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02.08.2012

BDO greift an: WP-Gesellschaft startet BDO Legal und holt vier Quereinsteiger

Zum August hat die fünftgrößte deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO den eigenen Rechtsberatungsarm BDO Legal ins Leben gerufen. Keimzelle und Kern der Einheit ist der bisherige rechtliche Kooperationspartner Dres. Lauter Otte & Knorr. Zugleich verstärkte sich die Kanzlei aber auch mit mehreren Quereinsteigern aus namhaften Großkanzleien.

Erika Kutz-Benger

BDO Legal startet mit gut 40 Anwälten an den fünf Standorten Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und Kassel. Geschäftsführer sind Erika Kutz-Benger und Parwäz Rafiqpoor. Zu deren bisher unter Dres. Lauter Otte & Knorr firmierendem Team stieß nun gleich vier Anwälte dazu, allesamt in Düsseldorf. Dr. Oliver Flaß (44) verstärkt die Corporate- und M&A-Praxis als Salary-Partner. Bis Ende 2010 war Flaß Partner im Kölner Büro von Luther.

Erweitern will BDO Legal auch ihre Beratung im Aktien- und Kapitalmarktrecht. Dafür gewann sie einen erfahrenen Associate von Linklaters. Lorenz Witte (36) stieg ebenfalls als Salary-Partner ein und gehört wie Flaß zur gesellschaftsrechtlichen Praxis. Außerdem übernimmt er die Leitung der neu eingerichteten Praxisgruppe Litigation.

Auch Dr. Christian Schröder (38), zuletzt Senior Associate im Düsseldorfer Team für IP-/IT-Recht bei Hengeler Mueller, ist bei BDO Legal Salary-Partner. Er soll den Aufbau der IP/IT-Praxis verantworten.

Der vierte Neuzugang, Dr. Dominik Becker (33), kam als Associate, erhält aber ebenfalls eine Leitungsfunktion. Er soll die Beratung im Kartell- und Beihilferecht aufbauen. Becker wechselte aus der Rechtsabteilung des Handelskonzerns Metro, wo er deren Landesgesellschaften in Asien, Russland und der Ukraine kartellrechtlich betreute. Auch Becker hat Großkanzleierfahrung: Bevor er zu Metro wechselte, war er einige Jahre im Düsseldorfer Büro von Clifford Chance tätig.

BDO definiert Beratungsspektrum neu

Eine starke Position im Markt hatte der bisherige BDO-Rechtsberatungspartner Lauter Otte & Knorr vor allem durch seine Beratung im Gesundheitssektor. Hier deckte die Kanzlei ein breites Spektrum ab, vom Medizinrecht bis hin zu Krankenhaustransaktionen (mehr…). Erklärtes Ziel von BDO Legal ist es, mit den Quereinsteigern auch in anderen Branchen und Rechtsbereichen stärker Fuß zu fassen. Bislang gelang das der Vorgängerin Lauter Otte & Knorr nur eingeschränkt, vor allem bei Deals mit kapitalmarktrechtlichem Bezug sah man die Sozietät wenig. Zudem agierte sie oft in Kooperation mit klassischen Anwaltskanzleien. Ein Beispiel ist die Beratung des Hotelbuchungsportals HRS bei der Übernahme von Hotel.de, die sie zusammen mit Noerr stemmte (mehr…).

Das Mutterhaus von BDO Legal, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, ist vor allem auf die Beratung der mittelständischen Wirtschaft fokussiert. Mit einem Umsatz von insgesamt 190 Millionen Euro im Jahr 2011 ist der Abstand zu den Big-Four-Prüfungsgesellschaften PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte zwar groß, der Vorsprung zu anderen mittelständischen Wettbewerbern aber ebenfalls beträchtlich.

Angeführt wird das Feld der Verfolger von Rödl & Partner, die 2011 in Deutschland einen Gesamtumsatz von 142,3 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Rödl setzt aber schon immer stark auf eine interdisziplinäre Beratung, und die Rechtsberatung ist eine der wichtigsten Säulen. Allein in Deutschland setzte Rödl auf diesem Feld 75 Millionen Euro um (mehr…).

Mittelständische WP-Gesellschaften investieren stark in Rechtsberatung

Holger Otte

Holger Otte

„Am Markt vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Mandanten bevorzugen besonders im Bereich des Mittelstands eine wirtschaftliche Beratung aus einer Hand“, sagt Dr. Holger Otte, Vorstandsvorsitzender von BDO. Mit der neuen Aufstellung soll dies nun besser gelingen. Allerdings ist die Rechtsberatung noch nicht vollständig unter BDO Legal zusammengefasst. So hat sich BDO zum Jahresanfang 2011 in München und einigen weiteren Standorten mit AWT Horwath zusammengeschlossen. Hier firmiert die Gesellschaft als BDO AWT, die Rechtsberatung dort wird vornehmlich über die Kanzlei AWT Seltmann abgedeckt. Überdies gibt es seit Ende 2011 eine Kooperation mit der Kanzlei Sibeth, vor allem im Hinblick auf immobilienrechtliche Fragestellungen (mehr…).

Neben BDO haben eine Reihe weiterer mittelständische Beratungshäuser in jüngerer Zeit ihre Rechtsberatungsarme gestärkt. So fusionierte Rölfs im Frühjahr 2011 mit der Kanzlei RP Richter (mehr…), wenngleich hier Mitte 2010 eine Trennung von Rölfs und Aderhold vorausgegangen war (mehr…). Für viel Aufsehen im Markt sorgte im vergangenen Jahr auch der Zusammenschluss von RöverBrönner und Susat zu RBS RoeverBroennerSusat (mehr…). Die Rechtsberatung wurde durch den Zusammenschluss deutlich ausgeweitet, auch wenn einige Susat-Anwälte im Zuge der Fusion RBS verlassen haben. Auch Warth & Klein Grant Thornton will die Rechtsberatung aufbauen.

Die Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier plant, die Macht insbesondere der großen Wirtschaftsprüfungen zu beschneiden. Ursprünglich war beabsichtigt, wieder eine stärkere Trennung von Prüfung und Beratung herbeizuführen.

Es zeichnet sich aber ab, dass dieser Plan aufgrund des großen Widerstands aus den EU-Mitgliedsstaaten zumindest abgeschwächt wird. Die mittelständischen Beratungsgesellschaften setzen indes darauf, dass sie mehr Geschäft machen können, weil die Dauerberatung durch die Marktführer eingeschränkt und an der Idee von gemeinsamen Prüfungen festgehalten wird. (Volker Votsmeier)

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