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17.10.2017

Trigema-Streit: Buchalik Brömmekamp verteidigt Werbung für Eigenverwaltung

Buchalik Brömmekamp wehrt sich gegen ungewöhnlich scharfe Kritik aus der Insolvenzszene. Öffentlich hatte das Forum 270, ein neu gegründeter Zusammenschluss von Restrukturierungsanwälten, Insolvenzverwaltern und Sanierungsberatern, ein Schreiben der Kanzlei als nachteilig für den Insolvenzstandort Deutschland gebrandmarkt. Dieses war im Juli auch an den Textilunternehmer Wolfgang Grupp (‚Trigema‘) gegangen, der den Brief weitergab und öffentlich kritisierte. 

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Dirk Eichelbaum

Das Forum 270 griff das Vorgehen der Kanzlei ebenfalls scharf an und teilte mit: „Das nun kursierende Werbeschreiben fügt dem Ansehen der Eigenverwaltung erheblichen Schaden zu und erschwert vielen Unternehmen den Rückgriff auf dieses wichtige und bewiesenermaßen funktionierende Sanierungsinstrument nachhaltig.“

Grupp hatte das Anschreiben des Stuttgarter Buchalik-Partners Dirk Eichelbaum öffentlich kritisiert, verschiedene Medien griffen das Thema Anfang Oktober auf. Eichelbaum, der im November 2015 von Derra Meyer & Partner zu Buchalik Brömmekamp gewechselt war, hatte ursprünglich auch einmal als Insolvenzverwalter gearbeitet. In dem langen Brief, den die Kanzlei als Informationsschreiben einordnet, beschreibt Eichelbaum den dramatischen Umbruch der Textilindustrie: „Sollte sich das Unternehmen bereits in einer Krise befinden, bietet eine Sanierung unter Insolvenzschutz (Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung) vielfältige Möglichkeiten zur Krisenbewältigung.”

Das Forum 270 greift insbesondere drei Themen des Briefes heraus: Die vermeintlich herabgesetzte Wirksamkeit von privaten Bürgschaften und sonstigen Haftungserklärungen, die guten Erfolgsaussichten einer Eigenverwaltung auch ohne Zuführung externer Mittel und die oft niedrigen Quoten für ungesicherte Gläubiger. Buchalik Brömmekamp empfindet die Kritik an den Formulierungen ihres Schreibens dagegen als konstruiert: „Die vielfach verbreitete Behauptung, wir hätten Unternehmen eine vorsätzliche Insolvenz vorgeschlagen, ist ebenso falsch wie absurd“, teilte die Kanzlei mit.

Branche unter Druck

Die Branche der Sanierungs- und Insolvenzberater steht unter hohem Wettbewerbsdruck. Nicht zuletzt aufgrund der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland sind die Krisenexperten weniger gefragt als früher. Kleine wie große Kanzleien plagen sich mit strukturellen Überlegungen: hww Hermann Wienberg Wilhelm hat die Rentabilität von Kleinverfahren infrage gestellt, Kübler hat neben Abgängen auch eine Fokussierung auf Restrukturierung und Kriminalinsolvenzen verkündet. Aus Fusionen sind neue mittelgroße Insolvenzkanzleien entstanden, so etwa Mönning Feser und Reinhardt & Kollegen.

Gut fünf Jahre nach dem Inkrafttreten der Insolvenzrechtsreform namens ESUG („Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“) befindet sich außerdem diese Reform auf dem Prüfstand. In einer groß angelegten Evaluation ermittelt ein wissenschaftliches Konsortium den Stand der Diskussion, insbesondere sind Belege für die oft geäußerte Kritik an den Kriterien und Zugangsvoraussetzungen für eine Eigenverwaltung gefragt. Das aktuelle Gefecht um die Vermarktung dieser Insolvenzvariante dürfte nicht zufällig in diese Evaluationsphase fallen.

Compliance-Fragen im Hintergrund

Ebenso wichtig ist allerdings die Frage, mit welcher Compliance-Aufstellung Kanzleien und Beratungsgesellschaften in der Insolvenzbranche unterwegs sind. Buchalik Brömmekamp fordert in ihrer Replik auf die Kritik des Forum 270: „Insolvenzverwaltung und Insolvenzberatung muss strikt getrennt werden.“ Tatsächlich sind die Forumsmitglieder beziehungsweise ihre Kanzleikollegen in der Mehrzahl sowohl als Sanierungsanwälte als auch als Insolvenzverwalter/Sachwalter tätig – letzteres übrigens auch in Fällen, die Buchalik Brömmekamp beraten hat. Doch auch das Ertragsmodell von Buchalik Brömmekamp wird im Markt seit Jahren argwöhnisch betrachtet: Häufig sind in den Eigenverwaltungsfällen, die sie betreut, neben den Beratern auch Interimsgeschäftsführer aus der eigenen Sozietät beziehungsweise der eigenen Unternehmensberatungsgesellschaft tätig. Auf diese Weise lande ein erklecklicher Anteil der Sanierungsaufwendungen bei ein und derselben Adresse. Nach eigenen Angaben hat Buchalik Brömmekamp bereits über 140 Eigenverwaltungsverfahren betreut. (Markus Lembeck)