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23.07.2014

Prokon-Gläubigerversammlung: Insolvenzverwalter Penzlin kann Sanierung angehen

Gestern fand im Insolvenzfall Prokon eine der größten Gläubigerversammlungen in der Geschichte der Bundesrepublik statt. Dr. Dietmar Penzlin von Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin in Hamburg wurde als Insolvenzverwalter bestätigt und lieferte sich Berichten zufolge eine harte Auseinandersetzung mit Prokon-Gründer Carsten Rodbertus.

Dietmar Penzlin

Dietmar Penzlin

Bei der Versammlung kamen rund 2.350 stimmberechtigte Beteiligte zusammen, die insgesamt 29.800 Gläubiger vertraten. Die Summe der Stimmrechte lag bei knapp 705 Millionen Euro. Penzlin wurde von einer deutlichen Mehrheit damit beauftragt, einen Insolvenzplan nach Möglichkeit bis Ende Januar 2015 auszuarbeiten, mit dem Ziel Prokon im Kernbereich zu sanieren.

Rodbertus warb auf seiner Website mit einem eigenen Insolvenzplan und forderte Genussrechtsinhaber auf, Alfons Sattler mit ihren Interessen zu bevollmächtigen. Das Amtsgericht Itzehoe erklärte aber die Stimmrechte, die Sattler zur Vertretung erhielt, für ungültig. Die zuständige Rechtspflegerin begründete die Entscheidung damit, dass hinter ihm Rodbertus als Geschäftsführer der Schuldnerin stehe und dieser nicht auf beiden Seiten in derselben Sache tätig sein kann. Drei Befangenheitsanträge wurden gegen die Rechtspflegerin gestellt, die das Gericht noch während der Gläubigerversammlung zurückwies.

Der Ausschluss von Sattler geht auf einen entsprechenden Antrag von Klaus Nieding zurück, der einen der drei großen Gläubigergruppen vertritt. Nieding ist Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sowie Partner bei Nieding + Barth. Die Freunde von Prokon stellen eine weitere große Gläubigergruppe und werden durch Dorothee Madsen von Kebekus et Zimmermann in Dortmund vertreten. Sattler kam ursprünglich von den Freunden von Prokon, mit denen es aber zum Bruch kam.

Ex-Prokon-Chef greift Penzlin an

Der Interessenkonflikt ergebe sich Nieding zufolge bei Sattler beziehungsweise Rodbertus daraus, dass Penzlin Schadensersatzansprüche gegen Rodbertus wegen Pflichtverletzungen angekündigt hat. Rodbertus wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, über Sattler die Auswirkungen des Insolvenzverfahrens auf ihn selbst abmildern zu wollen.

Penzlin erhebt schwere Vorwürfe: So sei der Jahresabschluss von 2012 nichtig und der von 2013 nicht testierbar. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt indessen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung gegen Rodbertus, den Penzlin auch entlassen hat. Der Ex-Prokon-Chef warf dem Insolvenzverwalter hingegen vor, eine Zerschlagung des Unternehmens anzustreben. Gemeinsam mit den drei großen Gläubigergruppen hatte sich Penzlin allerdings schon Anfang Juli dagegen entschieden, das Unternehmen zu zerschlagen beziehungsweise das gesamte Windparkportfolio in Deutschland und Polen zu verkaufen.

Penzlin arbeitet in dem Komplex eng mit BRL Boege Rohde Lübbehuesen zusammen. Das Unternehmen selbst hatte kurz vor dem Insolvenzantrag die Hamburger MDP-Kanzlei mandatiert. (Parissa Kerkhoff)

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