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24.09.2012

Görg: Insolvenzzweig expandiert mit Riesenschritten in Norddeutschland

Zum Jahresbeginn 2013 eröffnet Görg ein Büro in Hamburg mit Quereinsteigern von Brinkmann & Partner. Über 20 Berufsträger verlassen Brinkmann im Zuge einer Neuausrichtung der Kanzlei. Zu Görg wechseln in Hamburg unter anderem die ausgewiesenen Restrukturierungsexperten Dr. Thorsten Bieg (45) und Dr. Wolfram Lohse (43) als Partner. Bieg und Lohse werden mit dem Ex-Brinkmann-WP-/Steuerteam um Hans-Jürgen Wilke (48) und Peter Stoffersen (44) gleichzeitig als BWLS Steuerberater und Wirtschaftsprüfer firmieren.

Thorsten Bieg

Thorsten Bieg

Die neue Präsenz von Görg in Norddeutschland beschränkt sich aber weder örtlich auf Hamburg noch fachlich auf die Restrukturierungsberatung. Ebenfalls von Brinkmann wechseln die Insolvenzverwalter Gerhard Brinkmann (51, Rostock) und Marc Odebrecht (49) sowie Zwangsverwalter Hans-Jürgen Rieckhof (47; beide Schwerin) als Partner zu Görg. Gerhard Brinkmann, Bruder des Kanzleigründers Berthold Brinkmann, wird in Stralsund, Rostock und Neubrandenburg bestellt, Odebrecht bislang vor allem in Schwerin. Das dortige Insolvenzgericht bestellte ihn 2009 beispielsweise zum Verwalter in dem Großverfahren Wadan-Werften (mehr …). Odebrecht und Rieckhof werden allerdings ihren Tätigkeitsbereich auch in Richtung Hamburg ausweiten.

Hartwig Albers

In Berlin, wo Görg seit langer Zeit das zweitgrößte Büro der Kanzlei unterhält, wechselt der renommierte Verwalter Hartwig Albers (56) als Partner mit seinem vollständigen 17-köpfigen Team von Brinkmann zu Görg. Albers selbst ist einer der bekanntesten Verwalter der Hauptstadt. Er betreute unter anderem einen Teil der Immobilienpleite Level One sowie den Kabelnetzbetreiber Primacom (mehr …).

Zeitgleich mit dem Zuwachs durch die ehemaligen Brinkmann-Leute schließt sich die kleinere Insolvenzkanzlei Beck & Hölzle mit Görg zusammen. Dadurch erhält Görg eine stärkere Präsenz am Niederrhein, denn das Stammbüro von Beck & Hölzle liegt im beschaulichen Wallfahrtsort Kevelaer. Vor allem jedoch arrondiert Görg damit seine neue norddeutsche Ausdehnung in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, denn Neupartner Dr. Gerrit Hölzle (38) wird in der Hansestadt Bremen und in Bremerhaven bereits jetzt regelmäßig als Verwalter bestellt. Anfang 2010 war er dort zum Beispiel Verwalter des Windkraftanlagenbauers Innovative Windpower. Das Hölzle-Team umfasst sieben Berufsträger.

Mit den neuen Berufsträgern und Standorten stärkt Görg zum zweiten Mal im großen Umfang ihren insolvenzrechtlichen Bereich. Vor knapp fünf Jahren schlossen sich in Nordrhein-Westfalen Dr. Jörg Nerlich und Dr. Jörg Bornheimer mit ihren Teams Görg an (mehr …). Dadurch wuchs Görg zu einer der größten Verwalterkanzleien in NRW. Die Beschränkung des Verwaltungsgeschäfts auf das Stamm-Bundesland wird mit den neuen norddeutschen Büros nun erstmals und nachhaltig aufgehoben.

Das neue Büro soll zügig weiter ausgebaut werden. Managing-Partner Dr. Michael Dolfen sprach von einem Meilenstein: „Die Fakten erfordern an sich keinen Kommentar. Wir freuen uns, nach Köln, Berlin, Frankfurt, Essen und München mit Hamburg den sechsten Standort unter unserem blauen Logo eröffnen zu können, und das sofort in einer Größe und Besetzung, die unseren Vorstellungen zu dem Leistungsspektrum anwaltlicher Beratung entspricht.“

Thorsten Bieg erwartet in „in regionaler und fachlicher Hinsicht hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Das multidisziplinär ausgerichtete neue Hamburger Büro wird bereits zum Start über eine große Schlagkraft verfügen und sich in die Reihe der anderen großen norddeutschen Kanzleien einfügen“, sagte er.

Im Zuge der Insolvenzrechtsreform/ESUG war allenthalben ein Konzentrationsprozess in der Verwalterbranche erwartet worden. Doch bis auf den Zusammenschluss Pluta-Gutmann (mehr …) in Niedersachsen gab es bislang keine überregionalen Fusionen. Weitgehend unbemerkt blieb das Zusammengehen von Hamburger Insolvenzverwaltern unter dem Namen Reimer Anfang 2012.

Michael Dolfen

Michael Dolfen

Für die seit Jahrzehnten auf Wachstum programmierte Kanzlei Brinkmann & Partner bedeutet der Weggang die erste Unterbrechung der bundesweiten Expansionsstrategie. Der regionale Schwerpunkt auf Norddeutschland hatte aber bei Brinkmann in den vergangenen Jahren schon an Bedeutung verloren. Verwalter wie Dr. Jan Plathner, Dr. Axel Kulas, Olaf Spiekermann und Dr. Thorsten Fuest sind in der Südhälfte Deutschlands aktiv. Insbesondere Plathner wird regelmäßig für wichtige Insolvenzverfahren bestellt, zuletzt etwa beim Autozulieferer Neumayer Tekfor (mehr …) und beim Windenergieproduzenten Siag (mehr …).

Trotzdem gibt es in den vergangenen zwölf Monaten genug Belege, die für das Gewicht von Brinkmann & Partner im Norden sprechen. So wurde Berthold Brinkmann Ende 2011 erstmals in Hamburg als Insolvenzverwalter bestellt und konnte in dem Verfahren der Sietas-Werften deren Fortbestehen durch Verkäufe retten. In Rostock bestellte ihn das Gericht kürzlich zum Verwalter für die P+S-Werften (mehr …), aber auch zum Sachwalter der Elro-Gruppe. (Markus Lembeck)

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