White & Case hat ihr erstes Büro auf der iberischen Halbinsel eröffnet. Das Startteam für das gerade eröffnete Madrider Büro bilden mehrere Anwälte des US-Rivalen Latham & Watkins.
An der Spitze des Büro steht Juan Manuel De Remedios (47). Er leitete bislang die spanische Corporate-Praxis von Latham und ist auf M&A und Kapitalmarktrecht spezialisiert. Nach Angaben von White & Case war er im vergangenen Jahr in mehrere komplexe Transaktionen in Spanien involviert, laut Medienberichten unter anderem für die Deutsche Bank. Dem Partner folgen Yoko Takagi (34) als Local-Partner und ein Team von Associates. Takagi ist ebenfalls auf M&A und Kapitalmarktrecht fokussiert. Das neue Büro in der spanischen Hauptstadt wird entsprechend einen starken Fokus auf Transaktionen und Kapitalmarktrecht haben sowie auf Finanzierungen und Restrukturierungen.
Schon seit mehreren Jahren hatten sich im iberischen Anwaltsmarkt Gerüchte über einen bevorstehenden Start von White & Case gehalten. „Dieser Schritt erfüllt für uns lang gehegte Ambitionen für ein eigenes Büro in Madrid“, sagte White & Case-Chairman Hugh Verrier. „Die Büroeröffnung, angeführt mit Juan Manuel, wird die Bedürfnisse unserer Mandanten unterstützen, die in Spanien investieren wollen, ebenso unserer spanischen Klienten, die global expandieren.“ Neben den im neuen Büro in Madrid tätigen Anwälten arbeiten weltweit bei White & Case weitere 60 spanisch-sprechende Anwälte.
Der Schritt nach Spanien erfolgt in einer Zeit der tiefen ökonomischen Krise in der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land gilt als eines der Sorgenkinder Europas mit einer hohen Staatsverschuldung, enormen Arbeitslosigkeit, einer desolaten Immobilienwirtschaft und einem stark reformbedürftigen Banken- und Sparkassensystem. Der lokalen Anwaltschaft geht es dabei allerdings deutlich besser als der übrigen Volkswirtschaft. Die führenden Wirtschaftskanzleien fuhren selbst in den härtesten Krisenjahren noch minimale Umsatzsteigerungen ein. Auch in diesem Jahr lassen die ersten wirtschaftlichen Kennzahlen spanischer Top-Kanzleien eine leichtes Plus bei den Umsätzen erwarten.
Allerdings dürfte White & Case weniger den Zugang zu diesem lokalen Geschäft suchen, sondern sich durch den spanischen Markteintritt vielmehr den Zugang zum prosperierenden lateinamerikanischen Anwaltsgeschäft sichern wollen. Spanische Unternehmen und in deren Gefolge die iberischen Anwälte nehmen eine Schlüsselposition in Lateinamerika ein.
Als bislang letzte internationale Kanzleien waren 2009 Herbert Smith (mehr…) und wenig später Watson Farley & Williams in Spanien an den Start gegangen (mehr…). Herbert Smith warb seinerzeit ein Linklaters-Team ab, Watson Farley Anwälte von Hogan Lovells (damals Lovells).
Für Latham & Watkins arbeiten nach dem Weggang des Teams noch vier Partner, zwei Counsel und acht Associates in Madrid und Barcelona.