Als neuen Partner gewinnt Freshfields Dr. Florian Sippel für ihr Münchner Büro. Der 40-Jährige kommt von Kirkland & Ellis aus Frankfurt, wohin er erst im November 2024 von Noerr gewechselt war. Bei Kirkland gehörte er dann zum Startteam des Frankfurter Büros. Freshfields kennt Sippel gut: Dort hatte er im Herbst 2014 seine anwaltliche Laufbahn begonnen und bis zu seinem Wechsel zu Noerr Anfang 2022 in den Büros Frankfurt, München und London gearbeitet. Nun soll er sich als Equity-Partner im Münchner Freshfields-Büro ganz auf den Bereich Private Equity konzentrieren.
Quereinsteiger auf Partnerebene sind selten bei Freshfields. Auch wenn die Kanzlei Ende 2023 und Anfang 2024 ihr Energiewende-Team verstärkt hat, so sind solche Zugänge in den vergangenen Jahren an einer Hand abzuzählen. Sippels Wechsel ist deshalb auch nur ein Teil der Antwort darauf, dass die beiden erfahrenen Partner Dr. Markus Paul und Dr. Wessel Heukamp mit den beiden jüngeren Dr. Verena Nosch und Dr. Carsten Haak zur US-Konkurrentin Latham gehen werden. Die vier Partner stehen bereits nicht mehr auf der Website von Freshfields, sie sind aber auch noch nicht auf der von Latham zu finden. Beeindruckend ist deshalb, dass Freshfields innerhalb eines Monats so viele Personalien angeschoben und intern durchgesetzt hat, um insbesondere die Transaktionspraxis im Münchner Büro wieder zu stärken.
Beförderungen außer der Reihe
Dazu gehören auch drei außerplanmäßige interne Beförderungen, die zum Jahresanfang wirksam wurden – normalerweise werden Partner bei Freshfields immer zum Geschäftsjahresanfang im Mai ernannt. Nun stieg der auf Infrastruktur- und Energietransaktionen spezialisierte Hamburger Principal Associate Dr. Carsten Bork zum Partner auf und wechselt komplett nach Frankfurt. Dort soll er künftig auch eng mit dem Energiewende-Team zusammenarbeiten.
Zudem kehrt der auf den Versicherungssektor spezialisierte Counsel Dr. David Schwintowski, der zuletzt im Freshfields-Büro Singapur tätig war, als Partner nach München zurück. Schwintowski hat lange mit Heukamp für Versicherungsmandanten zusammengearbeitet, der hier neben dem Transaktionsgeschäft einen seiner Schwerpunkte hat.
Der dritte neu ernannte Partner ist der bisherige Wiener Counsel und Legal-Tech-Experte Lukas Treichl, der künftig auch mehrere Tage pro Woche in München arbeiten wird. Treichl ist gleichzeitig Co-Leiter des Freshfields Labs und dementsprechend auf Commercial-Beratung sowie Transaktionen mit Digitalisierungsbezug spezialisiert.
Erfahrene Partner übernehmen Verantwortung
Bemerkenswert ist aber auch, dass die beiden renommierten Transaktionspartner Dr. Heiner Braun und Dr. Stephan Waldhausen künftig ungefähr die Hälfte ihrer Zeit in München verbringen werden. Beide sind auf internationale Transaktionen spezialisiert und sowohl für Strategen als auch für Finanzinvestoren tätig. Braun hat zudem einen Schwerpunkt bei Deals mit regulatorischem Bezug. Er führte beispielsweise das Freshfields-Team, das den dänischen Logistikkonzern DSV beim Kauf von DB Schenker von der Deutschen Bahn beriet. Braun wechselt nun aus Frankfurt, zwischen 2007 und 2013 hatte er zudem in Schanghai und Hongkong für Freshfields gearbeitet.
Der Düsseldorfer Partner Waldhausen ist Global Co-Head der Sektorgruppe Industrials und vor allem für seine ausgezeichneten Beziehungen zu Konzernen bekannt. Zu seinen Mandanten gehören beispielsweise Siemens Energy, Porsche SE, Beiersdorf, ZF Friedrichshafen, Deutsche Telekom, E.on, Thyssenkrupp und CompuGroup. Mit dieser starken konzernrechtlichen Ausrichtung füllt er in München auch eine Lücke, die nach dem Wechsel von Dr. Kai Hasselbach zur Mandantin Hochtief entstanden war.
Bekannter Werkzeugkasten, aber viel schneller
Freshfields hat in der Vergangenheit bei wichtigen Teamabgängen mit ähnlichen Maßnahmen reagiert: So wurde etwa Waldhausen 2007 nach den Weggängen von Dr. Ralph Wollburg und Achim Kirchfeld zu Linklaters ebenfalls außerhalb des üblichen Zeitraums zum Partner ernannt. 2009 stärkte Freshfields das durch Weggänge zu Milbank und Hengeler Mueller gebeutelte Münchner Büro mit der internen Entsendung von fünf Partnern, darunter der heutige Global Managing Partner Dr. Rick van Aerssen und Dr. Matthias-Gabriel Kremer. Der nun zu Latham wechselnde Heukamp kam so ebenfalls in die bayerische Landeshauptstadt und stieg zum Partner auf. Allerdings hat Freshfields für diese Lösung damals deutlich länger gebraucht als jetzt.
Künftig arbeiten dann bei Freshfields in München 90 Berufsträger, davon sind 19 Partner. Associates, die den vier Transaktionspartnern zu Latham folgen, sind bislang keine bekannt.