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22.08.2013

IVG-Insolvenz: Sanierung mit Piepenburg und Ziems, Pfleiderer liefert die Vorlage

Der Bonner Immobilienkonzern IVG hat für seine Muttergesellschaft Insolvenz im Rahmen eines sogenannten Schutzschirmverfahrens angemeldet. Zum Sachwalter bestellte das Amtsgericht Bonn gestern den Düsseldorfer Insolvenzexperten Horst Piepenburg (59) von Piepenburg Gerling. Piepenburg ist seit seiner Tätigkeit bei dem Maschinenbaukonzern Babcock Borsig 2002 einer der bekanntesten deutschen Sanierer.

Horst Piepenburg

Der Vorstand der IVG AG bleibt bei der Schutzschirmvariante im Amt. Dort ist seit Ende Mai mit Hans-Joachim Ziems ein bekannter operativer Sanierer für die Restrukturierung verantwortlich. Das Tandem Piepenburg und Ziems sowie als Berater des Unternehmens die beiden Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer und Görg bildet damit die gleiche Konstellation wie 2012 bei dem Schutzschirm für den Holzstoffverarbeiter Pfleiderer (mehr …). Die zuvor gescheiterten Versuche, die Ansprüche einer Vielzahl von IVG-Gläubigern außergerichtlich zu befriedigen, müssen jetzt mit der Aushandlung eines Insolvenzplans fortgesetzt werden. Die Insolvenzordnung sieht dafür drei Monate vor.

Schon seit Beginn der Refinanzierungsverhandlungen im Frühjahr (mehr …) galt ein Insolvenzantrag als realistische Option. Die IVG-Schulden in Höhe von mehr als 4 Milliarden Euro bestehen unter anderem aus zwei unterschiedlich besicherten syndizierten Kredite, einer Wandelschuldverschreibung und einer Hybridanleihe. Insbesondere die Fälligkeit der Wandelanleihe im März 2014 hatte die Restrukturierung unter hohen Zeitdruck gesetzt. Außerdem hatten viele kreditgebende Banken ihre Forderungen frühzeitig an Hedgefonds und andere Investoren verkauft. Häufig werden große Restrukturierungsfälle von Großbanken mitgesteuert. Diese Steuerungsfunktion kam hier nicht zum Tragen. Stattdessen sorgte die Vielzahl neuer Gläubiger nach Auskunft von Beteiligten für einen großen Aufmarsch an Beratern.

Das Amtsgericht Bonn ist als Insolvenzgericht für einige der großen deutschen Insolvenzen der vergangenen Jahre zuständig, zum Beispiel den Energieversorger Teldafax oder das Kongresszentrum WCCB. Auch der angeschlagene Photovoltaikkonzern Solarworld, der vor wenigen Wochen eine Einigung mit seinen Gläubigern erzielen konnte, wäre im Falle einer Insolvenz auf dem Schreibtisch der Bonner Insolvenzrichter gelandet. (Markus Lembeck)

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