Start-up Iubel im Interview

„Schadensfälle aller Art“

Mehr als 10.000 Fälle will Iubel, eine Plattform des Legal-Tech-Start-ups Claim Solutions, bis 2021 finanziert haben. Im Dieselkomplex unterstützt sie bereits 300 Klagen gegen Volkswagen. Mitgründer Dr. Jan Stemplewski erklärt das Modell.

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Stemplewski_Jan
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JUVE: Iubel verspricht ‚Sofort-Rechtsschutz‘ ohne Wartezeit, ohne Vertragsbindung, ohne Kostenrisiko. Was sind Sie eigentlich: Rechtsdienstleiter, Versicherer, Prozess­finanzierer? 
Dr. Jan Stemplewski: Das kommt wohl ganz auf die Perspektive an. Technisch gesprochen agieren wir als Prozessfinanzierer, der den kleinen Endkunden im Auge hat. Aus der Perspektive der Versicherungsbranche bieten wir eine Absicherung für den bereits eingetretenen Schadensfall an. Und unsere Kunden suchen einfach nach ­einer Lösung für ihre Probleme – ganz egal, wie diese Lösung einzusortieren ist. Wir bewegen uns in einem Spektrum, das bislang kein anderer abdeckt, und kümmern uns um Fälle mit einem Streitwert von 1.000 bis 50.000 Euro. Deshalb finden wir auch den Begriff ‚Sofort-Rechtsschutz‘ so treffend.

Der Unterschied zu Anbietern wie Foris oder Roland ist also der niedrigere ­Streitwert?
Das ist nur einer der Unterschiede. Auch unser grundsätzlicher Ansatz ist anders: Wir geben jedem Fall eine Chance, da wir eine Einzelfallbewertung digital abbilden können. Bei uns bewertet der Algorithmus die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Prozess erfolgreich geführt werden kann. Dazu haben wir circa 20 Datenpunkte ausgemacht, nach denen wir Prozesse bewerten. Diese Be­wertung verknüpfen wir mit der rechtlichen ­Einschätzung unserer Partneranwälte. Der Algorithmus bestimmt auch, mit welcher Erfolgs­beteiligung wir rechnen. Sie kann zwischen 15 und 42 Prozent liegen – je nachdem wie die Erfolgschancen bewertet wurden. In den Diesel-Verfahren liegt unsere Beteiligung bei 19 Prozent.  

Sie sind also eigentlich Datensammler?
Wir sind in erster Linie Sofort-Rechtsschutz-Anbieter. Die Daten, die wir transparent und freiwillig erheben, ermöglichen dieses Angebot. Die Daten kommen aus öffentlichen Quellen, aus eigenen Fällen und aus Daten von Dritten, etwa Kanzleien, mit denen wir arbeiten. Sie sind aber immer anonymisiert – unser Ziel ist zu lernen, wann ein Fall funktioniert und wann nicht.

Woher kommt ihr Geld?
Ein Teil unserer Gelder kommt aus der öffentlichen Förderung der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB). Zudem werden wir durch zwei Hamburger Business Angels und den Berliner Fonds Motu Ventures unterstützt. Vermögende Privatleute und Family Offices haben über einen Fonds zusätzliches Working-Capital für die Diesel-Klagen gegen VW bereitgestellt – bislang ein niedriger einstelliger Millionenbetrag.

Was kommt nach dem Diesel?
Mit den Diesel-Fällen haben wir eher zufällig begonnen, weil das Thema gerade von Kunden nachgefragt ist. Wir haben uns von Anfang an auch mit anderen Themen beschäftigt, etwa im Arbeits- oder Mietrecht. Langfristig wollen wir ein Anbieter für Schadensfälle aller Art werden. Unsere Mission ist, den Zugang zum Recht für diejenigen herzustellen, die sich die Durchsetzung ihrer Ansprüche sonst nicht leisten könnten.

Das Gespräch führte Ulrike Barth.

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