Noch im April des vergangenen Jahres hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit seiner Kritik am Investitionsverhalten von Private-Equity-Gesellschaften hierzulande die große Heuschrecken-Debatte ausgelöst. Umso mehr überraschte deswegen nun der Einstieg des US-Investors Blackstone bei der Deutschen Telekom AG.
Für 2,68 Milliarden Euro erwarb das Private-Equity-Haus von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Anteile an dem ehemaligen Staatsunternehmen, insgesamt 4,5 Prozent. Hinter der KfW, die ihren Anteil durch den Deal auf 17,3 Prozent senkte und dem Bund, der weiter 15,2 Prozent hält, ist Blackstone damit jetzt drittgrößter Anteilseigner. Zudem wird die US-Gesellschaft voraussichtlich auch einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten. Finanziert wurde die Transaktion von der Deutschen Bank.
Für Gleiss Lutz bedeutet das jetzige Mandat, dass die Kanzlei nun auch deutlich sichtbar als Hauptberater von Blackstone in Deutschland angekommen. Bis zur Celanese-Übernahme vor gut zwei Jahren galt noch Hengeler Mueller als deutsche Hauskanzlei des Investors. Seinerzeit hatte sich jedoch Gleiss in einem Pitch für das Mandat durchsetzen können und beriet Blackstone folglich bei der größten Übernahme im Jahr 2004 und dem gleichzeitig größten Public Leveraged-Buy-out bislang in Deutschland überhaupt (JUVE 02/04).
Zum Pitch musste Gleiss danach nicht mehr bei dem US-Investor antreten. Es folgte eine ganze Reihe bedeutender Mandate. Im selben Jahr beriet die Kanzlei etwa auch beim Kauf des US-Kohle-Geschäfts der RAG für knapp eine Milliarde US-Dollar, zuletzt war ein Gleiss-Team für Blackstone im Bieterverfahren um Sirona tätig (JUVE 06/05). Letztlich setzte sich damals jedoch Madison Dearborn durch. Doch auch Hengeler wird weiter für den Investor tätig, die Kontakte zur US-Gesellschaft sind nach wie vor gut.
„Es freut uns, dass Gleiss Lutz nach der Celanese-Übernahme auch bei dieser außergewöhnlichen Transaktion wieder erste Wahl für Blackstone war“, sagt der Frankfurter Partner Dr. Jan Bauer. Schon seit 2002 übernahm er zusammen mit seinem Stuttgarter Partner Dr. Christian Cascante immer wieder die Federführung bei Transaktionen von Blackstone. Ursprünglich zustande gekommen war der Kontakt damals über Simpson Thacher & Bartlett, die heimische Hauskanzlei des US-Investors.
Und auch nun beim Telekom-Einstieg übernahmen Cascante und Bauer das Ruder. Im Februar begann ihre Arbeit, gut zweieinhalb Monate später konnten sie zusammen mit ihren Verhandlungspartnern ein Ergebnis präsentieren, das allgemein begrüßt wurde.
„Der Deal war etwas ganz Besonderes, vor allem wegen der politischen Komponente“, sagt einer der beteiligten Anwälte. „Die eigentliche Arbeit der Transaktion verlief eher gewöhnlich. Allerdings waren die Abstimmungsprozesse intensiver als sonst, weil die KfW in vielen Fragen Rücksprache mit dem Ministerium halten musste“. Es musste auch besonders sensibel verhandelt werden, denn von vorneherein war klar, dass dieser Deal eine große Öffentlichkeitswirkung entfalten und damit eine breitere Angriffsfläche liefern würde.
Neben Blackstone und der Telekom zeigte sich auch die staatliche Seite zufrieden mit dem neuen Investor, so etwa Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Denn Blackstone verpflichtete sich, das Aktienpaket mindestens zwei Jahre lang zu halten. Zum Gelingen des Deals trug dies wesentlich bei. Für mindestens ein Jahr wird die KfW nun keine weiteren Telekom-Aktien veräußern, weder Bund noch KfW planen derzeit den Verkauf weiterer Anteile an das Private-Equity-Haus.
Cascante sieht den Verkauf dennoch als wegweisend an: „Die Transaktion ist ein Meilenstein. Dies war zwar der erste, aber sicher nicht der letzte Deal, bei dem ein Private-Equity-Unternehmen Anteile an einem Dax-Konzern oder aber auch ehemaligen Staatsunternehmen erwirbt.“
Der Kauf war im übrigen auch für Blackstone ungewöhnlich, war der Investor doch bislang nicht an Minderheitsbeteiligungen interessiert. Gleichzeitig verzichtete sie aber auch konsequent auf feindliche Übernahmen. Blackstone könnte daher künftig gute Karten bei Investments in deutsche Großkonzerne haben. (René Bender)
Berater Blackstone
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Christian Cascante (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Jan Bauer (Federführung; Corporate/M&A; Finance), Dr. Helge Kortz (Finance; beide Frankfurt), Dr. Achim Dannecker (Steuerrecht), Dr. Ingo Brinker (Kartellrecht; München), Dr. Markus Deutsch (Regulatory), Dr. Doris-Maria Schuster (Arbeitsrecht; beide Frankfurt); Associates: Maximilian von Rom (Finance; Frankfurt), Stefanie Dörner, Dr. Cai Berg (beide Corporate/M&A), Dr. Alexander Werder (Steuerrecht), Dr. Beate Erken (Arbeitsrecht; Frankfurt)
Simpson Thacher & Bartlett (London): Michael Wolfson, Ryerson Symons (beide US-Recht)
Berater KfW
Linklaters Oppenhoff Rädler (Frankfurt): Dr. Herbert Harrer (Federführung) Dr. Carsten Grave (Köln), Raymond Fisher, Hans-Hermann Rösch (Berlin), Ulli Janssen
Inhouse (Frankfurt): Thomas Bulgrin, Dr. Andreas Benckendorff
Berater Deutsche Bank
Allen & Overy (London): Andrew Bamber, Dr. Peter Stenz; Associate: Dr. Oliver Lohse (beide Frankfurt – aus dem Markt bekannt
Inhouse (London): Andrew Dixon-Smith – aus dem Markt