Mit der Übernahme versucht Media-Saturn stärker im internetbasierten Geschäft Fuß zu fassen. Bisher hatte sich die Unternehmensgruppe auf das sogenannte Multi-Channel-Modell beschränkt und auch Online-Bestellungen stets über das bestehende Filialnetz abgewickelt. Der 2003 von dem ehemaligen Media-Markt-Manager Reiner Heckel gegründete Versandhändler Redcoon hingegen arbeitet als sogenannter Pure Player ohne Beratung oder eigenen Kundendienst. Dieses Geschäftsmodell soll der Onlinehändler künftig auch als Media-Saturn-Tochter eigenständig weiterführen. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.
Redcoon besetzt im Onlinegeschäft mit Elektroartikeln in Europa derzeit den vierten Platz hinter Amazon, Ebay und Otto. Seit 2005 legte der Jahresumsatz kontinuierlich von knapp 100 auf 354 Millionen zu. Das Geschäftsvolumen von Media-Saturn betrug 2010 rund 20,8 Milliarden Euro.
Berater Media-Saturn
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Christoph Holstein (Federführung; M&A), Marc Holtorf (IP/IT), Dr. Marc Scheunemann (Steuerrecht), Marc Besen (Kartellrecht), Thomas Hey (Arbeitsrecht), Jan Möller; Associates: Jan Gudlick (beide M&A), Anne Haas, Dr. Heike Freund (beide IP/IT), Dr. Ulrich Flege (Real Estate), Dr. Dimitri Slobodenjuk (Kartellrecht), Editha Beitze, Tobias Ozimek (beide Arbeitsrecht)
Inhouse (Ingolstadt): keine Nennungen – aus dem Markt bekannt
Berater Redcoon
Cornea Franz (Würzburg): René Cornea (Federführung), Christian Semmler (beide Corporate), Uwe Franz (Steuerrecht), Christoph Graeber (IP/IT), Marije van der Tol (Arbeitsrecht)
Hintergrund: Auf Seiten von Media-Saturn war Clifford bisher kaum aktiv. In E-Commerce-Fragen lässt sich die Elektronikholding üblicherweise von Luther beraten. Allerdings unterhält Clifford seit Jahren enge Beziehungen zum Handelskonzern Metro, der die Mehrheit an Media-Saturn hält. Für Metro trat Clifford in den letzten Jahren etwa beim Börsengang der Baumarkttochter Praktiker, beim Verkauf mehrerer Warenhausimmobilien an einen israelischen Investor (mehr…) und bei der Übernahme des Russlandgeschäfts von Marktkauf (mehr…) auf. Der ehemalige Metro-Chefjurist Rolf Giebeler war bis 2005 Partner bei Clifford. Er hatte den Handelskonzern Ende 2010 verlassen (mehr…).
Daneben setzte Metro in der Vergangenheit immer wieder auch auf Hengeler Mueller, die unter anderem die Übernahme des Deutschland-Geschäfts von Wal-Mart begleitete (mehr…). Dass Hengeler bei der Redcoon-Transaktion nicht zum Zuge kam, dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass die Kanzlei Metro derzeit im Streit gegen Media-Saturn-Gründer und -Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals vertritt (mehr…). 2008 war beim Verkauf der Supermarktkette Extra an Rewe erstmals auch Linklaters an der Seite von Metro aufgetreten (mehr…).
Cornea Franz mit Stammsitz in Würzburg trat bisher kaum bei großen Transaktionen in Erscheinung, verfügt aber gerade in der Onlinehandelsbranche über gute Verbindungen zu einer ganzen Reihe namhafter Mandanten. Redcoon lässt sich seit der Unternehmensgründung 2003 auch bei internationalen Themen regelmäßig von der Kanzlei beraten.