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SBS verhandelt Sanierungstarifvertrag, Freshfields begleitet Hauptversammlung

Autor/en
  • Catrin Behlau

Die Sanierung der strauchelnden Baumarktkette Praktiker schreitet voran. Als Teil der Sanierung wurde zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Unternehmen ein Sanierungstarifvertrag geschlossen. Kurz darauf konnte auf der Hauptversammlung die Insolvenz abgewendet werden.

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Christoph Seibt
Christoph Seibt

Der Sanierungstarifvertrag sieht vor, dass rund 11.000 Mitarbeiter weitgehende Zugeständnisse machen. So ist von durchschnittlich rund 4.800 Euro pro Person die Rede, die durch den Verzicht auf Weihnachtsgeld, Prämien sowie die Kürzung der Vermögenswirksamen Leistungen und der tariflichen Altersvorsorge eingespart werden. Für die nächsten drei Jahre erhofft sich Praktiker so Einsparungen in Höhe von über 17 Millionen Euro jährlich. Im Gegenzug gibt es eine Beschäftigungsgarantie bis 2014. Ausgenommen von der Einigung sind jedoch Arbeitsplätze, die wegfallen. Denn weiterhin ist geplant, 24 Praktiker-Märkte zu schließen.

Erst kurz vor der Hauptversammlung kam in den arbeitsrechtlichen Verhandlungen der Durchbruch. Auf der Hauptversammlung selbst ging es vornehmlich um eine umstrittene Kapitalerhöhung. Zwei Aufsichtsräte gaben ihr Mandat zurück und wurden durch Vertreter der Investoren Semper Constantia Privatbank und Maseltov-Fonds ersetzt, die zusammen 15 Prozent der Anteile halten. Im Gegenzug stimmten sie der Kapitalerhöhung zu. Die umstrittene Vereinbarung mit Anchorage sieht vor, dass der Investor für den 85-Millionen-Euro-Kredit die gesunde Praktiker-Tochter Max Bahr als Pfand bekommt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden bei der Hauptversammlung nicht entlastet.

Schon im Vorfeld der Hauptversammlung hatte der Maseltov-Fonds versucht, die Abwahl mehrerer Aufsichtsratsmitglieder sowie die Neuwahl des Aufsichtsrats zu erreichen. Er scheiterte dabei aber an einem aktienrechtlichen Formfehler. 

Im Mai hat der Aufsichtsrat seinen Segen zum Finanzierungskonzept gegeben, das Anchorages Kredit vorsieht. Allerdings will Semper ein anderes Finanzierungskonzept durchsetzen. Maßgeblicher Teil ihres Plans ist ein Engagement der Investmentgesellschaft Goldsmith Capital Partners, die Praktiker eine Finanzspritze von 30 Millionen Euro gibt. Der Aufsichtsrat soll den Vorstoß abgelehnt haben.

Berater Praktiker
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt (Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Christian Reichmuth (Konfliktlösung); Associates: Dr. Gunnar Isenberg (Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Dr. Christopher Luhn (Konfliktlösung)
Schlütter Bornheim Seitz
(Köln): Dr. Marc Werner (Federführung), Dr. Stefan Seitz (Sanierungstarifvertrag), Dr. Thomas Kania, Stefan von Broich (beide Sozialplanverhandlungen)

Berater Arbeitnehmer
Ewald Brodersen Gussone Lewek (Hamburg): Uwe Ewald – aus dem Markt bekannt
Schütte & Kollegen (Wiesbaden): Reinhard Schütte – aus dem Markt bekannt

Berater Semper Constantia Privatbank/Isabella de Krassny (Fondsmanagerin von Semper und Maseltov)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Prof. Dr. Stefan Simon – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Kölner Arbeitsrechtspraxis von SBS kam soweit bekannt über eine Empfehlung ins Mandat. Zuvor soll die Inhouse-Abteilung viel selbst gestemmt haben, in Einzelfällen hat das Unternehmen in der Vergangenheit nach JUVE-Informationen auch Beiten Burkhardt zu Rate gezogen. Der Hamburger Anwalt Ewald kam über seine langjährige Beratung der Max Bahr-Arbeitnehmervertreter ins Mandat. Er soll federführend den Sanierungstarifvertrag verhandelt haben, während sich sein Wiesbadener Kollege Schütte vor allem mit dem Sozialplan auseinander gesetzt hat.

Freshfields berät schon lange zur Praktiker-Rettung. Sie stand dem Unternehmen auch zur Seite, als es das Finanzierungskonzept mit Anchorage vereinbarte (mehr…). Im Zusammenhang mit dem alternativen Finanzierungskonzept ist das Frankfurter K&L Gates-Büro für Goldsmith tätig. Das Mandat führen der Partner Andreas Füchsel (Gesellschafts- und Transaktionsrecht) sowie der Counsel Dr. Bastian Bongertz (Bank- und Finanzrecht). Laut Marktinformationen vertraut die Privatbank Semper dabei auf die Gesellschaftsrechtler Michael Kohl und Arnold Büssemaker aus dem Frankfurter beziehungsweise Münchner Büro von Weil Gotshal & Manges.

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