Künftig verteilt die Kanzlei 60 Prozent ihres Gewinns über ein leistungsbezogenes Punktesystem. Im Zentrum steht dabei die Profitabilität der einzelnen Partnerteams. Für die Gewinnverteilung schaut sich die Kanzlei die Profitabilität der Partnerinnen und Partner für den Zeitraum von jeweils drei Jahren an. Unterschreitet oder überschreitet eine Partnerin oder ein Partner einen definierten Profitkorridor, zieht dies die Anpassung nach oben oder unten nach sich. Die verbleibenden 40 Prozent des Gewinns fließen direkt an die Partner, die auf Jahresbasis besonders profitabel waren.
Mit dem zweiten Topf, den die Kanzlei „Individualtopf“ nennt, will sie dem Umstand Rechnung tragen, dass die Leistungsbeiträge einzelner Partner sehr weit auseinandergehen und auch von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Insgesamt ist dieser Topf aber auch eine Reminiszenz an die Eat-What-You-Kill-Tradition der Standorte Berlin, Hamburg und München, die den Schritt zur finanziellen Integration der Gesamtkanzlei mitgegangen sind.
Entscheidung für die Zukunft
Technisch betrachtet schafft SKW zum neuen Jahr vier sogenannte Innensozietäten ab. Über diese waren die unterschiedlichen Partnervergütungssysteme der einzelnen Standorte geregelt. Das neue, zentrale Gewinnverteilungssystem ist dann Teil der überörtlichen Partnerschaftsgesellschaft. Diese gibt es bereits seit vielen Jahren – über sie haben die Partner bereits viele Integrationsschritte vollzogen, etwa mit Blick auf IT.
Die finanzielle Integration der Standorte einschließlich Frankfurt sieht das Management der Kanzlei allerdings nicht nur als technische Veränderung. Stephan Morsch, seit 2023 Managing-Partner von SKW Schwarz, betrachtet die Entscheidung vor allem als klares Bekenntnis zu einer gemeinsamen Kanzleikultur und einer standortübergreifenden Strategie. Diese ziele darauf ab, „der Gesamtkanzlei eine attraktive, wettbewerbs- und zukunftsfähige Struktur zu geben“, so Morsch in einer Pressemitteilung der Kanzlei. Der Managing-Partner der Kanzlei wurde von der Partnerschaft soeben für zwei weitere Jahre in seiner Rolle bestätigt.
Nachwuchs erwartet mehr Zusammenarbeit
Von den jüngsten Veränderungen erhofft sich die Kanzlei neben kulturellen und wirtschaftlichen Vorteilen auch mehr Erfolg auf den Lateral-Märkten – und damit bessere Wachstumschancen. Wie viele beobachtet SKW bei jüngeren Anwältinnen und Anwälten veränderte Erwartungen an die Organisation der Plattformen, auf denen sie ihre Dienstleistungen anbieten. Die Zukunft des Geschäfts des Partnernachwuchses liegt demnach in der fachbereichs- und standortübergreifenden Zusammenarbeit sowohl bei der Mandatsarbeit als auch bei der Entwicklung des Geschäfts von morgen. Aus Sicht der Sozietät wurden mit der Entscheidung die letzten Hemmschuhe für die umfassende standortübergreifende Zusammenarbeit der Berufsträger beseitigt.
Gerade erst hat SKW Nicole Wolf-Thomann zur Equity-Partnerin sowie Dr. Angela Poschenrieder und Dr. Mathias Pajunk zu Assoziierten Partnern befördert. Im November baute SKW ihre Praxis mit einem dreiköpfigen Private-Clients-Team von Poellath aus.
Schlussstrich nach viel Vorarbeit
Mit der Entscheidung für ein einheitliches Vergütungssystem setzt die Kanzlei einen Schlussstrich unter das Projekt namens „One Firm“, zu dessen Umsetzung sie im Frühjahr die Weichen gestellt hatte. Die Bemühungen um die Integration der SKW-Standorte reichen allerdings bereits deutlich in die Zeit zurück, bevor Morsch Managing-Partner wurde.
Vor ihm arbeitete bereits Stefan Schicker als Partner an diesem Projekt. Wie auch Morsch teilte sich Schicker das Management mit Arne Broer, seit über acht Jahren COO der Kanzlei. Schon die Abgänge in Hamburg zum Januar 2021 standen im Zeichen der Bemühungen, die Kanzlei deutschlandweit besser zu integrieren. Ähnlich auch die Auflösung des Düsseldorfer Standorts, der sich ein Jahr zuvor der Kanzlei Schalast angeschlossen hatte. Dort stemmten die mittlerweile wieder ausgeschiedenen Partner sich nach JUVE-Informationen ebenfalls gegen die finanzielle Integration – die bei Schalast allerdings inzwischen seit fast zwei Jahren umgesetzt ist.