Notariate

Immer weniger Amtsträger, immer höherer Anspruch

Autor/en
  • Norbert Parzinger

Die Zahl der Notare in Deutschland ist in den letzten fünf Jahren um vier Prozent gesunken. Seit ihrem Höchststand 1998 schrumpfte die Zahl der Amtsträger in Deutschland laut Bundesnotarkammer sogar um über ein Drittel. Dafür ist heute mehr Spezialwissen und Tempo gefragt – gerade dann, wenn es um große Transaktionsprojekte und Umstrukturierungen geht.

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Insgesamt gibt es heute deutschlandweit 7.045 Notare, vor 20 Jahren waren es noch über 10.000. Dabei hat sich die Bedeutung der verschiedenen Regionen zuletzt spürbar verschoben, wie die Statistik der Notarkammer zeigt. Besonders viele Notarstellen fielen in den letzten fünf Jahren anteilig in den Kammerbezirken Berlin, Bremen, Braunschweig und Sachsen-Anhalt weg. In Frankfurt und Bayern hingegen kamen unter dem Strich sogar je eine Handvoll Amtsträger hinzu.

Konzernkontakte bringen Umsatz

Gerade an wirtschaftsstarken Standorten lockt das Notariatsgeschäft immer mehr Anwälte und Kanzleien, die bereits auf wirtschaftsrechtliche Beratung spezialisiert sind. Für Sozietäten wie Göhmann in Hannover oder Kümmerlein und Luther im Ruhrgebiet sind die hauseigenen Notare schon lange wichtige Umsatzbringer – nicht nur durch ihr Beurkundungsgeschäft, sondern auch wegen ihrer engen Kontakte zu Immobilieninvestoren und ortsansässigen Großkonzernen. Letztere zeigen sich unter anderem bei den jährlichen Hauptversammlungen.

In Frankfurt und Berlin legen auch immer mehr Großkanzleien Wert darauf, mit eigenen Notaren präsent zu sein. Besonders etabliert sind hier etwa Clifford Chance, Dentons, Flick Gocke Schaumburg, Gleiss Lutz, Görg, GSK Stockmann, Taylor Wessing und seit Kurzem auch Bryan Cave Leighton Paisner. Besonders hier zeigt sich immer stärker ein Trend zur Spezialisierung.

Starkes Backoffice ist zentral

Jüngstes Paradebeispiel für klare Fokussierung ist die 2018 gegründete Frankfurter Einheit Funke Mühe: Die beiden Amtsträgerinnen konzentrieren sich faktisch auf die Beurkundung von Transaktionen, Unternehmensfinanzierungen und gesellschaftsrechtliche Projekte. Auch die Anwaltsnotare in Traditionskanzleien wie bhp Bögner Hensel & Partner, zuletzt verstärkt durch die Ernennung eines weiteren Amtsträgers mit Großkanzleierfahrung, arbeiten heute deutlich fokussierter als noch vor wenigen Jahren.

Zwar beherrscht nach dem Selbstverständnis der Branche jeder einzelne deutsche Notar sein komplettes Tätigkeitsspektrum genauso gut wie alle anderen Amtsträger. Dass es bei Qualität, Service und Erfahrung der einzelnen Notare trotzdem große Unterschiede gibt, ist bei Anwälten und Unternehmensjuristen aber weitgehend Konsens. Gerade wenn es darum geht, große Unternehmens- oder Immobilientransaktionen unter Zeitdruck abzuwickeln, kommt nur ein begrenzter Kreis von Notaren in Frage. Fachliches Niveau, Englischkenntnisse, Verfügbarkeit und Dienstleistermentalität des einzelnen Amtsträgers genügen dafür nicht allein. Ebenso wichtig ist ein Backoffice, das die anfallenden Materialmassen schnell und souverän bewältigt.

Im Kapitel Notariat des JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien 2019/2020 finden Sie mehr über Trends und Marktentwicklungen sowie Notariate, die von Unternehmen und Wirtschaftsanwälten besonders häufig empfohlen werden.

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