Es dürften nicht allzu ruhige Feiertage für die Beteiligten gewesen sein, um das Anfang der Woche verkündete Maßnahmenpaket in der Kanzlei durch- und umzusetzen. Freshfields beweist damit Schnelligkeit und Kreativität. Aber den Eindruck, dass die Dezemberabgänge eine Zäsur darstellen, kann sie mit ihren jüngsten Personalentscheidungen vorerst nicht zerstreuen.
Im Dezember war bekannt geworden, dass vier Transaktionspartner zu Latham & Watkins in Frankfurt und München wechseln werden – darunter mit Dr. Markus Paul und Dr. Wessel Heukamp zwei echte Schwergewichte der Corporate-Praxis. Nun ist es nicht das erste Mal, dass Freshfields den Verlust so wichtiger Partner verarbeiten muss, sondern schon das vierte Mal. In der Vergangenheit haben die Weggänge der Teams um Dr. Norbert Rieger zu Milbank, Dr. Ralph Wollburg zu Linklaters und Dr. Hans-Jörg Ziegenhain zu Hengeler Mueller tiefe Wunden hinterlassen. Ein Learning daraus war sicher, sehr viel zügiger als in der Vergangenheit auf ein solches Ereignis zu reagieren. Aber dass die Kanzlei nun die Zeit nutzt, in der die Wechsler noch nicht einmal richtig bei Latham angelandet sind, ist vor allem der veränderten Marktlage im Vergleich zu den vorangegangenen Verlusten der Nullerjahre geschuldet. Vor allem Latham aber auch andere US-Kanzleien haben in den vergangenen Jahren den Konkurrenzdruck um lukrative PE-Mandate deutlich verschärft. Und auch Freshfields eigene Strategie ist eine andere: Der massive Ausbau der US-Praxis lässt keine Schwäche der etablierten Kanzleiteile zu, die diesen Ausbau derzeit finanzieren.
Ein genauer Blick auf das Maßnahmenpaket, das vor allem das Münchner Büro stärkt: Mit Florian Sippel kommt ein junger, rein auf Private-Equity fokussierter Quereinsteiger von Kirkland & Ellis. Dass er sein Handwerk bei Freshfields gelernt und dort über sieben Jahre gearbeitet hat, dürfte seine Anlaufzeit extrem verkürzen. Mit den drei außerplanmäßigen Partnerernennungen betont Freshfields darüber hinaus wichtige Bereiche wie Infrastruktur-PE, Versicherungen und Legal Tech. Die Kanzlei macht nach außen keine Aussage dazu, ob die drei Neuen in die Equity- oder die erst kürzlich eingeführte Salary-Partnerschaft aufgenommen wurden. Letztere hätte damit jedenfalls schon schnell ihren Sinn und Zweck unter Beweis gestellt. Als dritte Komponente setzt die Kanzlei auf ein bewährtes Mittel: Zwei erfahrene Corporate-Partner verteilen ihre Zeit künftig auf zwei Büros und werden einen Teil ihrer Zeit in München verbringen. Das ist vielleicht nichts auf Dauer, aber eine direkt wirksame Stärkung und ein deutliches Zeichen an die dortigen Teams.
Die Wechsel zu Latham und die Gegenmaßnahmen von Freshfields sind derzeit das dominierende Thema im Markt. Einig ist man sich bislang vor allem in einer Sache: Für Latham war das ein smarter Move und die Lösung eines schon länger schwelenden Nachfolgeproblems. Bei Freshfields sind die Ansichten gespalten: Während etliche düstere Zeiten für die PE-Praxis prophezeien, reagieren andere mit Respekt: „Es ist erstaunlich, wie Freshfields sich immer wieder berappelt und neu erfindet“, sagt ein Private-Equity-Partner einer konkurrierenden Kanzlei. Die jetzige Lösung mag noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, insbesondere nicht für die Private-Equity-Praxis. Aber sie betont die Stärke der Corporate-Praxis von Freshfields – ihre Breite personell, generational und fachlich.
Welche Deutung, die richtige ist, werden die nächsten Monate zeigen – beziehungsweise die kommenden Deals und wer sie berät. Hier wird man sehen, wie sehr die Relationships an Personen hängen oder ob sie doch stärker institutionell sind.