Kommentar

Warum ESG Wirtschaftskanzleien ein Goldenes Zeitalter beschert

Das Kürzel ESG steht für eine gewaltige Transformation, die Verheißung auf eine bessere Welt – aber auch für Verwerfungen auf dem Weg dorthin. Für viele Disputes Praxen dürfte es nach Compliance das nächste ganz große Ding werden.

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Pessimisten, die der Menschheit die Selbstzerstörung prophezeien, erzählen gern vom Frosch im Kochtopf: Wirft man ihn in heißes Wasser, springt er heraus und rettet sich. Erhitzt man das Wasser allerdings langsam, bleibt er sitzen und stirbt. Und hockt nicht auch der Mensch tatenlos herum, während seine Umgebung immer lebensfeindlicher wird? So beliebt das Bild bei Freunden des Apokalypse-Kitsches ist: Alles daran ist falsch.

Das zeigt auch die Karriere von ESG, dem Kürzel für ökologisch und sozial nachhaltiges Unternehmenshandeln. Es steht für ein Goldenes Zeitalter der Wirtschaftsanwälte – und vor allem für die Chance auf eine bessere Welt. Klingt pathetisch? Gewiss, aber vielleicht ist das hier mal angebracht.

In den demokratischen Industrieländern entsteht ein neuer Rechtsrahmen, der die oft zerstörerisch wirkenden Kräfte des Kapitalismus in eine bessere Richtung lenkt: Wenn Investoren nicht ESG-konforme Anlagen zunehmend verschmähen, wird es für Unternehmen langfristig zum tödlichen Risiko, sich nicht in Richtung Nachhaltigkeit zu transformieren. ESG-Regeln schaffen also etwas, das viel besser wirkt als fromme Wünsche: finanzielle Anreize, das Richtige zu tun.

Es ist ein beeindruckendes Beispiel für menschlichen Erfindungsgeist – wobei übrigens aber auch der Frosch in Wahrheit selbst bei langsamer Erhitzung irgendwann aus dem Topf springt. Klar, machen wir uns nichts vor: Der Weg zur Nachhaltigkeit ist lang und beschwerlich und voller Rückschläge – zum Glück gibt es aber auch Menschen, die hauptberuflich an der Lösung der tausend rechtlichen Probleme arbeiten, die ein so großer Wurf mit sich bringt. Sie sitzen in Kanzleien, Rechtsabteilungen und Gerichtssälen. Auf sie kommt es maßgeblich an. Schon das müsste Kanzleien zu ESG-Fanclubs machen.

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