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19.06.2012

Abgeblasen: Evonik entscheidet sich mit Sullivan & Cromwell gegen Börsengang

Es sollte der erste milliardenschwere IPO in Deutschland seit Jahren werden. Doch nun hat der Chemiekonzern Evonik seinen Börsengang abgesagt.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Das Unternehmen und die beiden Aktionäre RAG-Stiftung sowie CVC Capital Partners haben die Börsengang-Pläne verworfen. Grund sei die hohe Unsicherheit der Märkte, insbesondere bei der Frage nach der Entwicklung der Eurozone. Dadurch sei aus ihrer Sicht der erzielbare Preis zu weit von einer angemessenen Bewertung von Evonik entfernt.

Die Stiftung hatte für den Börsengang eine Mindestbewertung von 15 Milliarden Euro angepeilt, so das ‚Handelsblatt‘. Dies entspricht ungefähr Evoniks Umsatz, der sich 2011 auf 14,5 Milliarden Euro belief.

Die Börsenpläne waren zunächst im Herbst letzten Jahres aufgrund der Marktentwicklung ausgesetzt worden. Ende März griffen die Eigentümer die Überlegungen wieder auf. Motiviert hatten sie der positive Geschäftsausblick und die Entwicklung der Kapitalmärkte im ersten Quartal. Deutsche Bank und Goldman Sachs übernahmen die Funktion der Globalen Koordinatoren und Joint Bookrunner. Bank of America Merrill Lynch, Credit Suisse und JPMorgan waren als weitere Joint Bookrunner mandatiert.

Die Idee des Börsengangs gab es bereits 2008. Damals lief ein sogenanntes Dual-Track-Verfahren. Damit wurde geprüft, ob ein Anteilsverkauf oder ein Börsengang in Frage kommt. Es folgte ein Anteilsverkauf an CVC, wodurch die Stiftung einen Mitgesellschafter erhielt.

Laut Marktinformationen spielten die Aktionäre im Vergleich zum ersten Börsengangversuch nun eine größere Rolle als Evonik selbst. Grund dafür ist demnach das sogenannte Telekom-III-Urteil, bei dem die Deutsche Telekom Schadensersatz von der KfW wegen eines missglückten Börsenstarts erhielt (mehr…).

Einen künftigen Börsengang schloss die Stiftung allerdings nicht kategorisch aus. Bedingung sei, dass die Lage auf den Finanzmärkten einen angemessenen Erlös ermöglicht. Die Stiftung hat den Auftrag, einen Kapitalstock aufzubauen zur Finanzierung der sogenannten Ewigkeitslasten aus dem Bergbau.

Berater Evonik
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Carsten Berrar, Dr. Wolfgang Feuring, David Rockwell (London) – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy (Mannheim): Hans-Christoph Ihrig, Oliver Seiler; Associate: André Wandt – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Essen): Dr. Ludger Diestelmeier, Norbert Schellen, Matthias Wegener – aus dem Markt bekannt

Berater RAG-Stiftung
Shearman & Sterling (Düsseldorf): Dr. Hans Diekmann – aus dem Markt bekannt

Berater CVC
Freshfields Bruckhaus Deringer (Köln): Dr. Oliver von Rosenberg, Dr. Rick van Aerssen (Frankfurt); Associate: Dr. Martin Kleppe – aus dem Markt bekannt

Berater Banken
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (Frankfurt): Gabriele Apfelbacher, Thomas Kopp – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Deutsche Bank; Frankfurt): Dr. Andreas Meyer – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Credit Suisse; Frankfurt): Dr. Ann-Katrin Wilczek – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Beim Verkauf der CVC-Anteile hatte Clifford Chance Evonik begleitet (mehr…). Die Kanzlei arbeitete auch im Rahmen des Dual-Track-Verfahrens am Evonik-Börsengang. Laut Marktinformationen schrieb Evonik das Mandat nach dem Anteilsverkauf an CVC neu aus. Den Pitch gewann  Sullivan.

Soweit bekannt beriet Sullivan konkret zum IPO und Allen & Overy zum Gesellschaftsrecht sowie zur Corporate Governance. Demnach wurde Allen & Overy, die regelmäßig für den Essener Chemiekonzern tätig ist, im Februar 2011 in die Börsengang-Pläne eingebunden.

Sullivan arbeitete laut Marktinformationen zudem im damaligen Dual-Track-Verfahren für die Konsortialbanken, die einen möglichen Börsengang begleiten wollten. Die US-Kanzlei war zudem 2011 bei einer großen Transaktion auf der Gegenseite von Evonik zu sehen. Damals verkaufte das Unternehmen sein Industrieruße-Geschäft für fast eine Milliarde Euro an Rhone-Capital, die auf Sullivan vertraute (mehr…).

Aufseiten der Stiftung und CVC gibt es keine Überraschungen. Shearman beziehungsweise Freshfields berieten ihre Mandantinnen bereits beim Deal um die Evonik-Anteile. (Parissa Kerkhoff)

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