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26.07.2017

Toshiba-Tochter: Landis+Gyr legt Milliarden-IPO mit Niederer Kraft & Frey hin

Der Messtechnikhersteller Landis+Gyr ist an die Schweizer Börse gegangen. Mit einem Erlös von 2,3 Milliarden Schweizer Franken war es einer der größten IPOs bislang in der Schweiz. Die bisherigen Landis+Gyr-Eigner – der japanische Konzern Toshiba und der Investmentfonds Innovation Network Corporation of Japan – platzierten sämtliche Anteile an ihrem Tochterunternehmen. Eine solche Vollplatzierung ist ein ungewöhnlicher Schritt.

Philippe Weber

Philippe Weber

Den Börsengang von Landis+Gyr hatten die UBS und Morgan Stanley koordiniert. Credit Suisse, JPMorgan, die Bank Vontobel und die japanische Investmentbank Mizuho unterstützen die Emmission. Der Ausgabepreis für die Landis+Gyr-Aktien lag bei 78 Schweizer Franken und damit im oberen Bereich der vorab kommunizierten Preisspanne von 70 bis 82 Franken. Die rund 29,5 Millionen Anteilsscheine, die ausgegeben wurden, waren mehrfach überzeichnet. Unter den Abnehmern waren laut Presseaussendung Family Offices und Investoren, mehr als 100.000 Anteilsscheine erwarben der Vorstand und weitere Senior Manager des Unternehmens.

Landis+Gyr, die 1896  mit der Produktion von Stromzählern begann, hat schon mehrere Besitzerwechsel gesehen. 1995 von der Beteiligungsgesellschaft Elektrowatt übernommen, gehörte das Zuger Unternehmen zeitweilig auch mal zum Siemens-Konzern. Dieser hatte es jedoch 2002 an den US-Investor Kohlberg Kravis Roberts KKR veräußert. Zuletzt gehörte Landis+Gyr seit 2011 zu 60 Prozent Toshiba, 40 Prozent der Anteile übernahm seinerzeit der Investmentfonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ). Beide schlugen nun mit dem IPO ihre Anteile vollständig los.

Das Schweizer Unternehmen mit Haupsitz in Zug, das zuletzt rund 1,7 Milliarden US Dollar Umsatz auswies, beschäftigt aktuell rund 6.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.

Krystian Czerniecki

Krystian Czerniecki

Der Schweizer Kapitalmarkt hat in diesem Jahr schon einige bemerkenswerte Börsengänge gesehen. Neben dem Apothekenbetreiber Galenica Sante und der Versandapotheke Zur Rose ging jüngst auch die Forschungsfirma Idorsia aufs Parkett, die aus dem Pharmakonzern Actelion abgespalten wurde.

Berater Landis+Gyr, Toshiba und INCJ
Niederer Kraft & Frey (Zürich): Dr. Philippe Weber, Thomas Brönnimann (beide Kapitalmarktrecht/Corporate), Andreas Casutt (Corporate), Markus Kronauer (Steuern); Associates: Christina Del Vecchio, Roman Sturzenegger, Deirdre Ni Annrachain, Samuel Hochstrasser, Elena Rodriguez, Marco Gagliardi
Morrison & Foerster (London): Stanley Yukevich (Tokio),  Andrew Boyd (beide Corporate), Scott Ashton  (Kapitalmarkrecht; beide London; alle  Federführung), Dirk Besse (Berlin), Gary Brown (London; beide Corporate), Rony Gerrits (Kartellrecht; Brüssel), Masato Hayakawa (M&A), Kenji Hosokawa (Corporate; beide  Tokyo), Alistair Maughan (M&A), Trevor James (Steuern; beide London), Anna Pinedo (Capital Markets, New York)  Bernie Pistillo (Steuern; San Francisco); Mitsutoshi Uchida (Corporate; Tokyo)
Inhouse Recht (Alpharetta; USA): Charles Pellissier (Group General Counsel) − aus dem Markt bekannt

Berater Banken
Bär & Karrer (Zürich): Thomas Reutter (Kapitalmarktrecht; Federführung), Susanne Schreiber (Steuern); Associates: Annette Weber, Daniel Raun, Adam El-Hakim (alle Kapitalmarktrecht), Andrea Steffen (Steuern)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Krystian Czerniecki (Federführung), Dr. Carsten Berrar, Sophie Moeder; Associate: Alexander Koch (alle Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (UBS; Zürich): Dr. Sebastian Harsch (Head Investment Banking Legal) − aus dem Markt bekannt

Thomas Reutter

Thomas Reutter

Hintergrund: Niederer Kraft & Frey, deren Partner Haas und von Salis im Juni auch die Actelion-Abstaltung Idorsia an die Börse brachten, kam auch hier für die Emittentin zum Einsatz. Das Team rund um Managing-Partner Weber beriet neben Landis+Gyr auch die Großaktionäre Toshiba Corporation und INCJ. Morrison & Foerster hingegen deckte die internationalen Aspekte der Emission ab.

Sullivan gewann das Bankenmandat über die Kontakte von Partner Berrar zur UBS und deren Inhousejuristen Harsch und Thorsten Pauli, Leiter Equity Capital Markets Schweiz. Mit beiden hat Sullivan schon in der Vergangenheit häufiger gearbeitet.

Sullivans Zusammenarbeit mit Bär & Karrer ist eingespielt – so hatten sie beispielsweise gemeinsam das Schweizer Unternehmen ACE Limited unterstützt, als jenes in den USA The Chubb Corporation zukaufte. Das Schweizer Team um Kapitalmarktpartner Reutter hatte in diesem Jahr auch den 1,9 Milliarden schweren IPO von Galenica Santé aufseiten der Banken begleitet und vor Kurzem die mehr als zwei Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung bei Lonza beraten, die für den Ankauf des US-Unternehmens Capsugel notwendig wurde. (Sonja Behrens)

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