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15.12.2009

Nach der Abstimmung: Hogan Lovells formiert sich

Die Partner von Hogan & Hartson und Lovells haben einer internationalen Fusion der beiden Kanzleien zugestimmt. Das gaben die Sozietäten vor wenigen Stunden bekannt. Hogan Lovells heißt die neue Einheit, die zu den weltweit zehn größten Wettbewerbern gehören wird.

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David Harris

Öffentlich bekannt geworden waren die Fusionsabsichten vor gut zwei Monaten (mehr…) In den vergangenen fünf Tagen konnten die Partner nun über den Zusammenschluss abstimmen. Auf beiden Seiten schreibt der Partnerschaftsvertrag für derartige Entscheidungen eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent vor. Wie hoch die Zustimmung auf beiden Seiten ausfiel, bezifferten die Kanzleien nicht.  

Die beiden deutschen Managing Partner der Kanzleien, Dr. Christoph Küppers (Lovells) und Dr. Gernot Meinel (Hogan & Hartson) gehen allerdings von einer „sehr deutlichen Mehrheit“ aus.

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Warren Gorrell

Die neue transatlantische Riesenkanzlei soll zum Mai 2010 an den Start gehen. Hintergrund ist, dass das laufende Geschäftsjahr von Lovells am 30. April endet. Auf wichtige Eckpunkte hatten sich die Partner bereits festgelegt: Recht früh einigten sie sich etwa auf den Namen Hogan Lovells. Auch über die Grundzüge der Managementstruktur verständigten sie sich vorab: Der Zusammenschluss unter Gleichen sieht zwei internationale Hauptquartiere in Washington D.C. und London vor. Lovells-Managing Partner David Harris sowie Hogan & Hartson-Chairman Warren Gorrell stehen der Kanzlei als gemeinsame Doppelspitze bis 2014 vor. John Young, bislang Senior Partner bei Lovells, unterstützt sie als Co-Chairman gemeinsam mit der Hogan-Partnerin Claudette Christian.

Es entsteht eine Sozietät mit rund 2.500 Anwälten und 40 Büros. Der akkumulierte Umsatz der beiden künftigen Partner liegt für 2008 bei gut 1,8 Milliarden Dollar. Zu dem Ergebnis trägt Hogan & Hartson 920 Millionen US-Dollar bei, während Lovells weltweit einen Umsatz von 892 Millionen Dollar verbuchte.

Derzeit unterhält Hogan & Hartson Büros an 27 Standorten. Außerhalb der USA hat die Kanzlei acht Büros in Europa, eines in Südamerika sowie fünf in Asien und im Nahen Osten. Lovells ist mit 19 Büros in Europa und sieben Standorten in Asien und im Nahen Osten vertreten. In den USA hat sie Büros in New York und Chicago.

An rund 15 Standorten müssen Hogan & Hartson- und Lovells-Büros zusammengeführt werden. Für Deutschland bedeutet dies, dass die Münchner Büros beider Kanzleien zusammengehen. Zu den weiteren Lovells-Standorten in Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt kommt noch das Berliner Hogan-Büro hinzu.

Vollzogen werden soll die Fusion durch die Zusammenlegung der beiden US-Praxen einerseits und der europäischen Büros andererseits. Dazu wird Hogan Lovells zwei getrennte Einheiten umfassen, einerseits die Hogan Lovells US LLP, andererseits die Hogan Lovells International LLP, einen Verein schweizerischen Rechts.

Nach unbestätigten Informationen orientiert sich die Vergütungsstruktur der neuen Einheit an dem bisherigen Hogan & Hartson-Modell, einem Merit-based-System. Danach werden die Partner zu 85 Prozent nach modifiziertem Lockstep vergütet. Bislang legte ein Komitee für jeden Partner individuell Punkte fest, die sich einerseits nach der individuellen Leistung, anderseits nach Seniorität und weiterem Engagement für die Sozietät richteten. Die verbleibenden15 Prozent wurden am Ende des Geschäftsjahres als Bonus für herausragende Leistungen ausgeschüttet.

Die Lovells-Partner nehmen damit Abschied von ihrem bisherigen Lockstep-System. Dazu werden die Lockstep-Punkte unter Berücksichtigung der Senioritätsstufe in Merit-based-Punkte übertragen. Um sicher zu stellen, dass die Partner in der richtigen Stufe eingeordnet werden, soll sich der Prozess über zwei Jahre hinziehen, berichten britische Presseorgane.

Damit erhalten Lovells-Partner erstmalig einen leistungsabhängigen Bonus. Dieser existiert bereits länger für Associates. Das reine Lockstep-System galt für viele Lovells-Partner lange als unumstößlich. Allerdings hatte es in der Kanzlei zuletzt Bestrebungen gegeben, stärkere Leistungskomponenten einzuführen.

Mit der Fusion nehmen die Lovells-Partner ebenfalls Abschied von ihrer bisherigen Altersregelung – bislang scheiden Partner spätestens mit 65 Jahren aus. Hogan & Hartson kennt dagegen kein spezifisches Ruhestandsalter. Im Gegenzug akzeptieren die Hogan-Partner den bei Lovells gültigen Jahresurlaub von 30 Tagen. Beobachter werten dies als großen kulturellen Sprung für die US-Partner, die extrem kurze Urlaubszeiten gewöhnt sind.

Der bessere Zugang zu den asiatischen Märkten sowie eine stärkere Präsenz in London und Kontinentaleuropa gehören dem Vernehmen nach zu den ausschlaggebenden Beweggründen der Hogan-Partner für eine Fusion, während innerhalb der Lovells-Partnerschaft das Thema US-Expansion bereits seit vier Jahren ganz oben auf der Tagesordnung stand. Lovells ist mit einer relativ kleinen Mannschaft in den USA präsent und besonders auf Versicherungsrecht, IP, Litigation und Insolvenzrecht fokussiert. Kaum präsent ist sie dort jedoch im Corporate-Bereich. Die Lösung des US-Problems galt als eine der wesentlichen Herausforderungen der neuen Amtszeit von Lovells-ManagingPartner David Harris. Er hatte sich im November 2008 gegen den Deutschen Dr. Harald Seisler durchgesetzt (mehr…).

Hogan & Hartson dagegen ist in Europa und Asien schwächer als Lovells. Die beiden deutschen Managing Partner Küppers und Meinel gehen daher davon aus, dass man sich „gegenseitig in den Regionen perfekt ergänzen wird, zu denen die beiden Seiten jeweils Zugang suchen.“

Auch andere Kanzleien sind im vergangenen Jahrzehnt erfolgreich den Weg einer transatlantischen Fusion gegangen: Beispielsweise schlossen sich 1999 Clifford Chance (Großbritannien), Pünder Volhard Weber & Axster (Deutschland) und Rogers & Wells (USA) zu einer globalen Sozietät zusammen. 2003 folgte der Zusammenschluss von Jones Day (USA) mit der Londoner Kanzlei Gouldens (mehr…). Als eine der weltweit größten Zusammenschlüsse gilt die Entstehung von Mayer Brown in ihrer heutigen Form: 2002 schlossen sich die US-Kanzlei und ihre europäischen Büros mit Rowe & Maw zusammen. 2008 expandierte die Sozietät dann nach Asien (mehr..), wo sie sich mit der Hongkonger Kanzlei Johnson Stokes & Master (JSM) zusammentat. (Ulrike Barth, Mathieu Klos)

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