Juve Plus ACC-Studie

Viel Potenzial, wenig Kennzahlen: Rechtsabteilungen messen den Nutzen von KI kaum

Der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz gewinnt in Rechtsabteilungen an Bedeutung – doch der konkrete Mehrwert lässt sich bislang nur selten belegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der US-amerikanischen Association of Corporate Counsel (ACC) gemeinsam mit dem Legal-Tech-Anbieter Everlaw.

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Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter knapp 300 Inhouse-Juristinnen und Juristen, überwiegend aus den USA. Zwar sehen viele von ihnen KI als Hoffnungsträger, um Effizienzgewinne zu erzielen und die eigene Rolle im Unternehmen zu stärken.

Tatsächlich erfassen jedoch nur 12 Prozent der befragten Teams den Return on Investment entsprechender Technologien. Lediglich 16 Prozent setzen die Ergebnisse juristischer Arbeit systematisch ins Verhältnis zu den Kosten. Klassische Kennzahlen wie die Dauer bis zur Streitbeilegung oder der Beitrag der Rechtsabteilung zum Geschäftserfolg werden der Studie zufolge ebenfalls nur vereinzelt gemessen.

Auch, wer sich im deutschen Markt umhört, erhält derzeit noch ein ähnliches Bild wie in den USA: „Alle in der Community reden darüber, aber niemand weiß, wie man es messen soll“, fasst ein Syndikus eines großen deutschen Unternehmens die Situation zusammen.

KI weckt große Hoffnungen

Dabei erwarten viele Befragte deutliche Effekte: Laut der ACC-Studie sehen drei Viertel den größten Nutzen von generativer KI in einer besseren Ressourcenausstattung und höheren internen Effizienz. Zudem hoffen Rechtsabteilungen, mithilfe KI-gestützter Analysen Einsparpotenziale bei externen Beratern zu identifizieren oder Abrechnungsstrukturen von Kanzleien transparenter auszuwerten. Entsprechend gering ist der Anteil derjenigen, die KI keinen Einfluss auf die strategische Position der Rechtsabteilung zuschreiben.

Gleichzeitig zeigt die Studie strukturelle Defizite auf. Fehlende Datenintegration und fragmentierte IT-Landschaften erschweren eine belastbare Erfolgsmessung. Nur eine Minderheit erhebt Kennzahlen zur Performance externer Berater oder zu den Auswirkungen juristischer Arbeit auf unternehmerische Ziele. Dennoch wächst der Handlungsdruck: Knapp 70 Prozent halten es für entscheidend oder sehr wichtig, in den kommenden drei bis fünf Jahren generative KI auch für Reporting- und Steuerungszwecke einzusetzen.

Zunahme auch hierzulande

Auch in Deutschland setzen Rechtsabteilungen zunehmend generative KI ein. Das geht aus der JUVE-Inhouse-Umfrage 2025 hervor. Dort gaben 47 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie generative KI nutzen. 2024 waren es lediglich 20 Prozent. Sie kommen von der anfänglichen Experimentierphase zunehmend in eine Phase, in der sie den Nutzen von KI messbar machen wollen.

Der stellvertretende General Counsel eines Dax-Konzerns sagt allerdings: „Wir haben verschiedene Versuche unternommen, die Zeitersparnis durch generative KI zu ermitteln. Aber bisher noch nicht flächendeckend, sondern jeder für sich.“ Solche vereinzelten Versuche seien auch immer durch individuelle Interessen getrieben. Ein entscheidendes Problem: „In den meisten Fällen ist schwer zu sagen, wie lange man ohne die Technologie für eine bestimmte Aufgabe gebraucht hätte.“ Solange Rechtsabteilungen keine belastbaren Kennzahlen etablieren, bleibt KI also eher eine gefühlte als eine nachweisbare Erfolgsgeschichte.

Mehr zum Einsatz von KI und Legal Tech lesen Sie ab dem 25. Februar im JUVE Rechtsmarkt Inhouse, unserer Spezialausgabe für Unternehmensjuristinnen und Unternehmensjuristen.

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