Artikel drucken
05.12.2012

Auf- und Umbruch: Bewegungen bei White & Case und Görg in Hamburg

Zum Jahreswechsel tut sich einiges in den Hamburger Büros von Görg und White & Case. Görg gewinnt für ihre Startformation in der Hansestadt noch ein Team um zwei langjährige White & Case-Partner dazu, den M&A-Experten Dr. Frank Evers (54) und den Öffentlichrechtler Kersten Wagner-Cardenal (53). White & Case verlassen wird zudem Corporate-Partner Dr. Christian Jacobs (50). Er kehrt zu Huth Dietrich Hahn zurück.

Kersten Wagner-Cardenal

Insgesamt stoßen drei neue Partner in das Görg-Büro. Gemeinsam mit Evers und Wagner-Cardenal wechselt Öffentlichrechtler Dr. Jan Scharf (42), bisher Local-Partner bei White & Case. Zudem gehen mit ihnen noch zwei Associates. Jan-Michael Dierkes folgt Wagner-Cardenal, Dr. John-Patrick Bischoff begleitet Evers. Damit wächst das Startteam von Görg in Hamburg auf knapp 30 Berufsträger.

Im September hatte die Kanzlei ihren Start in Norddeutschland angekündigt und dafür von Brinkmann & Partner ein anerkanntes Insolvenz- und Restrukturierungsteam gewonnen (mehr…). Mit den jetzigen Zugängen untermauert die Sozietät ihren Anspruch, sich in der Hansestadt fachlich breiter aufzustellen.

„Görg lässt sich nicht auf Restrukturierung und Insolvenz eingrenzen, auch wenn das natürlich wesentliche Bereiche unserer anwaltlichen Beratung sind“, sagte Dr. Michael Dolfen, Managing-Partner der Kanzlei. Die nächsten Schritte eines planmäßigen Ausbaus werden folgen, erklärte Dolfen und kündigte damit bereits weitere Verstärkung für das im Aufbruch befindliche Büro an.

Einschnitte bei White & Case

Im Umbruch befindet sich das Hamburger Büro von White & Case. Mit Evers, Jacobs und Wagner-Cardenal verlassen drei langjährige, zum Teil bundesweit sehr bekannte Partner die Sozietät. Vor allem Wagner-Cardenal gilt im Öffentlichen Recht und in seinem Spezialgebiet Vergaberecht als sehr angesehen. Evers war für die Sozietät und deren Vorgängerinnen seit 1988 tätig. Jacobs, Spross der Bremer Kaffee-Dynastie, kam 2002 zu White & Case.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung bei White & Case kommen die Wechsel, die nach JUVE-Recherchen unterschiedlich motiviert sind, indes nicht völlig überraschend. Bereits seit dem vergangenen Jahr hat die Fluktuation auf Partnerebene bei White & Case zugenommen. Die verstärkte personelle Bewegung liegt maßgeblich daran, dass die Kanzlei die Erwartungshaltung an die Partner erhöht hat – sowohl hinsichtlich der Art des Geschäfts als auch ihrer Integration in der Kanzlei.

Dies konnten und wollten zuletzt deutlich mehr Anwälte als in den vergangenen Jahren nicht erfüllen. So verließen die Sozietät zuletzt unter anderem der langjährige Leiter der Energieregulierungspraxis Manfred Ungemach (mehr…) sowie die bekannte Schiedsexpertin Dr. Patricia Nacimiento (mehr…).

Mit den jetzigen Wechseln wird die stärker zugespitzte Strategie von White & Case nun erstmals auch in Hamburg weithin sichtbar. Ein wesentliches Ziel der Kanzlei liegt darin, ihr traditionell breites Beratungsangebot noch stärker mit hochproftitablem, häufig sehr international ausgerichtetem Geschäft zu verquicken.Vor diesem Hintergrund ist vor allem der Weggang des Teams um Wagner-Cardenal ein schmerzhafter Einschnitt.

Mit ihm sowie Scharf verliert die Sozietät zwei anerkannte Köpfe, die maßgeblichen Anteil an der Reputation der Kanzlei im Vergaberecht haben. Zum Mandantenkreis gehören zahlreiche öffentlich-rechtliche Auftraggeber in Norddeutschland, denen gegenüber deutlich höhere Stundensätze kaum darstellbar wären.

Generationswechsel in Hamburg

Anders gelagert ist die Situation bei der Hamburger Corporate-Praxis, in der die Weggänge von Evers und Jacobs einen Generationswechsel markieren. Beide spielten in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle im M&A-Team. So war Evers lange Co-Spitze der bundesweiten M&A-Praxis der Kanzlei, Jacobs sorgte durch Transaktionen für Gesellschaften aus dem Konzern seiner Familie für einige spektakuläre Mandate.

Christian Jacobs

Christian Jacobs

Trotzdem hatten sich in Hamburg zuletzt einige andere Wettbewerber im Corporate-Segment deutlich dynamischer entwickelt. Mit Dr. Markus Althoff zu Beginn dieses Jahres und Dr. Matthias Stupp zum kommenden Jahr, hatte die Sozietät zuletzt auch zwei aufstrebende M&A-Spezialisten zu Equity-Partner befördert. 

 „Meine Aufgaben in unserem Familienkonzern und für mit ihm verbundene Gesellschaften werden mich künftig noch stärker fordern“, sagte Jacobs. Er kehrt nun zu seiner früheren Sozietät Huth Dietrich Hahn zurück, die er vor elf Jahren verlassen hatte.

„Dies kann ich in einer kleineren Einheit wie Huth Dietrich Hahn besser darstellen, als bei White & Case, wo dies schon in den vergangenen Jahren immer einen Spagat erforderte. Und außerdem kommen dort starke junge Partner nach, etwa Markus Althoff, mit dem ich lange gut zusammengearbeitet habe.“ Der Kanzlei bleibe er freundschaftlich verbunden, die Kontakte würden sicher nicht abreißen, so Jacobs weiter. 

Huth Dietrich Hahn dürfte er mit seinen Kontakten deutlich bereichern. Mit Jacobs sind künftig rund 20 Anwälte für die Kanzlei tätig. Die stark partnerzentrierte Sozietät gilt in der Hamburger Wirtschaft als gut vernetzt und ist vor allem im Gesellschaftsrecht regelmäßig in hochkarätige Mandate eingebunden. (René Bender)

  • Teilen