der politischen Bühne in Berlin sind. Damals hatten beispielsweise die Managing-Partner von Clifford Chance, Dr. Peter Dieners, und von Noerr, Dr. Alexander Ritvay, das Fehlen einer Interessenvertretung für Wirtschaftskanzleien beklagt.

Über die Verbandspläne will derzeit noch niemand öffentlich sprechen, aber sowohl bei Clifford und Noerr als auch bei zahlreichen weiteren Kanzleien und Partnern besteht weiterhin großes Interesse an einer mächtigeren Stimme in Berlin. Immer wieder heißt es in Gesprächen, dass ihnen der von Dr. Edith Kindermann geführte Deutsche Anwaltverein keine adäquate Plattform biete, dasselbe gelte für die Rechtsanwaltskammern. 

Auch wenn noch nichts in trockenen Tüchern ist: Die sichtbaren Erfolge des Bundesverbands der Unternehmensjuristen (BUJ) und des Legal Tech Verband Deutschland geben den Initiatoren Anlass zur Hoffnung, dass die immer wieder diskutierte Idee nun auch in die Tat umgesetzt wird. (Martin Ströder, Daniel Lehmann)

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