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11.08.2005

Großaufgebot: Spitzenberater tummeln sich bei ProSieben-Verkauf

Europas größter Zeitungskonzern Springer übernimmt die Mehrheit am größten deutschen TV-Konzern ProSiebenSat1. Für die spektakulärste Übernahme der deutschen Mediengeschichte wird Springer rund 4,15 Milliarden Euro aufwenden. Davon benötigt das Verlagshaus rund 2,47 Milliarden Euro für den Erwerb der Anteile der Investorengruppe German Media Partners unter Führung des US-Milliardärs Haim Saban. Eine Milliarde Euro geht an die freien Aktionäre, weitere 500 Millionen müssen für die Refinanzierung von Schulden aufgebracht werden.

Die Finanzierung der Transaktion durch Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro sowie eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,1 Milliarden Euro wird durch die federführende Deutsche Bank und die Credit Suisse First Boston bereitgestellt. Die Investmentberatung der German Media Partners, die ProSiebenSat1 erst vor zwei Jahren aus der Insolvenzmasse der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe erworben hatten, übernahm JP Morgan.

Saban wird selbst als Minderheitsaktionär in den neu strukturierten Konzern einsteigen, während die übrigen Investoren ihr Engagement beenden – mit dem dreifachen Ertrag ihres Einsatzes. Die Mehrheit an der neuen Gesellschaft, die den Namen Axel Springer behält, wird weiter Friede Springer halten. Zehn Prozent der Aktien hält Friede Springer direkt, weitere 50 Prozent plus 10 Aktien liegen bei der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik KG, an der die Hauptaktionärin 90 Prozent besitzt.

Bis zum Ende des Jahres soll die Übernahme abgeschlossen sein. Beide Unternehmen sollen anschließend verschmolzen werden. Durch den integrierten Medienkonzern, dessen Gesamtumsatz rund 4,2 Millarden Euro beträgt, wird der Verlagsgigant Springer eine Großmacht auf dem privaten deutschen Fernsehmarkt. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden sowie nach dem Rundfunkstaatsvertrag geprüft werden. (René Bender)

Berater Axel Springer Verlag
SHEARMAN & STERLING (Düsseldorf): Georg Thoma, Rainer Wilke, Dr. Hans Diekmann, Dr. Harald Selzner (alle Gesellschaftsrecht; M&A), Dr. Roger Kiem (M&A; Frankfurt), Dr. Jürgen Meyer-Lindemann (Kartellrecht), Reinhard Stockum (Steuerrecht), Dr. Andreas Diem (Banking/Finance; München); Associates: Dr. Marco Sustmann, Dr. Andreas Merkner, Dr. Judith Eisenberg (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Markus Rieder, Winfried Carli (beide M&A; München), Dr. Kirsten Sassmann (Banking/Finance; Frankfurt), Dr. Bettina Bergmann, Dr. Alix Kreutzmann (beide Kartellrecht), Martin Hunstein, Bodo Bender (beide Steuerrecht)
NÖRR STIEFENHOFER LUTZ (Berlin): Dr. Christian Pleister (Federführung), Prof. Dr. Johannes Kreile (München), Dr. Kerstin Mast (Frankfurt); Associates: Dr. Martin Diesbach, Felicitas Maunz, Dr. Timo Christian Walther (alle München) Peter Huppertz (Düsseldorf), Dr. Sebastian Wündisch (Dresden), Dr. Till Kosche (Frankfurt), Ruth Herzog, Dr. Stephanie Trinkl, Dr. Tobias Frevert – medienrechtliche Prüfung
HOGAN & HARTSON RAUE (Berlin): Dr. Eckhard Bremer (Federführung), Dr. Christoph Wünschmann; Associate: Dr. Andreas Grünwald (Kartell-/Medienkonzentrationsrecht)
INHOUSE (Berlin): Dr. Andrea Partikel (Federführung), Dr. Roland Pühler, Dr. Jörg Schweikhart (Due-Diligence) – beide aus dem Markt bekannt

Berater Friede Springer/Axel Springer Gesellschaft für Publizistik
WILMER CUTLER PICKERING HALE AND DORR (Berlin): Alexander Kollmorgen (Corporate; Steuerrecht); Senior Counsel: Dr. Karlheinz Quack (Corporate; Kartell/Medienrecht); Associates: Dr. Oliver Bugge (Steuerrecht), Dr. Jörg Karenfort (Kartell/Medienrecht), Dr. Matthias Santelmann (Corporate, Steuerrecht)

Berater Deutsche Bank, Credit Suisse First Boston
HENGELER MUELLER (Frankfurt): Dr. Thomas Cron, Dr.Wolfgang Groß, Dr. Hendrik Haag; Associates: Peter Dampf (Counsel), Matthias Budde, Stefan Henkelmann, Dr. Rudolf Rayle, Dr. Dirk Uwer
INHOUSE – Deutsche Bank (Frankfurt, Luxemburg): Keine Nennungen
INHOUSE – Credit Suisse First Boston (Frankfurt): Jörg Krause, Andrew Brooke, Michal Hlasek (beide London) – aus dem Markt bekannt

Berater German Media Partners (Acht Investoren, u.a. Saban Capital Group, Hellman & Friedman)
HOGAN & HARTSON RAUE (Berlin): Dr. Christoph Wagner (Federführung; Corporate, Medienrecht), Dr. Andreas Nelle (Bankaufsichtsrecht); Associate: Jörg Meissner (Corporate, Kapitalmarktrecht), Dr. Wolfgang Kircher (Due-Diligence; München)
WEIL GOTSHAL & MANGES (München): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Stephan Grauke, Tobias Geerling, Jürgen Börst, Britta Gruke, James Westra, Joseph Newberg (beide Boston); Associates: Dr. Thomas Schmid, Dr. Uwe Bohnet, Dr. Cristian Tappeiner, Dr. Guido Ruegenberg, André Suttorp, Roland Ismer

Berater JP Morgan
INHOUSE (Frankfurt): Christian Stroop (M&A); Harry Hampson (London; Medien) – aus dem Markt bekannt

Berater Saban Capital Group
LATHAM & WATKINS (Hamburg): Dr. Joachim von Falkenhausen (Federführung; Corporate) James Beaubien (Federführung; Corporate; Los Angeles), Dr. Götz Wiese (Steuern);
Scott Klein (Corporate), Larry Stein (Steuern; beide Los Angeles); Associates: Henning von Klitzing, Tobias Klass, Nina Jenke

Berater Hellman & Friedman
@KIRKLAND & ELLIS (München): Volker Kullmann (Corporate/Private Equity; Federführung); Associates: Dr. Christian Zuleger, Dr. Jörn Schnigula (Corporate/Private Equity)
CLIFFORD CHANCE (München): Andreas Peter (Federführung); Associates: Dr. Bernd Spieth, Gerhard Köglmeier

Berater ProSiebenSat1
MILBANK TWEED HADLEY & MCCLOY (München): Dr. Norbert Rieger (Federführung; Corporate); Douglas Tanner (New York; US Securities Laws), Tom Siebens (London; US Securities Laws); Associates: Dr. Ulrike Dormann (Corporate), Dr. Christoph Rothenfußer, Dr. Martin Erhardt, Kerstin Grupp (alle Corporate), Dr. Thomas Kleinheisterkamp (Steuern)

Die Shearman-Partner Georg Thoma und Rainer Wilke beraten Springer seit 2002. Seinerzeit hatte der Großverlag eine Verkaufsoption für seinen Anteil an ProSiebenSat1 von 11,5 Prozent gezogen. KirchMedia hätte danach das Paket für 770 Millionen Euro zurückerwerben müssen, was jedoch nicht geschah und als einer der Gründe für die spätere Insolvenz der Kirch-Gruppe gilt. Seither besteht eine stabile Mandatsbeziehung zwischen dem Verlagshaus und Shearman.

Allerdings erfolgte die kartellrechtliche Beratung dem Vernehmen nach diesmal nicht durch Shearman, sondern durch Hogan & Hartson. Die Kanzlei, die auch die bisherigen Gesellschafter von ProSiebenSat1 betreut, wurde nach Abstimmung mit diesen gleichzeitig für den Erwerber tätig.

Wie Hogan & Hartson offenbart auch Nörr bei dem jetzigen Deal eine neue Seite. Die ehemalige Hauskanzlei von KirchMedia und ProSiebenSat1 wurde das erste Mal in einem größeren Mandat für Springer tätig: Die Kanzlei übernahm nach Abstimmung mit ProSiebenSat1 die medienrechtliche Beratung des Zeitungskonzerns. Die Mandatierung durch Springer kam dem Vernehmen nach auf Empfehlung von Shearman zustande.

Mit der Beratung von Springer führt Nörr ihre Weiterentwicklung der vergangenen beiden Jahre konsequent fort. War die Medienpraxis von Nörr in der Vergangenheit vor allem für die umfangreiche Beratung der Kirch-Gruppe bekannt, wurde sie zuletzt auch schon vom Kirch-Erzrivalen RTL mandatiert.

Altbewährt ist die Mandatsbeziehung von Karlheinz Quack zum Hause Springer. In eigener Kanzlei beriet der heutige Senior Counsel von Wilmer Cutler den Verlagsgründer Axel Cäsar Springer langjährig bis zu dessen Tod 1985 und auch zu seiner Witwe und der Springer Gesellschaft für Publizistik besteht eine dauerhafte Mandatsbeziehung. In der Vergangenheit mandatierte Friede Springer allerdings auch schon Dr. Gerold Bezzenberger, so etwa bei der Auseinandersetzung mit Kirch um die die Verkaufsoption von Springer an ProSiebenSat1.

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