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03.08.2015

Auto der Zukunft: BMW, Audi und Daimler kaufen mit Clifford Nokia-Kartendienst

Die Autobauer Audi, BMW und Daimler haben zu gleichen Teilen den Kartendienst Here des finnischen Konzerns Nokia übernommen. Nokia beziffert den Wert des Deals auf 2,8 Milliarden Euro. 

Nicole Englisch

Nicole Englisch

Here war aus dem Navigationsanbieter Navteq hervorgegangen, den Nokia 2008 für rund 8 Milliarden Euro übernommen hatte, und wird mittlerweile in vier von fünf Autos genutzt. Die Nokia-Tochter beschäftigt 6.400 Mitarbeiter. Ihr Dienst soll weiter allen anderen Kunden der Autoindustrie und anderen Branchen zugänglich sein.

Audi, BMW und Daimler hatten sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um zu verhindern, dass die Here-Technologie in die Hände von Konkurrenten wie Google oder anderen Internetkonzernen gerät: Sie gilt als Schlüssel für Navigation, Assistenzsysteme und autonomes Fahren, das in Zukunft Realität werden soll. Der Here-Hauptkonkurrent ist Tom-Tom aus den Niederlanden.

Zu den Kunden, die ebenfalls Here nutzen, zählen andere Autobauer wie Toyota, General Motors oder Fiat Chrysler. Nokia erhält laut eigenen Angaben aus dem Verkauf 2,5 Milliarden Euro. Zusätzlich übernimmt das Autobauer-Konsortium Verbindlichkeiten von rund 300 Millionen Euro. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen, der Abschluss wird im ersten Quartal 2016 erwartet.

Berater Konsortium Audi, BMW, Daimler
Clifford Chance (München): Dr. Nicole Englisch (Federführung; M&A), Dr. Joachim Schütze (Kartellrecht; Düsseldorf), Barbara Mayer-Trautmann (Finanzierung),  Jan Wrede (Corporate) – aus dem Markt bekannt
Hogan Lovells: Dr. Steffen Steininger, Dr. Stefan Schuppert (beide IP; beide München), Dr. Dietmar Helms (Bank- und Kapitalmarktrecht; Frankfurt), William Curtin (M&A), Audrey Reed (IP; beide Washington)
Inhouse Recht: Keine Nennungen

Berater Nokia
Shearman & Sterling: Scott Petepiece, George Casey (beide Federführung; M&A; New York), Andreas Löhdefink (M&A; Frankfurt), Doreen Lilienfeld (Arbeitsrecht; New York), Larry Crouch (Menlo Park), Ethan Harris (Washington; beide Steuern), Jessica Delbaum (Kartellrecht; New York), Geert Goeteyn (Kartellrecht; Brüssel), Richard Hsu (IP; Menlo Park, Mathias Stöcker (Kartellrecht; Frankfurt), Robert LaRussa (Handelsrecht; Washington); Associates: Richard Fischetti, Robert Bucella (beide New York; beide M&A), Zach Bench (Corporate), Stephanie Monastra, Kelly Hamren-Anderson (Arbeitsrecht), Joshua Steinberger (IP), Timothy Haney (Kartellrecht; alle New York)

Berater Banken
Linklaters (Frankfurt): Marc Trinkaus (Federführung), Dr. Carl-Peter Feick; Associates: Carsten Rauch, Dr. Angela Kerek (alle Bankrecht)

Hintergrund: Die rechtliche Begleitung der Autobauer begann nach JUVE-Recherchen mit einem Mandat für Hogan Lovells, die über den Washingtoner M&A-Partner Bill Curtin über langjährige Kontakte zu Daimler verfügt. Bei dem Deal übernahm Hogan Lovells zudem mit einem amerikanisch-deutschen Team für das Konsortium die Aspekte Due Diligence, IP, IT, Datenschutz und Arbeitsrecht.

Das Konsortium holte zudem Clifford ins Boot, weil die Autobauer einen “unbeteiligten Dritten” an ihrer Seite haben wollten. Die üblichen langjährigen Berater wie Norton Rose schieden somit aus, Englisch bekam den Zuschlag und beriet mit ihrem Team auf deutscher Seite zu M&A, Kartellrecht, Finanzierung und gesellschaftsrechtlich. Die Münchener Clifford-Partnerin war zwar früher vereinzelt für Audi tätig, ist den Autobauern aber vor allem von der Gegenseite bekannt, so beispielsweise, als sie aufseiten des Wiesbadener Carbonspezialisten SGL Group beriet, der 2009 ein Joint Venture mit BMW zur Produktion von Carbonfasern gründete oder bei der Beratung des Investors KKR, der 2003 die Daimler-Tochter MTU aus München kaufte.

Die Mandatierung von Shearman & Sterling aufseiten Nokias ist keine Überraschung. Ein Team unter Beteiligung der Partner Petepiece aus New York und Löhdefink aus Frankfurt berieten die Finnen beispielsweise bei Gründung des Joint Ventures Nokia Siemens Network, aus dem Siemens, ebenfalls mit Shearman an Nokias Seite, 2013 wieder ausstieg.

Nach JUVE-Recherchen gab es eine hohe Beteiligung von Inhouse-Juristen, die Teams seitens der Autobauer sind bislang allerdings nicht bekannt. (Eva Lienemann)

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