Nach Compliance-Kritik

ADAC-Generalsyndikus hört auf

Ende Mai wird der Generalsyndikus des ADAC, der Dortmunder Anwalt Werner Kaessmann, sein Amt aufgeben. Er war im Vorjahr in die Kritik geraten, nachdem interne Untersuchungen ergeben hatte, dass es zu Ungereimtheiten bei der Vergabe größerer Bauaufträge des Regionalclubs Westfalen gekommen war. Für den Regionalclub war Kaessmann ebenfalls tätig.

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Der genaue Anlass für seinen jetzigen Rückzug ist unklar. In der Presse spricht Kaessmann selbst von einem freiwilligen Schritt nach immerhin zwölf Jahren in dem Ehrenamt. Allerdings berichten Medien, die sich auf interne Quellen beim ADAC berufen, dass er lediglich seiner Ablösung zuvorkomme. Ein Sprecher des Clubs teilte auf Nachfrage von JUVE mit, Kaessmann habe das Präsidium informiert, dass er für eine Vertragsverlängerung nicht mehr zur Verfügung stünde. Ein Nachfolger stehe bislang noch nicht fest.

Kaessmann soll in Vorgänge involviert gewesen sein, die auch schon den Schatzmeister des ADAC und ehemaligen Vorstand des Regionalverbands Westfalen, Klaus-Peter Reimer, zum Rückzug veranlasst hatten. Millionenschwere Bauaufträge sollen in Westfalen ohne Ausschreibung und detaillierte Prüfung vergeben worden sein. Ein guter Bekannter Reimers soll davon profitiert haben. Kaessmann soll die fragwürdigen Vergaben nicht beanstandet oder überprüft haben. Im Juli vergangenen Jahres waren die Vorfälle publik geworden. Offenbar ist auch die neue Compliance Service GmbH des Clubs der Sache weiter nachgegangen. Die Münchner Zentrale hatte dann deutlich gemacht, dass sie Konsequenzen erwarte. Entscheiden können darüber jedoch nur die Regionalclubs selbst.

Die Verquickung ehrenamtlicher und monetärer Interessen steht gerade auf Anwaltsebene schon lange in der Kritik. Etliche Funktionäre waren zugleich Vertragsanwälte des Clubs. So war etwa auch Kaessmann, Namenspartner der sechs Anwälte zählenden Kanzlei Kaessmann & Partner, nicht nur seit 2004 ehrenamtlicher Generalsyndikus, sondern seit 1977 auch Vertragsanwalt, also potenzieller Rechtsberater von ADAC-Mitglieder. Den Status des Vertragsanwalt hat Kaessmann allerdings im vergangenen Jahr aufgegeben.

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