Mit Dr. Markus Paul (51) aus Frankfurt und Dr. Wessel Heukamp (53) aus München verliert die PE-Praxis von Freshfields zwei ihrer stärksten und erfahrensten Partner. Paul war zudem bis vor Kurzem Managing-Partner für die kontinentaleuropäischen Freshfields-Büros.
Zudem wechseln aus der jüngeren Partnergeneration Dr. Verena Nosch (43) sowie Dr. Carsten Haak (37). Nosch war im Mai 2023 zur Partnerin ernannt worden und arbeitete in München eng mit Heukamp zusammen. Haak wiederum gehört erst seit April dieses Jahres zum Kreis der Freshfields-Partner. Bislang steht nicht fest, wann genau der Wechsel erfolgt, und ob die Partner von Associates begleitet werden.
Latham gewinnt mit Heukamp und Paul zwei Partner, die jahrelange Erfahrung bei der Beratung von Private-Equity- und anderen Finanzinvestoren sowie von Unternehmen mitbringen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf Leveraged Buy-outs und komplexen nationalen wie grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen. Zudem verfügen beide Partner über viel Management-Erfahrung. Paul, der 2008 Partner wurde, leitete von 2021 bis zu diesem Oktober die kontinentaleuropäische Freshfields-Praxis. Zuvor war er bereits sechs Jahre lang Co-Leiter der globalen Private-Equity-Praxis.
Mehr als Phantomschmerzen
Deutlich wichtiger sind aber ihre gewachsenen Beziehungen zu großen Finanzinvestoren. Paul ist unter anderem Relationship-Partner für die Private-Equity-Häuser Permira und Warburg Pincus. Auch zum Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (Adia) pflegt er gute Beziehungen. Zusammen mit Haak hatte er den Investor zuletzt etwa beim Verkauf der Ifco-Beteiligung beraten.
Heukamp ist bei Freshfields einer der Co-Heads der internationalen Business Line M&A, davor hatte er auch schon die deutsche Transaktionspraxis geleitet. Er bringt enge Beziehungen zu Cinven und EQT mit. Dabei ist er insbesondere auch für seine Expertise im Versicherungssektor angesehen. So beriet Heukamp Cinven etwa im Frühjahr beim Verkauf der Viridium Gruppe an ein Konsortium aus Allianz, BlackRock, T&D Holdings, HannoverRE und Generali. Nun verlässt er Freshfields nach über 23 Jahren, davon 17 als Partner.
„Bereits heute stehen wir an der Spitze des deutschen Marktes, und mit dieser Verstärkung setzen wir neue Maßstäbe“, sagte Oliver Felsenstein, Private-Equity-Partner in Frankfurt. „Der hervorragende Ruf und das weitreichende Netzwerk unserer neuen Partner sind die ideale Ergänzung für unsere Praxis. Sie verstärken unsere Möglichkeiten, Mandanten in ihren wichtigsten Angelegenheiten noch wirkungsvoller zu unterstützen.“
Private-Capital-Praxis deutlich geschwächt
Der Verlust vor allem von Paul und Heukamp fällt vom Gewicht her bei Freshfields in eine ähnliche Kategorie wie 2004 der Wechsel eines Münchner Teams um Dr. Norbert Rieger zu Milbank, dem Weggang von Dr. Hans-Jörg Ziegenhain 2006 zu Hengeler Mueller und dem Wechsel von Ralph Wollburg und Achim Kirchfeld zu Linklaters im Jahr 2007.
Zwar ist die M&A-Praxis mit dann insgesamt 32 Partnern, 14 Counseln, 2 of Counseln und 160 Associates immer noch sehr groß. Auf Private Equity sind davon 16 Partner, 3 Counsel und 45 Associates spezialisiert. Doch insbesondere die entstehende Lücke im Münchner Büro muss die Kanzlei nun füllen.
Latham legt noch einen oben drauf
Bei Latham treffen die vier Freshfields-Partner auf eine Riege teils junger sowie erfahrener Private-Equity-Partner, die die US-Kanzlei kontinuierlich aufgebaut hat. Zum Jahreswechsel steigt etwa Dr. Dominik Waldvogel in die Partnerschaft auf. Im Private Equity gehört Latham schon seit Langem zu den Marktführern, diese Position dürfte sie nun nur noch ausbauen, da sie Freshfields bislang als ihre Hauptwettbewerberin im deutschen Markt sah.
Vor allem geht Latham aber nun mit Wucht ein Thema an, über das im Markt seit einiger Zeit viel diskutiert wird: Der Generationswechsel an der Spitze der Private-Equity-Praxis. Die Nachfolge ihres bekanntesten Partners Felsenstein (65), Global Chair der Private Equity & Investment Funds Praxisgruppe, dürfte in den nächsten Jahren anstehen. Mit Paul kommt nun ein Large-Cap-Partner mit Management-Format, dem Marktbeobachter die Aufgabe zutrauen.