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23.01.2012

Schlecker: Schneider Geiwitz stellt Insolvenzverwalter

Der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz von der Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner ist als Insolvenzverwalter des Drogeriekonzerns Schlecker bestellt. Mit einem Insolvenzplan hatte der Einzelhandelsriese den Weg zum Insolvenzgericht Ulm angetreten. Nach Presseberichten war mitten in der Restrukturierung eine Zwischenfinanzierung überraschend geplatzt.

Geiwitz ist Verwalter der Anton Schlecker e.K. Das Amtsgericht Ulm hat dieses Verfahren in seinem Beschluss ausdrücklich als Hauptinsolvenzverfahren nach der Europäischen Insolvenzorndung (EuInsVO) deklariert, um denkbaren Zuständigkeitskonflikten mit anderen europäischen Insolvenzgerichten vorzubeugen. Für die deutschen Tochtergesellschaften Schlecker Home Shopping sowie Schlecker XL wurden Geiwitz‘ Kanzleikollegen Patrick Wahren beziehungsweise Werner Schneider bestellt.

Schneider wird nach Angaben des Amtsgerichts Ulm auch Insolvenzverwalter der Schlecker-Tochter Ihr Platz, die heute ebenfalls Insolvenz anmeldete.

Mit rund 7.000 Filialen und 30.000 Mitarbeitern in Deutschland sowie zahlreichen Niederlassungen im europäischen Ausland hatte Schlecker 2010 noch rund 6,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt, in Folge von Filialschließungen dürfte dieser im Jahr 2011 weiter gesunken sein. Aufseiten der Arbeitnehmer berät Rüdiger Helm aus der Münchner Kanzlei Bell Helm PartnerInnen.

Arndt Geiwitz

Angesichts der bundes- und europaweiten Ausdehnung von Schleckers Geschäft kam für die Rolle des vorläufigen Insolvenzverwalters nur ein kleiner Kreis von Kanzleien infrage. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlecker-Stammsitz Ehingen liegen Ulm und Neu-Ulm, wo die renommierten Insolvenzkanzleien Pluta beziehungsweise Schneider Geiwitz & Partner ihren Sitz haben. Beide sind aktuell gut ausgelastet. Schneider Geiwitz bearbeitet die Großinsolvenz des Druckmaschinenbauers Manroland. Pluta ist mit dem Textileinzelhändler Wissmach bundesweit beschäftigt und hat sich erst kürzlich in Norddeutschland durch den Anschluss der Gutmann Insolvenzverwaltung verstärkt (mehr …).

In Presseberichten war auch über eine Bestellung Ottmar Hermanns von Hermann RWS spekuliert worden, der vor drei Jahren die Woolworth-Insolvenz bewältigt hatte und den angeblich Gläubiger für die Schlecker-Insolvenz ins Spiel gebracht hatten.

Dass bei Schlecker trotz des überraschenden Finanzierungslochs die Grundzüge eines Insolvenzplans vorliegen, deutet auf eine längerfristige anwaltliche Beratung der Gesellschafterfamilie hin. Mit einem solchen Plan versuchen Schuldner und Gläubiger einen einvernehmlichen Ausgleich ihrer finanziellen Interessen. Ziel ist es, ein jahrelanges, von einem starken Insolvenzverwalter gesteuertes Insolvenzverfahren abzukürzen. In der Regel geht ein Insolvenzplan mit der sogenannten Eigenverwaltung einher. Dabei behält die Geschäftsführung des insolventen Unternehmens ihre Befugnisse und der Insolvenzverwalter übernimmt als Sachwalter nur eine Aufsichtsfunktion. (Markus Lembeck)

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