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Schulterschluss gegen die Zukunft: Wie Berufskammern Innovation verhindern

Private Equity dringt in den Beratungsmarkt vor – und die Berufskammern laufen Sturm dagegen. Doch ihr demonstrativer Schulterschluss offenbart vor allem eines: wie wenig sie ihre eigene Basis noch repräsentieren. Ein Kommentar.

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Im Dezember wurde Prof. Dr. Hartmut Schwab als Präsident der Steuerberaterkammer München wiedergewählt. Seit fast 20 Jahren regiert er im Süden. Daneben ist er Präsident der Bundessteuerberaterkammer und Vizepräsident des Verbands Freier Berufe in Bayern. Anfang Dezember verkündete seine Spitzenorganisation, die Bundessteuerberaterkammer, den sogenannten Schulterschluss der Spitzenverbände der verkammerten Berufe.

Ingenieure, Architekten, Zahnärzte und Ärzte sowie auch Anwälte schließen sich darin zusammen, um die Unabhängigkeit der freien Berufe ein für alle Mal zu sichern – per Gesetzesnovelle, durch eine Stärkung des Fremdbesitzverbots. Die Bundessteuerberaterkammer spannt damit über eine Million „freie“ Berufsträger für ihr Ziel ein, die eigene Zunft vor privaten Investoren zu schützen, obwohl sich immer mehr von ihnen PE-gestützten Plattformen wie Afileon oder Atania anschließen, um den Mandanten ein innovatives, zukunftsfähiges Beratungsangebot zu machen.

Warum tut sie das? Scheinbar ist es der Kammer nicht gelungen, ihre Landeskammerorganisationen hinter sich zu bringen und damit die Einigkeit in ihrem unmittelbaren Umfeld zu belegen, die sie spätestens seit Juni 2025 propagiert. Das Vorgehen der Bundessteuerberaterkammer muss ihr demnach als fulminantes Eingeständnis von Schwäche ausgelegt werden, ihre Basis, die Berufsträger zu repräsentieren. Mehr noch: Mit ihrem berufspolitischen Fundamentalismus schwächt sie auch die anderen Unterzeichner.

Das Land braucht neue Ideen, Kapital und vor allem auch ehrliche Diskussionen darüber, wie die Zukunft auch in den freien Berufen gestaltet werden kann. Mit ihrem Schulterschluss weisen sich die Unterzeichner nicht als Modernisierungsfreunde aus. Im Gegenteil: Sie festigen vielmehr den Eindruck, dass Modernisierung in einem ehrlichen Dialog und in offener Zusammenarbeit mit der Basis der Berufsträger vom deutschen Kammerwesen nicht zu erwarten ist. Gut möglich, dass dies auch die politische Führung des Landes mittlerweile erkennen muss.

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