Nach dem Wachstum die Substanz

Autor/en
  • Aled Griffiths

Vor gut vier Jahren hatte DLA Piper ein deutsches Büro (Köln) mit drei Anwälten. Heute gehört die Kanzlei mit 110 Berufsträgern zu den Top 25 in Deutschland. Ob derart exponentielles Wachstum gesund und nachhaltig sein kann, wird von Wettbewerbern selbstverständlich angezweifelt. Wer es sich einfach machen will, ordnet DLA Deutschland als Filiale einer weltweit aufgestellten Großkanzlei mit über 3.000 Anwälten ein - mit einem solchen Netzwerk im Rücken muss sicher niemand lange auf Mandate warten. Allerdings zeugt die Rekrutierungspolitik der Kanzlei von einer anderen Gangart. Dr. Ludger Giesberts, als Öffentlichrechtler zuvor bei Freshfields, und zuletzt Aktienrechtler Dr. Andreas Meyer-Landrut, der im Juli von White & Case wechselte, sorgen für wesentlich mehr fachliche Tiefenwirkung. Letzterer war bis zuletzt Leiter der White & Case-Corporate-Praxis, die sich seit dem Zugang von Dr. Lutz Krämer (von Freshfields) zunehmend in Richtung Frankfurt orientiert. Dennoch hat DLA dank Meyer-Landruts Verbindungen erstmals eine realistische Chance, Mandanten aus dem Kreis der Deutschland AG zu akquirieren.

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Und die Vernetzung der Standorte? Rapides Wachstum hat schon etliche Kanzleien am fehlenden Zusammenhalt ihrer Büros untereinander scheitern lassen. Die nötige Spezialisierung und das Teamwork, um mit den führenden Sozietäten konkurrieren zu können, lassen sich so nicht gewährleisten. Genau in diesem Bereich hat Managing Partner Dr. Ulrich Jüngst noch Arbeit vor sich, nicht zuletzt, weil er viel Zeit mit Rekrutierung verbringen muss, statt die Integration voranzutreiben.

Aus diesem Grund verschiebt sich der Schwerpunkt des Praxismanagements in Richtung der Fachgebietsleiter. Diesen Prozess wird man in den kommenden Monaten noch beschleunigen müssen: Hamburg und Frankfurt wirken bisweilen wie eigenständige Kurfürstentümer neben dem Kölner Kaiserhof. In einem Jahr sollte DLA dem Markt bewiesen haben, dass ihr Name für Handfesteres steht als (bloß für) hohe Wachstumsraten.

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