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07.08.2013

Suhrkamp: Sachwalter Rattunde legt Gutachten vor, Gleiss Lutz steuert Insolvenzplan bei

Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg hat am Dienstagabend das Insolvenzverfahren gegen den Suhrkamp Verlag eröffnet. Das bestätigte die zuständige Richterin Mechthild Wenzel nach einem entsprechenden Bericht der Tageszeitung ,Die Welt‘ . 

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Rolf Rattunde

Die Gesellschaft hatte zunächst im Rahmen der Eigenverwaltung einen Insolvenzplan erstellt. Sachwalter Rolf Rattunde hat ein Gutachten vorgelegt, wonach der Verlag, bislang eine Kommanditgesellschaft, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Der Insel Verlag, der operativ vom Suhrkamp Verlag abhängig ist, soll eine Tochtergesellschaft des Suhrkamp Verlags werden. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach verliert durch die Umstrukturierung voraussichtlich zahlreiche Sonderrechte. Die von ihm geführte Medienholding Winterthur streitet seit Jahren mit der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung um die Einflussnahme im Verlag.

Zuletzt hatte Hans Barlach vor dem Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach die Unseld Familienstiftung ihre Gewinnforderung für die Jahre 2010 und 2011 zurückstellen musste, bis das Amtsgericht Charlottenburg über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden hat (mehr…). Auch wenn die Gesellschafterverhältnisse durch die geplante Umwandlung neu geordnet werden, sind doch einige der laufenden Streitigkeiten zwischen Barlach und der Suhrkamp-Geschäftsführung damit nicht automatisch erledigt. So sind etwa vor dem Landgericht Frankfurt weiterhin Klagen anhängig, in denen beide Seiten auf den jeweiligen Ausschluss des anderen Gesellschafters drängen.

In einer für in dieser Woche vor dem Landgericht Berlin angesetzten Verhandlung versuchte Barlach zudem ein Tätigkeitsverbot für die Geschäftsführer zu erwirken. Der Vorwurf: Sie hätten die Insolvenz vorsätzlich herbeigeführt. Jedoch wiesen die Berliner Richter seinen Eilantrag auf sofortige Absetzung ab, eine schriftliche Begründung der Entscheidung steht noch aus.

 Vorläufiger Sachwalter im Schutzschirmverfahren
Leonhardt (Berlin): Prof. Rolf Rattunde

Generalbevollmächtigter
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus

Berater Suhrkamp Verlag
Gleiss Lutz
(Hamburg): Dr. Jörn Wöbke, Dr. Andreas Spahlinger

Berater Medienholding Winterthur
Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank (Hamburg): Hubertus Leo, Dr. Thorben Rein
Schultz-Süchting (Hamburg): Dr. Rolf Schultz-Süchting

Hintergrund: In Frankfurt legte die Familienstiftung gerade vor dem Landgericht ihre Argumente gegen die kürzlich erlassene einstweilige Verfügung (mehr..) dar, als die Nachricht von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über den Ticker ging. Mit dem Beschluss hatten die Barlach-Anwälte vor einigen Wochen noch versucht, dem drohenden Insolvenzverfahren die Grundlage zu entziehen. Nun stellte der Gutachter Rattunde aber eindeutig fest: Der Suhrkamp Verlag ist zahlungsunfähig und überschuldet. Suhrkamp hatte im Juni von dem neuen Mittel des Schutzschirmverfahrens Gebrauch gemacht (mehr..).

In dem Verfahren vor dem Berliner Landgericht wurde die Geschäftsführung  laut Marktinformationen von Dr. Jörg Jaecks von der Berliner Kanzlei Raue vertreten. Deren Namenspartner Prof. Dr. Peter Raue steht der bisherigen Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz bereits seit Längerem zur Seite.(Ulrike Barth)

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