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13.09.2021

Robotik-Unicorn: Arqis-Mandantin Agile Robots erhält 220 Millionen US-Dollar von Investoren

Agile Robots hat 220 Millionen US-Dollar an Investorengeld eingesammelt. Das Münchner High-Tech-Unternehmen zählt damit zu den Unicorns – also den jungen Unternehmen, die mit mehr als eine Milliarde Euro bewertet werden –, und traf damit erste IPO-Vorbereitungen. Angeführt wurde die Series-C-Finanzierungsrunde vom Softbank Vision Fund 2, der hierzulande auch schon in das E-Scooter-Start-up Tier investierte.

Christoph von Einem

Christoph von Einem

Agile Robots ist ein Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Das 2018 gegründete Unternehmen verbindet Robotiktechnologie mit künstlicher Intelligenz, um hochsensible Roboter zu entwickeln: Die sollen sich selbst lernend durch die Welt bewegen können. Gut 370 Mitarbeiter zählt das Unternehmen mittlerweile, wovon Zweidrittel in China arbeiten. Laut Presseberichten arbeitet BMW in China schon mit Prototypen des Unternehmens.

Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde angeführt vom Softbank Vision Fund 2, der zu dem japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank zählt und inzwischen rund 30 Milliarden US Dollar schwer ist. Aufgrund der hohen Nachfrage kam es nach JUVE-Informationen zu einem sogenannten Secondary Direct Deal, bei dem Altgesellschafter aus früheren Finanzierungsrunden direkt Anteile an Dritte verkauften.

Da Anteilsübertragungen in der Regel nur mit Zustimmung der anderen Gesellschafter erfolgen können, war auch dazu noch Abstimmungsarbeit zu leisten und eine Umwandlung der Aktien in Series-C-Vorzugsaktien notwendig. Agile Robots strebt laut Presseberichten in nicht allzu ferner Zukunft einen Börsengang an, daher prüften die Investoren im Due-Diligence-Prozess auch die komplexe Firmenstruktur, inklusive der Töchterfirmen in China.

An einer achtstelligen Series-A-Finanzierungsrunde im vergangenen Mai beteiligten sich seinerzeit unter anderem GL Ventures, hinter dem das asiatische Investmenthaus Hillhouse Capital steht, die kalifornische VC-Firma Sequoia Capital und die ebenfalls chinesische Frühphaseninvestorin Linear Venture.

Bei der Series-B-Runde kamen laut Marktangaben chinesische Strategen und Finanzinstitute hinzu, darunter Midas, die Mehrheitsaktionärin von Kuka, der Tiermittelhersteller New Hope Group, die China Merchants Bank sowie die traditionsreiche Bank of Communications. 

Markus Krüger

Markus Krüger

Berater Softbank Vision Fund 2
Latham & Watkins (Frankfurt): Markus Krüger (Corporate) – aus dem Markt bekannt 
Fangda (Peking) – aus dem Markt bekannt

Berater Hillhouse Group 
Ypog (Berlin): Dr. Tim Schlösser (Private Equity), Dr. Benjamin Ullrich; Associate: Dr. Karen Frehmel-Kück (beide Venture Capital/Corporate) – aus dem Markt bekannt
Held Jaguttis (Köln): Dr. Simeon Held, Dr. Malte Jaguttis (beide Öffentliches Recht)

Berater Sequoia Capital China
Morgan Lewis & Bockius: Benjamin Luo, Ning Zhang (beide Peking), Dr. Ulrich Korth; Associate: Dr. Karsten Emmermann (beide Frankfurt; alle Corporate/M&A)

Berater Xiaomi Group
Inhouse Recht (Peking): William Lu  – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Hartmut Krause (Corporate/M&A), Dr. Udo Olgemöller (Öffentliches Recht), Alexander Wüpper; Associate: Lipei Shi (Peking; beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Linear Capital
Inhouse Recht (Schanghai): Grace Zou – aus dem Markt bekannt

Berater Agile Robots
Arqis (München): Prof. Dr. Christoph von Einem, Dr. Mauritz von Einem (beide Federführung; beide Venture Capital), Marcus Nothhelfer (IP/IT), Dr. Christof Alexander Schneider (Gesellschaftsrecht; Düsseldorf); Associates: Benjamin Bandur, Louisa Theresa Graf, Anselm Graf (alle Venture Capital), Nora Meyer-Stratmann (IP/IT) 

Hintergrund: So schnell wie die Finanzierungsrunden aufeinander folgten, so zügig wurde auch diese abgeschlossen. Zwischen Term Sheet und Signing sollen gerade mal sechs Wochen gelegen haben.

Tim Schlösser

Tim Schlösser

Der erfahrene VC-Experte Christoph von Einem berät das Unternehmen aufgrund eines persönlichen Kontaktes seit der Gründung im März 2018. Ab der Series-A-Finanzierungsrunde teilte er sich die Federführung mit seinem Sohn Mauritz. Der junge Rechtsanwalt und Steuerberater gehört seit Anfang 2020 zur Partnerriege von Arqis und kümmerte sich auch um die Strukturierung der Transaktionen. Sein Vater, der früher bei White & Case den China Desk leitete und daher mit den Gepflogenheiten und Regulierungsauflagen der chinesischen Investorenriege vertraut ist, amtiert bei dem Start-up auch als Aufsichtsratsvorsitzender.

Arqis koordiniert, zusammen mit ihrem Büro in Tokio, auch die weltweite IP-Strategie für Agile Robots und entwickelte mit den Verantwortlichen Incentive-Programme für die chinesischen und deutschen Mitarbeiter. Für patentrechtliche Spezialfragen wird regelmäßig Wolfgang Keilitz aus der bayerischen Boutique Patworx eingebunden.

Ulrich Korth

Ulrich Korth

Für den japanischen Tech-Investor Softbank kam nach JUVE-Recherchen Latham mit dem Frankfurter Transaktionsanwalt Krüger zum Zug. Die US-Kanzlei wurde hierzulande noch nicht an der Seite von Softbank gesehen. Morrison & Foerster hatte den Tech-Investor und seinen zweiten Vision-Fonds jüngst bei seiner Mehrheitsbeteilung an dem Berliner Logistik-Unternehmen Forto beraten.

Die Berliner Sozietät Ypog (früher: SMP) ist für ihr breites Netzwerk an VC-Kontakten bekannt. Dass sie laut Marktinformationen den chinesischen Investor Hillhouse Capital beriet, ist trotzdem überraschend, da die Mandantin in den vergangenen Jahren meist mit Baker McKenzie-Partner Dr. Thomas Gilles in Verbindung gebracht worden war, der sie bei zahlreichen Investments im Lifescience- und Futtermittelbereich unterstützte.

Das Ypog-Team hält- wie hier – regelmäßig mit der Kölner Boutique Held Jaguttis Rücksprache bei Fragen im öffentlichen Wirtschaftsrecht.

Sequoia Capital China arbeitet schon länger mit Morgan Lewis zusammen und über das Pekinger Büro kam auch das Frankfurter Team um Korth für die hiesigen Finanzierungsrunden ins Spiel.

Weitere Investoren, darunter Chimera Investments, Linear Capital, das Family Office hinter Foxconn und der Smartphone-Hersteller Xiaomi, setzten dem Vernehmen nach auf ihre Inhouse-Juristen oder Finanzmanager.

Die laufende steuerliche Beratung von Agile Robots erledigt laut Marktinformationen Gehling & Partner. Als ständige Notare des Unternehmens amtieren Schwervier + Schwarz aus München. Dr. Henning Schwarz protokolliert auch regelmäßig die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. (Sonja Behrens)

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