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24.09.2013

Paukenschlag in Berlin: Morrison & Foerster gewinnt Hogan Lovells-Büro zum Deutschland-Start

Morrison & Foerster eröffnet ein deutsches Büro in Berlin. Dazu wechseln sieben von acht Partnern des Berliner Büros von Hogan Lovells zu der US-Kanzlei. Damit steht Hogan Lovells vorerst ohne ein Büro in der Hauptstadt da.

Zum Startteam bei Morrison & Foerster gehört auch der bisherige Managing-Partner des Berliner Hogan Lovells-Büros, Dr. Christoph Wagner (51). Der renommierte Medienrechtler hatte die Sozietät bereits zum September verlassen (mehr…). Der Zeitpunkt der Eröffnung des neuen Morrison & Foerster-Büros steht noch nicht fest. Ob auch alle Counsel und Associates sich dem Team anschließen, steht noch nicht fest, ist aber wahrscheinlich.

Der angesehene Kartellrechtler Dr. Eckhard Bremer (56) wechselt nicht mit zu Morrison & Foerster. In welchem Büro er künftig tätig sein wird, ist derzeit nicht klar.

Christoph Wagner

Christoph Wagner

Neben den acht Partnern arbeiteten bei Hogan Lovells in Berlin zuletzt 5 Counsel, 14 Associates, ein of Counsel sowie ein Professional Support Lawyer. Starke Schwerpunkte liegen in der Corporate-Beratung und innerhalb der Medienbranche – mit Dirk Besse (45), Jörg Meissner, Eckhard Bremer und Andreas Grünwald sind allein vier Partner in diesen Bereichen aktiv. Das Steuerrecht besetzte auf Partnerebene bislang Jens-Uwe Hinder, der zugleich Leiter der deutschen Praxisgruppe ist. Im Arbeitsrecht ist zudem der Partner Hanno Timner (47) aktiv. Den ehemaligen Hogan & Hartson Raue-Anwälten schließen sich auch die beiden Corporate-Partner Karin Arnold (52) und Thomas Keul (43) an, die erst 2011 von Broich Bezzenberger gewechselt waren (mehr…).

Missglückte Integration
Der Verlust des Berliner Büros ist ein herber Schlag für die Integrationsbemühungen seit der Fusion von Hogan & Hartson Raue und Lovells im Jahr 2010 (mehr…). Mit dem Zusammenschluss gewann der Lovells-Arm wieder ein starkes Berliner Büro dazu, nachdem sich die Sozietät 2007 aus Berlin zurückgezogen hatte. Allerdings hielten sich auch kritische Stimmen zur strategischen Ausrichtung und der personellen Stabilität des Büros. Denn bereits vor der Fusion hatte sich ein Teil der ehemaligen Hogan & Hartson-Anwälte unter Raue selbstständig gemacht (mehr…).

„Hogan Lovells hat derzeit keine Pläne, ein Büro in Berlin zu unterhalten“, sagte Dr. Christoph Küppers, Regional Managing-Partner für Kontinentaleuropa von Hogan Lovells. Die deutsche Praxis konzentriert sich damit auf die vier Standorte Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München, die der Lovells-Teil 2010 mit in die Fusion brachte. Laut Küppers hat Hogan Lovells allen Berliner Associates angeboten zu bleiben,  sofern sie bereit sind, an einen der vier anderen Standorte zu wechseln.

Karin Arnold

Karin Arnold

Weiteres US-Schwergewicht in Deutschland
Morrison & Foerster wurde in San Francisco gegründet, hat sich aber längst gleichwertig in New York etabliert. Bekannte Schwerpunkte der Full-Service-Kanzlei sind Transaktionen sowie Technologie, wofür sie auch ein Büro in Palo Alto unterhält. Sie ist etwa eine der internationalen Kanzleien auf dem Novartis-Panel (mehr…) und war auch 2010 neben Hengeler Mueller für Intel beim Kauf der Handychipkarten-Sparte tätig (mehr…). In Europa ist Morrison & Foerster in London und Brüssel präsent. Berlin ist der weltweit 17. Standort.

„Eines unserer strategischen Kernziele ist der Ausbau der globalen M&A-Praxisgruppe. In den vergangenen Jahren haben wir dies mit wichtigen Ergänzungen in London, New York, Tokio, China, San Francisco, Silicon Valley, Singapur und Washington D.C. bereits getan“, sagte Robert Townsend, Co-Chair der internationalen M&A-Praxis von Morrison & Foerster und Mitglied des Executive Committee. „Unser Ziel in Deutschland ist nicht weniger als die Marktführerschaft bei TMT-Transaktionen.“

Konflikte als Auslöser?
Zu ihren Beweggründen wollten sich die Wechsler nicht äußern. In der Vergangenheit waren allerdings immer wieder Interessenkonflikte innerhalb der renommierten IP- und Medienpraxis ein großes Thema gewesen, besonders hinsichtlich der engen Beziehung von Hogan Lovells zur Deutschen Telekom. Der Telekommunikationsriese ist einer der wichtigsten Mandanten von Hogan Lovells, die Kanzlei betreut etwa das weltweite Markenportfolio.

Schon zur 2010 waren Konflikte innerhalb der Medienpraxis, aber auch zwischen der Medien- und IP-Praxis aufgetreten, die nicht ohne Folgen blieben: Nach der Raue-Abspaltung, die allerdings nicht nur Konflikte als Grund hatte, verließ im Juni 2011 ein Münchner Partner die Kanzlei zu Jones Day (mehr…). Wenige Monate später ging auch das Hamburger Medienteam von Bord und heuerte bei Bird & Bird an (mehr…).

Zwar standen seit den Abgängen keine konkreten Mandatskonflikte mehr im Raum, allerdings wurde im Markt viel über die Weiterentwicklung insbesondere der Medienpraxis neben der starken IP-Mandantin Deutsche Telekom diskutiert. Für Aufsehen hatte im Sommer zudem ein Beitrag Wagners in der ‚FAZ‘ gesorgt, in dem er sich in der Frage um die mögliche Drosselung beim Datenverkehr von Internetzugängen gegen die Position der Deutschen Telekom gestellt hatte. (Simone Bocksrocker)

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